Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (10)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


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KAPITEL 10 von 15

Wandel im Licht

(The Sword and the Trowel August/September 1888)

Komm, o Haus Jakobs, und lasst uns wandeln im Licht des Herrn! (Jesaja 2,5)

Höchste Zeit für Protest

In der Augustausgabe 1888 von The Sword and The Trowel druckte Spurgeon fast einen gesamten Artikel von Henry Varley ab, der im Juli des gleichen Jahres in der Zeitschrift Word and Work erschienen war. Varley war ein bedeutender Evangelist und Freund von Spurgeon. Sein Dienst ging weit über England hinaus bis nach Australien, Kanada, Südafrika, Indien und die USA. In der Downgrade Kontroverse erwies er sich als treuer Kampfgefährte an der Seite Spurgeons. In seinem Brief an Word and Work schrieb er: „Die Diskussion, die während meiner Abwesenheit von England geführt wurde, ist nach meinem Urteil von größter Wichtigkeit, und ich bedauere es äußerst, dass ich nicht hier sein konnte, um meine Zustimmung zu Mr. Spurgeon sowie zu jenen, die das Evangelium Christi verteidigen, Ausdruck zu verleihen. Es besteht die große Gefahr, dass wichtige Themen in der Downgrade Kontroverse zugunsten des Friedens und der Einheit in den Hintergrund treten und als geringfügig betrachtet werden. Das gegenwärtige Denken begünstigt das Festhalten am Wort Gottes nicht“ (Sword & Trowel, August 1888).

„Wir sollten in Anbetracht tausender Bücher, die voll sind von pervertiertem und falschem Denken zu fast jedem Thema, nicht vergessen, dass das menschliche Denken eine produktive Kammer für die Entstehung und Geburt falscher Gedanken ist, wann immer es sich weigert, die Grenzen, Zucht und Führung der fundamentalen Prinzipien des Wortes Gottes anzuerkennen. Es ist der Glaube an Christus, der beständig angegriffen wird und den wir beabsichtigen, mit Ausharren zu verteidigen“, so Varley (ebd.). Er fährt fort und berichtet von der Erfahrung mit einem „falschen Lehrer“, der es nicht mehr zuließ, dass die alten Kirchenlieder in seiner Gemeinde gesungen wurden. Von solchen Predigern forderte Varley: „In solchen Fällen gebietet die Ehrlichkeit es, zu sagen: ‚Ich muss diese Gemeinde verlassen; ich habe meine Auffassungen geändert, aber dieser Sinneswandel entbindet mich nicht meiner Verantwortung in Bezug auf die Lehren, die in dieser Gemeinde vertreten werden.“ Varley stellt die Frage: „Warum begeben sich diese Leute nicht auf neutralen Grund und verkünden ihre Erkenntnisse auf ihrem eigenen Podium?“ (ebd.).

Varley bezieht offen Stellung für Spurgeon und schreibt: „Trennung war nach meiner Auffassung im Fall von Mr. Spurgeon weise und richtig. Er hätte auf keine andere Weise einen so wirkungsvollen Protest gegen die zerstörerischen Häresien Ausdruck verleihen können. Die Vorsehung Gottes hat seinen Knecht [Spurgeon] zu mehr als einem bekannten Baptisten gemacht. Er gehört der größeren Gemeinde an, der Gemeinde Gottes, die in Christus Jesus, unserem Herrn, ist. Er hat uns mit seiner Trennung von der Baptist Union einen wichtigen Dienst erwiesen. Es ist besser, wenn sich zehn Denominationen auflösen, als wenn die große Wahrheit des Opfers Christi für die Sünde verloren geht, falsch dargestellt wird oder nicht mehr den gebührenden Platz einnimmt. Der Protest von Mr. Spurgeon war höchste Zeit…

Es ist nicht die Zeit der Ruhe, um sich der Mehrheit anzupassen. Der Irrtum grassiert, und wir befinden uns in einer Zeit der Krise. Sollte jemand denken, Mr. Spurgeon sei in diesem Konflikt unterlegen, lasst ihn dies bedenken, dass es einfach ist, vom Anschein irregeleitet zu werden. Es ist noch immer so, dass das Leben durch das Sterben kommt und die scheinbare Niederlage zu einem göttlichen Sieg wird“ (ebd.).

Auch von der Association of the Baptists in Kentucky in den USA, die über 1300 Gemeinden, 960 Prediger und 137000 Mitglieder verfügte, erhielt Spurgeon Rückendeckung. „Wir haben beschlossen, dass die Prediger und andere Vertreter der General Association of the Baptists of the State of Kentucky zu einem Jahrestreffen in Eminence im besagten Bundesstaat am 20. Juni 1888 zusammengetreten sind, um christliche Grüße an ihren geschätzten Bruder, Pastor C. H. Spurgeon, zu senden und ihm zu versichern, dass wir ihm tiefe Dankbarkeit und Anerkennung zollen für seinen treuen Stand, den er in der Verteidigung wichtiger Wahrheiten der Schrift in der Downgrade Kontroverse eingenommen hat“ (ebd.). Die Nova Scotia Western Baptist Association hatte am 19. Juni 1888 eine ähnliche Resolution verabschiedet und sich hinter Spurgeon gestellt. „Für dieses brüderliche Handeln sind wir zutiefst dankbar. Alleine für die Wahrheit einzutreten, ist eine Lektion, die wir gerade lernen; aber andere zu finden, die an unserer Seite stehen, ist eine Freude, an der wir Gefallen haben“ (ebd.).

