Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (14)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


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KAPITEL 14 von 15

Der gute Streiter Jesu Christi

(The Sword and the Trowel Dezember 1889)

Du nun erdulde die Widrigkeiten als ein guter Streiter Jesu Christi! (2Timotheus 2,3)

Friede, Friede, wo kein Friede ist

In der Dezemberausgabe 1889 von The Sword and the Trowel schrieb Spurgeon den Artikel This Must be a Soldier’s Battle (Dies muss der Kampf eines Soldaten sein). Das Evangelium war eineinhalb Jahre nach Beginn der Downgrade Kontroverse in vielerlei Hinsicht durch die moderne Theologie in Zweifel gezogen worden. Spurgeon schreibt: „Kaum eine Denomination ist frei von den Feinden der Wahrheit: sie befinden sich in unseren Reihen. In der Church of England (Anglikanische Kirche) überwiegen die abergläubischen Abweichler vor den Skeptikern; und es ist kein leichter Kampf, den die Evangelikalen innerhalb des Establishments führen. Wie kommt es, dass sie dort kämpfen? … Es ist überaus notwendig geworden, dass die Gemeindemitglieder der Baptisten sich einer persönlichen Prüfung der debattierten Streitpunkte stellen. Es ist klar, dass der Vorstand des Bundes nichts dazu zu sagen hat, außer dass sie diejenigen tadeln, die gegen den wachsenden Irrtum protestieren. Die Prediger rufen ebenso: ‚Friede, Friede, wo kein Friede ist.‘ Wenn unbeugsame Männer sich dieser Sache annehmen würden und gottesfürchtige Männer entschlossen wären, sich nicht mit jenen zu verbinden, die von der Wahrheit abirren, würde sich vieles schnell klären.“

Über das Urteil eines kongregationalistischen Predigers, der zu meinen glaubte, dass 95 Prozent der Prediger dem alten Evangelium verpflichtet seien, widerspricht Spurgeon: „Wir wünschen uns aufrichtig, dass wir dies glauben könnten; aber wir denken, dass dieser Prozentsatz viel zu hoch ist. Bestünde in unseren freien Gemeinden die Möglichkeit, seine Stimme zu erheben oder sich Gehör über christliche Zeitschriften zu verschaffen, könnten wir Zuversicht schöpfen, dass die Herren der toleranten Schule sich in der Minderheit befinden. Aber die Stunde der freien Meinungsäußerung wird nicht kommen, bis der alte, nonkonformistische Geist in Pastoren, Diakonen und Gemeindemitgliedern erwacht, und die Mundsperre in den christlichen Zeitschriften aufgehoben wird“ (Sword & Trowel, Dezember 1889).

Über die Free Church of Scotland, eine reformierte Freikirche, die 1843 gegründet worden war, nachdem ein Drittel der Pastoren die Schottische Staatskirche verlassen hatten, schreibt Spurgeon: „Die Free Church of Scotland muss derzeit leider als Bewegung betrachtet werden, die eilig darum bemüht ist, eine Vorreiterrolle der neuen Theologie zu übernehmen, die keine Theologie ist, sondern im Widerspruch zum Wort des Herrn steht. Diese Bewegung, die wir dafür rühmten, dass sie gesund im Glauben und von einem Märtyrergeist beseelt war, hat die Ausbildung ihrer zukünftigen Prediger zwei Professoren anvertraut, die andere Lehren als ihre Denomination vertreten. Dies ist ein Akt des Selbstmords, der schlimmer nicht sein kann. Es ist befremdlich, dass zwei Herren, die nach etwas Besserem oder Neuerem als den alten Glauben suchen, ein Amt übernehmen, das ihre Zustimmung zu den alten Lehren dieser Kirche erfordert; aber Charakterstärke ist nicht gerade ein Merkmal der heutigen Tage, und das Einhalten von Glaubensbekenntnissen ist nicht automatisch gewährleistet, wie es der Fall wäre, wenn das Gewissen wach ist. In der Free Church of Scotland existiert ein Glaubensbekenntnis, und es gibt Disziplinarmaßnahmen; aber diese sind nutzlos, wenn niemand der Treuen in dieser Gemeinschaft sie umsetzt. Jeder, der sich um des Friedens willen vor diesem Kampf zurückzieht, wird sich für den Tod von Seelen verantworten müssen. Es geht um die Bibel oder nicht die Bibel, Sühnung der Sünden (durch das Kreuz) oder nicht Sühnung der Sünden (durch das Kreuz). Lässt man alle vagen Aussagen hinter sich, ist dies der eigentliche Streitpunkt; und jeder, der den Herrn Jesus liebt, sollte sich berufen fühlen, seine Verantwortung im Kampf für den ein für alle Mal den Heiligen überlieferten Glauben zu übernehmen“ (ebd.).

Zögern ist gefährlich

Und erneut nennt Spurgeon Namen, die mit dem Glaubensabfall verbunden sind: „Aus dem großen Übermut der Herren Bruce und Dods ersehen wir, dass sie sich vollkommen sicher fühlen bei der Verbreitung ihrer Meinungen. Offenkundig können sie sich auf eine Mehrheit stützen, die ihnen Immunität verleiht. Und wir befürchten, dass sie tatsächlich ihre Ziele erreichen. Wenn nicht die ganze Kirche erwacht und sich ihrer Pflicht bewusst wird, sind die Evangelikalen in der Free Church of Scottland dazu verurteilt, abermals die Herrschaft der Mäßigung zu erleben. Haben sie so viel Leid umsonst erduldet? Werden sie einen Stand einnehmen?“ (ebd.). Spurgeon rief die Gläubigen auf: „Nichts kann einen wahren Gläubigen seiner Pflicht entbinden, sich im Glauben und in der Lehre sowie in seinem Handeln rein und unbefleckt zu erhalten, sofern es in seiner Macht steht. Der stille Landprediger, der zurückhaltende Diakon oder Älteste, der unbedeutende Christ – jeder muss um die Hilfe des Herrn gegen die Mächtigen rufen. Die Krise wird von Tag zu Tag aktueller: ein Zögern ist gefährlich; Abwarten wird in den Ruin führen. Wer immer auf der Seite des Herrn steht, muss es augenblicklich zeigen, und das unmissverständlich. Mögen diejenigen, die eine ‚Reformation’ oder ein neues Glaubensbekenntnis fordern, aufstehen und ihre Stimme dafür erheben, anstatt weiter ihr Innerstes zu verbergen, oder sie mögen das Brot jener Männer essen, die sie aufgrund ihrer so hoch geschätzten Überzeugungen kritisieren. Mögen sie aufrichtig sein, und mögen die Evangelikalen wahrhaftig sein. Die Gemeinde erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht erfüllt“ (ebd.).

Spurgeon sagte einmal: “Es gibt Zeiten, wenn Einsamkeit besser als Gemeinschaft und Schweigen besser als Reden ist. Wir wären bessere Christen, wenn wir mehr alleine sein würden, um auf Gott zu hören und um über sein Wort nachzusinnen, damit wir Kraft für das Werk seines Dienstes empfangen.“1 Als guter Streiter Jesu Christi war Spurgeon nicht nur der, der seine Stimme erhob, sondern auch der, der schweigen und auf die Stimme seines Herrn hören konnte.

Anmerkungen

  1. Charles Spurgeon, Morning and Evening, Hendrickson Publishers, 1995, 12. Oktober.

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© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

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Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

Empfehlenswerte Begleilektüre:

Iain H. Murray; C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt

C.H.Spurgeon – Alles zur Ehre Gottes (Autobiographie)

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