Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (9)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


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KAPITEL 9 von 15

Herr, du bist ein Schild um mich

(The Sword and the Trowel Juni 1887)

Besser ist’s, bei dem Herrn Schutz zu suchen, als sich auf Menschen zu verlassen. (Psalm 118,8)

Licht am Himmel

Spurgeon hatte im Juni 1888 endgültig den Bruch mit der Baptistenunion besiegelt und einer lockeren Assoziation mit ihr gleichfalls eine Absage erteilt: „Auf jeden Fall, ob andere dies tun oder nicht, empfand ich die Kraft der Bibelstelle ‚Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab‘ und habe sowohl ein für alle Mal den Baptistenbund und als auch die Assoziation mit ihm verlassen“ (Sword & Trowel, Juni 1888). Es wurde auch deutlich, dass die Kontroverse Spurgeon innerlich belastete: „Eine Zeitschrift steht in der Gefahr zu sterben, wenn der Herausgeber so gänzlich entkräftet ist, dass ihm das Denken unmöglich geworden ist und er zu schwach ist, einen Stift zu halten. Aber in unserer besonders schweren Anfechtung von einer monatlichen Ausgabe zur nächsten wurden wir durch die wiederherstellende Gnade in die Lage versetzt, die uns verordnete Aufgabe zu erfüllen. In schwerster Drangsal gibt es immer eine Zuwendung der Gnade. Der Dornenbusch trägt seine Rose. Der Herr lässt uns Licht am Himmel sehen, selbst wenn sich dunkle Wolken bedrohlich zeigen“ (ebd.).

Ein Baptistenbruder hatte Spurgeon einen Brief geschrieben, aus dem folgende Worte zitierte: „Die Fäulnis ist verbreiteter als viele von uns dachten. Leute und Priester sind davon betroffen. Doch der Herrscher über alles kann es zum Guten wenden. Viele, die gesund sind, sind zu schüchtern, viele zu verwirrt, um zu wissen, was zu tun ist, und viele sind zu träge, irgendetwas zu tun. Aber es ist des Herrn Schlacht“ Spurgeon stimmte dieser Einschätzung zu und ergänzt: „Es gab eine Zeit, in der ein Hundertstel dieses Übels, das heute in Glaubensdenominationen toleriert wird, dazu geführt hätte, dass sie gerufen hätten: ‚Auf, Israel, zu deinen Zelten!‘ Wird man uns wieder als Pessimisten bezeichnen, wenn wir sagen, dass die Tage, als die Wahrheit alles war, lange vorüber sind?“ (ebd.).

Selbst in Predigten, so Spurgeon, machten sich die modernen Verkündiger lustig über Gebetserhörungen oder die Frömmigkeit früherer Tage; sie sprachen abwertend über das kostbare Blut Jesu und den stellvertretenden Sühnetod Christi; sie verneinten die Notwendigkeit der Bekehrung, die Lehre der Trinität und der Inspiration der Heiligen Schrift. Viele progressive Verkündiger sprachen hochmütig von heiligen Dingen unter dem Deckmantel, man müsse sich von der altmodischen Rechtgläubigkeit verabschieden. Die Folge dieses Handelns war, dass die Gemeinden in der Lehre unverbindlich und in ihrem Handeln weltlich wurden. „Dies sind sehr betrübliche Dinge, denn sie machen nicht so sehr die Irrtümer in der Lehre offenkundig, sondern die völlige Gottlosigkeit. In vielen Fällen sind die Menschen in ihren Herzen verkehrter als in ihrem Denken“ (ebd.).

Über eine Baptistengemeinde wusste Spurgeon zu berichten: „Die Lehre des Fegefeuers und der zukünftigen Wiederherstellung [Allversöhnung/Universalismus] wurden so eindeutig verkündigt, dass viele Mitglieder aufgeschreckt wurden und sich fragen, was zu tun sei… Ständig stellen wir uns die Frage, wie gottesfürchtige Brüder mit ihnen in Gemeinschaft bleiben können. Wir würden mit Freuden einen Beitrag zu Einheit und Harmonie leisten, aber wir haben ein Gewissen. Es muss einige wenige Brüder geben, die die gleichen betrüblichen Beobachtungen machen. Und wenn sich dies so verhält, müssten sie sich schlecht fühlen, wenn sie daran denken, dass sie die Feinde des Evangeliums unterstützen und dass das Blut unzähliger Seelen von ihnen eingefordert werden wird“ (ebd.).

„Mit äußerstem Schmerz erwähnen wir diese Beispiele“, fährt Spurgeon fort, „aber es gibt noch einige Personen, die mutig genug sind, offen zu bekunden, dass es Abirrungen vom Glauben gibt. Oder es gibt so wenige, dass es nicht wert ist, sie zu erwähnen. Wäre dies der Fall, ist alles, was wir gesagt haben, entweder willentliche Falschheit oder der dunkle Traum eines kranken Geistes. Wir bekräftigen, dass wir weder krank noch unwahrhaftig sind, aber dass um uns Kräfte am Werk sind, die sich direkt gegen das Christentum wenden und dass jeder, der dies sehen möchte, es sehen kann. Das kindische Spiel des Augenverschließens, um dann zu rufen ‚Ich kann dich nicht sehen‘, wurde zu lange gespielt: Es ist an der Zeit, dass die Voreingenommensten anerkennen müssen, was alle anderen sehen, außer ihnen selbst“ (ebd.).

Spurgeon berichtet am Ende des Artikels, wie ein Prediger eine Veranstaltung verließ und einem anderen Prediger sagte: „In dem, was Spurgeon sagt, ist also doch etwas Wahres enthalten. Prediger bringen Ungläubige hervor, und diese Predigt wird viele Ungläubige hervorbringen, und doch gibt es Prediger hier, die an dieser Predigt Gefallen finden“ (ebd.). In dieser besagten Predigt wurde das Thema der Unfehlbarkeit der Schrift aufgegriffen und die Lehre der Schriftinspiration gänzlich verneint. Spurgeon kommt zu dem Schluss: „Es kann nicht sein, dass die Vorrangstellung der Bibel als Offenbarung Gottes abgeschwächt wird und dass diejenigen, die sich dieses Vergehens schuldig machen, als christliche Lehrer Hochachtung empfangen. Es ist wunderbar, dass sich die Dinge entwickelt haben, wie sie sind; aber dass sie so bleiben, ist unglaublich, wenn man weiß, dass Gott lebendig ist und sein eigenes Wort rechtfertigen wird“ (ebd.).

1Könige 12 berichtet, wie die Israeliten ungeziemend von König David sprachen. Wie schnell werden die wahren Knechte Gottes und ihr wohlgefälliger Dienst vor Gott vergessen! Spurgeon wurde zu einem David seiner Tage. Viele hatten sich von ihm abgewendet, und nicht wenige behandelten ihn respektlos und abschätzig. In dieser schweren Zeit war das Angesicht Spurgeons ganz auf seinen Herrn ausgerichtet. Wie David konnte er beten: „Ach Herr, wie zahlreich sind meine Feinde! Viele erheben sich gegen mich; viele sagen von meiner Seele: Sie hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, Herr, bist ein Schild um mich, bist meine Herrlichkeit und der mein Haupt emporhebt“ (Ps 3,2-4).

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© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

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Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

Empfehlenswerte Begleilektüre:

Iain H. Murray; C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt

C.H.Spurgeon – Alles zur Ehre Gottes (Autobiographie)

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