Wenn biblischer Glaube verloren geht – C. H. Spurgeon (3)

Die „Downgrade“ Kontroverse

von Charles Haddon  Spurgeon (1834-92)

zusammengestellt und kommentiert von Georg Walter*


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KAPITEL 3 von 15

Der äußere Schein von Gottesfurcht

(The Sword and the Trowel Oktober 1887)

Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden… Denn die Menschen werden den äußeren Schein von Gottesfurcht haben, aber deren Kraft verleugnen sie. (2Timotheus 3,1.5)

Auf jeden Fall muss die Wahrheit bekannt werden

In der Oktoberausgabe 1887 von The Sword and the Trowel setzte Charles Spurgeon seine Ausführungen zur Downgrade Kontroverse fort. Unter dem Titel The Case Proved (Fakten unter Beweis gestellt) drückte er seine Verwunderung darüber aus, dass scheinbar nicht mehr die Frage wichtig war „Wie können wir das Übel aus der Welt schaffen?“, sondern „Gibt es überhaupt ein Übel, das es zu beseitigen gilt?“ Zu oft wurde in den vorausgegangenen Wochen die Frage aufgeworfen: „Sind die Vorwürfe, die Mr. Spurgeon vorbrachte, überhaupt wahr?“ Spurgeons Antwort: „Auf jeden Fall muss die Wahrheit bekannt werden.“

Zeitschriften wie The Baptist und The British Weekly hatten mittlerweile eine Reihe von Artikeln und Leserbriefen in Bezug auf die Kontroverse veröffentlicht, die Stellung gegen Spurgeon bezogen hatten. Was Spurgeon als „fatale Irrtümer in Bezug auf die Wahrheit“ ansah, wurde von vielen durch „die rosarote Brille“ betrachtet, so Spurgeon. Viele verschlossen einfach ihre Augen vor den Tatsachen und verhielten sich wie Admiral Nelson, der in der Seeschlacht von Kopenhagen im Jahre 1801 bewusst sein Fernrohr an sein blindes Auge anlegte, um den Befehl eines Signals nicht befolgen zu müssen. Entgegen der Befehle führte Nelson zwar mutig, aber doch eigenwillig, seinen Angriff fort und errang einen Sieg. Was in der Welt hie und da Erfolge verspricht, ist indes für die Welt Gottes untauglich. Siege im Reiche Gottes werden niemals dadurch erlangt, dass Christen sich einreden: „Ich kann es nicht sehen.“ Spurgeon mutmaßt, dass die Brüder „sich daran gebunden fühlen, den Ruf des Leibes Christi“ zu bewahren und aus diesem Grund unbewusst „blind für die Übel werden, die für das normale Empfinden so klar sind wie die Sonne am Himmel. Dies ruft bei unseren ehrwürdigen Brüdern nicht Unwahrhaftigkeit hervor, sondern es beeinflusst sie in ihrem Urteilsvermögen. Mit ein oder zwei Ausnahmen weisen die Briefe, die uns vorliegen, eine umsichtige Wortwahl und Vorsichtigkeit in den Aussagen auf, die es uns ermöglichen, ziemlich gut zwischen den Zeilen zu lesen. … Ihr offenkundiger Wille, die Bedenken anderer zu entkräften, mag ihnen eine Hilfe sein, ihre eigenen Befürchtungen zu vergessen. Mehr sagen wir hierzu nicht“ (Sword & Trowel, Oktober 1887). An diesen Worten zeigt sich, dass Spurgeon seine Gegner trotz allem als „ehrwürdige Brüder“ bezeichnete und ihnen dennoch ihre Fehlurteile nachsehen und gute Motive zusprechen konnte.

Mittlerweile war Spurgeon bewusst geworden, dass es sich bei den Vertretern der „neuen Theologie“ nicht um eine Minderheit, sondern um die Mehrheit handelte. Und alles, was Spurgeon und seine Mitstreiter in den Briefen und Artikeln ihrer Kritiker lasen, bestärkte sie nur umso mehr, ihren Weg entschieden weiterzugehen. „Es gibt wenig in den Briefen, das unsere Darlegungen in Frage stellen kann… Wenn zwanzig Personen eine bestimmte Tatsache nicht sehen, kann ihr Nichtsehen die Sinne des Mannes, der sie gesehen hat und sie noch immer sieht, nicht beeinflussen. Der Zeuge reibt sich die Augen, um festzustellen, ob er wach ist; und dann, so erstaunt er für einen Augenblick darüber sein mag, dass ihm so viele Personen widersprechen, glaubt er dennoch den Fakten, die er angesichts der Fülle vor Augen hat“ (ebd.). Für Spurgeon gab es keinen Zweifel: „Entweder wir träumen, oder unsere Brüder träumen, möge der Gottesfürchtige urteilen, wer es ist, der schläft. Wir betrachten das, was wir in vorangegangenen Schriften geschrieben haben, mehr als ausreichend, um unser ernstes Anliegen zu rechtfertigen, die Gemeinden wachzurütteln; aber wenn noch mehr Fakten gefordert werden, werden wir sie liefern“ (ebd.).

