Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (13)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


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KAPITEL 13 von 15

Rosen unter den Dornen

(The Sword and the Trowel Mai 1889)

Ach! Wie ist das Gold geschwärzt, wie ist das kostbare Gold entstellt! Wie sind die Steine des Heiligtums aufgeschüttet an allen Straßenecken! (Klagelieder 4,1)

Radikaler Paradigmenwandel

Spurgeon hatte sich immer gescheut, Namen zu nennen, weil er einerseits persönliche Auseinandersetzungen für wenig sinnvoll hielt und es ihm andererseits nicht um Personen sondern um Fakten und Inhalte ging. Doch als John Clifford, Präses der Baptist Union, in einer modernen, liberalen Gemeinde im Londoner Bezirk South Place, Finsbury, eine Predigt hielt, konnte Spurgeon nicht länger schweigen und griff Clifford direkt und namentlich an. Die Gemeinde, die Clifford als Repräsentant der Baptist Union besuchte, war geradezu Sinnbild für die Freiheit des menschlichen Gewissens und Denkens. So war es nicht verwunderlich, dass in ihren Räumlichkeiten neben Bildern von Moses und Jesus auch Bilder des atheistischen Philosophen Voltaire, des politischen Aktivisten, Philosophen und Revolutionärs Thomas Paine sowie von Zarathustra, dem Gründer des Zoroastrismus, einer iranischen Religion, als Erinnerung an die Größe des menschlichen Geistes anzutreffen waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Mehrheit der Mitglieder des Baptistenbundes bereits für Einheit um jeden Preis auf Kosten des Gehorsams gegenüber Gottes Wort entschieden. Und Clifford sollte als Vertreter dieser liberal-ökumenischen Gesinnung in die Geschichte als eine Person eingehen, die mehr als jeder andere Baptist einen radikalen Paradigmenwandel verkörperte.

Spurgeon schrieb in der Maiausgabe 1889 von The Sword and the Trowel: „Der Präses der Baptist Union, Dr. Clifford, hielt in South Place, Finsbury, in einer Gemeinde, die etwas mehr als Unitarier sind, oder noch schlimmer, eine Predigt an einem Sonntagnachmittag. Er tritt an der Seite der Herren Voysey [Voysey wurde als Irrlehrer aus der Anglikanischen Kirche entlassen und gründete in London eine eigene ‚Theistische Kirche‘; er leugnete die Lehre der Hölle] und Picton auf sowie mit weiteren Vertretern der extrem liberalen Schule; und dies nicht nur auf privater Ebene, sondern klar und eindeutig als Präses der Baptist Union. Diese Kirche ist voller Bilder von Moses, Voltaire, Jesus, Paine, Zarathustra und anderen. Die gotteslästerliche Verbindung von unserem Herrn mit Thomas Paine und Voltaire bringt ein unbeschreibliches Gefühl im christlichen Denken hervor und lässt uns die Frage stellen, wie ein Mann, der von sich behauptet, ein Diener des Herrn Jesus zu sein, sich mit einem solchen Ort verbinden kann. Soll doch der Bund Anstoß an unserer Kritik an ihren fragwürdigen Wanderern nehmen, wenn ihr Präses sich öffentlich mit den Leugnern der Göttlichkeit des Herrn verbindet. Sind die Vertreter des Bundes, in dem dieser Herr das Amt des Präses innehat, so lässig und unterwürfig geworden, dass sie das Handeln ihres Präses durch ihr Schweigen unterstützen? Ist es tatsächlich so, dass, um der Bewahrung des Bundes willen, alles an Unverbindlichkeit toleriert wird? Wir können nicht erkennen, dass noch Schlimmeres erfunden werden kann, das der Bund billigt oder bewundert. Der Zug fährt auf der Strecke des Niedergangs sehr schnell: eine weitere Station hat er hinter sich gelassen. Was kommt als nächstes? Und was als nächstes?“

Spurgeon ging in der Maiausgabe auch auf ein Zitat aus einem Artikel der Sunday School Chronicle vom 12. April 1889 ein, wo es hieß: „Nahezu alle Autoren erkennen heute das menschliche Element der Bibel an und erfassen, dass dies die menschliche Schwachheit in Detailfragen erklärt“ und stellte die Frage: „Wird die Sunday School Union [1803 gegründete Organisation zur Förderung der christlichen Lehre] unsere Jugend lehren, dass die Bibel wie eine alte, zerbrochene Laterne ist? Darauf möchten wir jene aufmerksam machen, die im Baptistenbund für die Literatur verantwortlich sind. Sicherlich gibt es Mitglieder in diesem Komitee, die eine solche Lehre nicht einfach hinnehmen“ (Sword & Trowel, Mai 1889).

Das Übel ist real

In den Notizen der Maiausgabe zeigt sich das Ausmaß des geistlichen Niedergangs, der ganz Großbritannien erfasst hatte: „Täglich erreichen uns Nachrichten über das Abirren von der Wahrheit von Predigern in England und Schottland; und obgleich das Thema unser Herz schwer macht, können wir nicht umhin, Gottes Volk anzuflehen, Tag und Nacht für die Gemeinde Gottes zu beten. Er allein kann das wachsende Übel aufhalten, aber er sucht ein Volk, das in dieser Sache zu ihm ruft. Das Übel ist keineswegs nur eingebildet, sondern es ist nur zu real. In diesem Augenblick mögen diejenigen, die den alten Glauben verlassen haben, tun, was ihnen gefällt, um Zeitschriften und Journale mundtot zu machen, aber das Übel stinkt bis zum Himmel. Wir vertrauen darauf, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis diejenigen, die das Evangelium lieben, angesichts der Gefahr erwachen und ihre Stimme erheben, damit sie Gehör finden“ (ebd.).

In einer Predigt über Klagelieder 3,22-23 sagte Spurgeon seinen Zuhörern einmal: “Es ist wahr, dass Gottes Volk ein geprüftes Volk ist, aber es ist ebenso wahr, dass ihnen Gottes Gnade in gleicher Weise in ihren Drangsalen geschenkt wird! … Als Christ weißt du schon, was es bedeutet, die Rosen unter den Dornen zu finden, damit sich dein Schmerz und dein Leid als etwas erweist, das deine Seele reicher macht. Die Boten des Königs führen dich zu seinem Festmahl mit Wein, und sie leiten dich, damit du die Schätze entdeckst, die er für dich bereitet hat.“1 Spurgeon war ein Elija, der seine Knie nicht vor dem Baal liberaler Bibelkritik und moderner Philosophie gebeugt hatte. Und es war Gottes Gnade, die ihm in seinem Kampf gegen den geistlichen Niedergang und für das alte Evangelium die Kraft schenkte, die Rosen unter den Dornen zu entdecken und sich daran zu erfreuen.

Anmerkungen

  1. Charles Spurgeon, The Novelties of Divine Mercy, Predigt (No. 3170) im Metropolitan Tabernacle, London, Datum unbekannt.

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© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

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Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

Empfehlenswerte Begleilektüre:

Iain H. Murray; C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt

C.H.Spurgeon – Alles zur Ehre Gottes (Autobiographie)

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