Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (5)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


→Inhaltsübersicht über alle Kapitel HIER

→In ENGLISH here!

KAPITEL 5 von 15

Lasst uns beten wie Elija

(The Sword and the Trowel Dezember 1887)

Selbstzufriedenheit ist der Todfeind für geistliches Wachstum. Wandle den Weg des Segens. Es gibt klar markierte Pfade, die direkt zu grünen Auen führen; lasst uns diese Pfade gehen. Erweckung zu wollen und zugleich Gebet und Hingabe zu vernachlässigen, kommt dem Wunsch gleich, einen Weg gehen zu wollen, aber einen anderen Weg einzuschlagen.1   (A.W.Tozer)

Oh, käme doch eine Erweckung des Glaubens

In der Dezemberausgabe 1887 von The Sword and the Trowel erschien Spurgeons Artikel Restoration of Truth and Revival (Wiederherstellung der Wahrheit und Erweckung). „Oh, käme doch eine allgemeine Erweckung des wahren Glaubens! Nicht ein bloßer Ausbruch von Enthusiasmus, sondern eine echte Erweckung, ein Werk des ewigen Heiligen Geistes. Dies wäre eine herrliche Antwort auf den Skeptizismus, und es wäre wie ein starker Wind, der die Luft reinigt und den Dunst vertreibt, der in der gegenwärtig stagnierenden Atmosphäre liegt… Lasst uns für eine solche Heimsuchung des Heiligen Geistes in unseren Seelen beten. Sie ist nicht nur wünschenswert, sie ist notwendig. Wir müssen entweder vom Herrn erweckt werden, oder die Gemeinden werden in Irrtum und Gottlosigkeit versinken. Dieses Unheil soll sich nicht ereignen, und nur göttliche Gnade kann dies abwenden.“

Doch Erweckung konnte es aus der Sicht Spurgeons erst dann geben, wenn die todbringenden Einflüsse liberaler und humanistischer Lehren ausgerottet würden, die in den christlichen Denominationen um sich griffen. In einem Brief an Spurgeon beklagte ein Schreiber, dass „erfolgreiche Prediger“ bei Unitariern willkommen wären, weil ihre Verkündigung kein Anstoß für sie wäre, und dass „nicht erfolgreiche“ Prediger das Wort oberflächlich und kraftlos verkündigten. Der Hunger nach Gottes Wort und die Tiefe geistlicher Wahrheiten waren vielfach verloren gegangen. Spurgeon greift die Bedenken des Briefes auf und beschrieb die Situation in vielen Gemeinden mit diesen Worten: „Das Ausmaß, das Oberflächlichkeit und völlig ungeistliche Amüsements in einigen Gottesdiensten erreicht hat, ist unglaublich. Wir rufen unsere Leser dazu auf, die Tatsache zu berücksichtigen, dass es in der Auseinandersetzung in der Downgrade Kontroverse um Lehren geht, die unsere Gegner auf die Tagesordnung gesetzt haben, aber dass sie in Bezug auf Gebetsversammlungen und Verweltlichung wohlweislich schweigen“ ((Sword & Trowel, Dezember 1887).

Wo immer Gebet, Hingabe und die Kraft des Heiligen Geistes fehlt, werden Bekehrungen zur Seltenheit. „Der Herr, unser Gott, ist heilig und kann kraft seines herrlichen Namens keine Kompromisse machen mit Personen, deren niedereVorlieben sie veranlassen, nach Ägypten zurückzukehren – beinahe hätten wir gesagt nach Sodom –, um ihren Vergnügungen nachzugehen. Steht dies für einen Wandel mit Gott? Werden auf diese Weise Henochs hervorgebracht?“ (ebd.). Für Spurgeon war es bedauerlich, dass man unter Gotteskindern überhaupt erwähnen musste, dass das Werk des Herrn in Treue geschehen muss. „Alle mögliche Unterhaltung“ ist in die Gottesdienste eingezogen, so Spurgeon. „Können diese Dinge Heiligung bewirken oder die Gemeinschaft mit Gott bestärken? Können Menschen nach diesen Dingen den Gottesdienst verlassen und Gott um die Errettung von Sündern und die Heiligung von Gläubigen bitten? Wir sprechen dieses unheilige Thema nur ungern an. Es erscheint so weit weg von einem Glaubenswandel und von himmlischer Gemeinschaft. In einigen Fällen handelt es sich bei den Torheiten, über die sich manche beklagen, um Dinge, die unter der Würde des Menschen sind und eher für Geisteskranke als für denkende Menschen geeignet sind“ (ebd.).