Im Juli 1887 hatte die britische Evangelical Alliance (Evangelische Allianz) ein Rundschreiben veröffentlicht, das Spurgeon in seiner Oktoberausgabe von The Sword and the Trowel in Teilen abdruckte. In der Erklärung hieß es: „Es ist für alle, die für Gott und seine Wahrheit eifern, nur zu offensichtlich, dass es einerseits ein gefährliches Wachstum von Aberglaube und Glaube an die Macht der Priester als alleinige Vermittler zwischen Gott und den Menschen und andererseits Unglaube und Gleichgültigkeit in Bezug auf den lebendigen Glauben um sich greifen. Der stellvertretende Sühnetod unseres gepriesenen Herrn und Erlösers wird von einigen bekannten Bibellehrern geringgeschätzt oder verworfen; die Zukunft des Sünders wurde folglich nach Einschätzung vieler zu einer nichtigen Spekulation. Die Plenarinspiration [Vollinspiration: die Bibel ist in ihrer Ganzheit vom Heiligen Geist inspiriert] der Heiligen Schrift, der Heilige Geist als Person und seine Gegenwart und Kraft in der Gemeinde Gottes werden in Frage gestellt oder in vielen Fällen wegdiskutiert. Die Folgen dieser irreführenden Lehren und Verdrehungen des Evangeliums sind in schmerzlicher Weise ersichtlich; Weltlichkeit, Sinnlichkeit und der Hang zum Luxus gehen Hand in Hand mit der Entweihung des Sonntags als Tag des Herrn. Christliche Freiheit wurde zu einem Freibrief im Wandel und in der Konversation vieler, die sich Jünger Christi nennen.“

Spurgeon betonte, dass ihm das Rundschreiben im August noch nicht vorgelegen hatte, als er zum ersten Mal in seinem Artikel den geistlichen Niedergang der Evangelikalen darlegte. Viele Leserbriefe, die die Evangelical Alliance erreichten, bestätigten den geistlichen Niedergang in den freikirchlichen Denominationen. „Es macht keinen Sinn, die Tatsachen zu beschönigen: Es gibt Tausende unter uns in allen Denominationen, die der Überzeugung sind, dass viele Prediger in ernsthafter Weise von den Wahrheiten des Evangeliums abgeirrt sind und dass ein bedauerlicher Niedergang des geistlichen Lebens in vielen Gemeinden vorherrscht. Vielfach wurden von anderen die gleichen Dinge gesagt, die wir jetzt ebenfalls kundtun, und ihren Aufrufen wurde kein Gehör geschenkt“, so Spurgeon in der Oktoberausgabe von The Sword and the Trowel.

Spurgeon hatte erst kürzlich einen Bericht der Association of Baptist Churches in Glocestershire und Herefordshire erhalten, der im Juni 1887 verfasst worden war. Auch daraus zitiert Spurgeon in der Oktoberausgabe einen Abschnitt: „Wir leben in schlimmen Zeiten, wir durchschreiten eine ereignisreiche Phase. Die christliche Welt wird erschüttert. Es ist zu einer mächtigen Erschütterung der alten Fundamente des Glaubens gekommen, zu einer großen Abkehr alter Lehren. Die Bibel wird heute zu etwas gemacht, was unsere Vorväter nicht mehr verstehen würden. Die Lehren des Evangeliums, die Menschen die Sünde fürchten ließen und angesichts der Ewigkeit Ehrfurcht in ihnen wirkte, werden angefochten. Golgatha wird seiner Herrlichkeit und die Sünde ihres Schreckens beraubt. Uns wird gesagt, dass wir uns zu einer lebendigen und glückseligen Sentimentalität hin entwickeln, in der Himmel und Erde, Gott und Mensch zu einem Gemisch spektakulärer Emotionen wird. Doch geht in diesem Prozess der Evolution nicht die Kraft des Evangeliums verloren? Verlieren unsere Gemeinden nicht immer mehr Mitglieder? Werden die Menschen nicht immer gleichgültiger in Bezug auf die Forderungen Christi? Übt die Evolutionstheorie auf unsere Zeit nicht einen negativen Einfluss aus? Wo bleibt der brennende Eifer für die Errettung von Seelen, die den Nonkonformismus vergangener Tage charakterisierte? Wo der edle Enthusiasmus, der Helden und Märtyrer der Wahrheit hervorbrachte? Wo ist die Kraft geblieben, die den Nonkonformismus wie eine mächtige Lawine vorantrieb?“ (Sword & Trowel, Oktober 1887).