In der Septemberausgabe 1888 von The Sword and the Trowel, nachdem Spurgeon sich von ernsthafter Krankheit erholt hatte, heißt es in den Notizen (Notes): „Ein Heer von amerikanischen Freunden waren im Metropolitan Tabernacle zu Gast und haben ein Grußwort mit liebevollem Mitgefühl an den Prediger gerichtet. Es waren Männer von Ansehen, die das Evangelium lieben, aus allen Denominationen; sie überbrachten warme und freundliche Worte des Mitfühlens und der Freude. Gott ist sehr gnädig und sendet Trost durch die Hand derer, deren Wesen den Worten Lieblichkeit hinzufügt. Es ist schwer für christliche Leute, zu verstehen, dass es einen Bund bekennender Christen gibt, die in ihre Gemeinschaft Personen aufnehmen, die irgendein oder kein Bekenntnis vertreten, nur weil sie getauft wurden. Es ist nicht leicht zu glauben, dass Männer, die bekennen, die Wahrheit Gottes zu vertreten, Gemeinschaft mit Personen aufrechterhalten, deren Auffassungen weit vom evangelikalen Glauben entfernt sind… Unsere Haltung ist die des Wartens auf göttliche Führung. Unglaube ist in Eile, Glaube kann auf seine Zeit warten. Mr. Henry Varley erweist uns einen großen Dienst mit seinen Artikeln über die Inspiration in Word and Work als Antwort auf Mr. Hortons Buch. Es gibt keinen Zweifel daran, dass andere mutige Verteidiger des ewigen Wortes aufstehen werden, wenn die Auseinandersetzung intensiver werden wird. Aber derzeit vollbringt unser Bruder das Werk in einer gründlichen, wirksamen Weise“ (Sword & Trowel, September 1888).

Licht in dir macht dich zum Licht für andere

Spurgeon wusste, dass seine Gegner lieber schwiegen, aber er hatte mittlerweile ebenso beobachtet, dass sich nicht alle den Mund verbieten ließen. „Alle unsere Leser sollten lesen, was Mr. Varley geschrieben hat, und insbesondere die Baptisten, denn der Autor, den er kritisiert [Horton], wurde von der Baptist Union ausgewählt, um in der Herbstkonferenz eine führende Rolle zu übernehmen“ (ebd.). Gerade die Inspiration der Schrift, die Horton in Frage stellte, war für Spurgeon das wichtigste Fundament christlicher Lehre. Gottes inspiriertes Wort ist das Licht auf dem Weg aller wahren Nachfolger Christi. In einer Predigt aus dem Jahre 1873 sagte Spurgeon: „Wir sind nicht das Licht der Welt von Natur aus, bis der Geist Gottes kommt. Untersuche dich darum, mein Zuhörer, ober Gott in dir jemals die Flamme seines Geistes entzündet hat. Bist du von der Macht der Finsternis in das Licht versetzt worden? Hat die unsterbliche Flamme göttlichen Lebens dich berührt? Wenn dem so ist, hast du Licht in dir und Licht für andere, und dein Licht wird auf vielfache Weise wirksam sein. Es wird die Finsternis derer enthüllen, die um dich herum sind. Dein Licht wird der Finsternis zeigen, wie finster sie ist. So wie das Leben Christi die Menschen seiner Zeit richtete, so entlarvt der Glaube der Christen die Bosheit des Unglaubens, und die Heiligkeit des Gläubigen macht die Boshaftigkeit der Sünde offenbar. Unser Licht verurteilt die Taten der Finsternis und verurteilt sie. So geschieht es, dass wir Gegenwehr erwarten müssen, denn der, der Böses tut, hasst das Licht.“1 Der Glaube Spurgeons hatte die Finsternis des Unglaubens offenbar gemacht und Gegenwehr selbst aus der Reihe der eigenen Glaubensgenossen entfacht. Und es war das Licht der Wahrheit des Evangeliums, das Spurgeon nicht nur tröstete, sondern ihm Kraft spendete, um seinen Weg treu bis ans Ende zu gehen.

 

Anmerkungen

  1. Charles Spurgeon, The Light of the World, Predigt im Metropolitan Tabernacle, 27. April, 1873.

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© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

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Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

Empfehlenswerte Begleilektüre:

Iain H. Murray; C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt

C.H.Spurgeon – Alles zur Ehre Gottes (Autobiographie)

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