Spurgeon war nicht nur die Reinheit der Lehre ein Anliegen, sondern auch die Reinheit des Glaubenswandels. Für ihn war „Laxheit in der Lehre“ die Schwester von „Weltlichkeit“. Viele, die den „alten Glauben“ von sich wiesen, plädierten für Weite und Toleranz. Doch wie die Puritaner, die für ihre Rechtgläubigkeit und ihre Absonderung von der Welt bekannt waren, sollten Christen Reinheit in Lehre und Wandel in Absonderung bewahren. Christen müssen „nicht nur falsche Lehre von sich weisen, sondern sie müssen das Evangelium annehmen, nicht als Dogma, sondern als lebendige Wahrheit. Nur indem Wahrheit sich mit lebendigem Glauben vereint, wird der Glaube seine königliche Kraft entfalten. Gläubige müssen ihr Haus auch vom Sauerteig der Weltlichkeit und oberflächlichen Belustigungen säubern. Das gegenwärtige Übel wächst wie ein Krebsgeschwür, und es gibt keine Hoffnung auf himmlische Gesundung, bis das Geschwür aus dem Leib Christi herausgeschnitten wird, indem die Gemeinde Buße tut und zu ihren ersten Werken zurückkehrt“ (ebd.).

Gebet nahm im Leben und Dienst Spurgeons eine zentrale Rolle ein, und im Zuge der Downgrade Kontroverse hatten verschiedene Gemeinden Gebetsversammlungen einberufen, um den geistlichen Niedergang zu stoppen und um neues Leben zu bitten. „Dies ist ein guter Anfang: möge er die größtmögliche Verbreitung finden. Als Einzelne wollen wir zum Herrn, unseren Gott, rufen, damit er aufsteht und sich um das Seine kümmert. Nun, mehr als je zuvor, lasst diejenigen, die Jesus und seinem Wort loyal sind, aufstehen und handeln. LASST UNS BETEN WIE ELIJA“ (ebd.).

„Gebet, kraftvolles Gebt, kann Wunder wirken. Dies ist das Gebot der Stunde. Betet ohne Unterlass und verkündigt das wahrhaftige Wort klarer als jemals zuvor. Solch ein Tun mag manchen als Stillstand und Untätigkeit erscheinen, aber in Wirklichkeit bringt es Gott in die Schlacht. Und wenn ER kommt, um Rache im Kampf um seinen Bund zu üben, wird er schnell handeln. ‚Steh auf, o Gott, führe deine Sache hinaus!‘“ (ebd.). Mit diesem Aufruf endete Spurgeons Artikel der Novemberausgabe.

Trostreich muss für Spurgeon die Unterstützung seiner eigenen Gemeinde, des Metropolitan Tabernacle, gewesen sein. In einem Brief an ihn brachten der Co-Pastor, alle Ältesten und die Diakone ihre Wertschätzung für Spurgeon zum Ausdruck: „Entschlossen: dass wir, die Diakone und Älteste der Gemeinde, die im Metropolitan Tabernacle anbeten, unserem geliebten Pastor, C. H. Spurgeon, unsere tiefe Sympathie versichern in den Umständen, die dazu geführt haben, dass er die Baptist Union verlassen hat. Und von ganzem Herzen schätzen wir den beharrlichen Eifer, mit dem er die Lehren des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus in ihrer inspirierten und apostolischen Einfachheit verteidigt“ (ebd.).

Anmerkungen

  1. A. W. Tozer, zitiert in: Stephen F. Olford, Heart-Cry For Revival, Westwood, 1962, S. 30.

——-o——-

© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

Kein Teil dieser Publikation darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors vervielfältigt, gespeichert oder in irgendeiner Form – unter Verwendung elektronischer Systeme, in Druck oder als Fotokopie – verbreitet werden mit Ausnahme von kurzen Zitaten.

Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

Empfehlenswerte Begleilektüre:

Iain H. Murray; C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt

C.H.Spurgeon – Alles zur Ehre Gottes (Autobiographie)

Dieser Beitrag wurde unter Bibel - Das Wort Gottes, Bibelkritik, Christliche Gegenkultur & Relevanz, Die Gesunde Gemeinde, Die Verkündigung (Predigt) & Der Verkündiger, Gottesfurcht, Theologie - Bibl. Lehre abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.