Skeptizismus, der mehr als alle anderen Formen zu fürchten ist

Und Spurgeon führte noch ein weiteres, drittes Zeugnis von Dr. David Brown, Rektor des Free Church College, Aberdeen, an. Brown bezog Stellung zum Skeptizismus unter Verkündigern in der Zeitschrift The Christian Age vom 14. September 1887. Darin heißt es: „Hierbei handelt es sich um eine Form des Skeptizismus, der mehr als alle anderen Formen zu fürchten ist. Ich spreche von dem Skeptizismus unter Verkündigern des Evangeliums – unter jenen, die behaupten, und von denen man erwartet, dass sie die Rechtgläubigkeit des Christentums und folglich die Autorität der Schrift als Grundlage des Glaubens vertreten; gleichwohl vertreten sie weder diesen Glauben, noch predigen sie ihn, sondern sie geben ihr Bestes, um diesen Glauben zu untergraben. Nun, was ist die Wurzel dieser Art von Skeptizismus? Meine Antwort lautet: Es handelt sich um die gleiche unverhohlene und unverblümte Form desselben, der das Ziel verfolgt, alles natürlich zu erklären, soweit dies möglich ist, alles im Glauben.

Allen Formen des Skeptizismus ist die unermüdliche Vermeidung all dessen gemeinsam, was zu den ausgeprägten Merkmalen des Evangeliums zählt und für den natürlichen Menschen als anstößig erscheint – ‚was den Weisen und Klugen verborgen ist und den Unmündigen geoffenbart wurde‘. Die Göttlichkeit Christi wird tatsächlich anerkannt; aber es ist die Erhabenheit seiner menschlichen Natur, die Vortrefflichkeit seiner Lehre und das beispiellose Vorbild der Selbstaufopferung in seinem Tod, die in den Mittelpunkt gestellt werden. Der Sühnetod Christi wird nicht in Frage gestellt, aber seine Leiden werden nicht als das stellvertretende und sühnende Opfer dargestellt. Christus ist nach ihrer Lehre nicht Stellvertreter für uns [der unsere Sünden an unserer Stelle auf sich lud], und die Rechtfertigung vermittelt dem gläubig gewordenen Sünder nicht die Gerechtigkeit einer herrlichen [Heils-]Gewissheit. Dies wird häufig nicht offen ausgesprochen, aber eine Reihe von Personen hat dies geradeheraus verkündigt.

Ich hätte zu diesem Thema nicht so viel gesagt, wenn nicht alle unsere Gemeinden von dieser bedrohlichen Tendenz bedroht wären, alle die Fundamente des Evangeliums zu untergraben, die der natürliche Mensch nicht akzeptieren will. Und das ist kein Wunder, denn ihre Ziele scheinen das Denken des natürlichen Menschen anzusprechen. Wo immer sich dies zeigt, verliert die Verkündigung an geistlicher Kraft, und der Heilige Geist wirkt nicht mehr. Nur noch selten kommt es zu Bekehrungen, und diejenigen, die kommen, um Brot zu empfangen, erhalten Steine – diese mögen schön aussehen und funkeln; aber Steine sind unverdaulich.“

Spurgeon wies darauf hin, dass diese drei Artikel, die er in der Oktoberausgabe von The Sword and the Trowel angeführt hatte, durchaus keine Seltenheit waren und nur zu augenscheinlich enthüllten, dass es sich bei dem derzeitigen Glaubensabfall nicht um Einzelfälle handelte. „Die neue Theologie ist unter uns weit verbreitet“, so Spurgeon. Die Zeitschrift The Christian World hatte Spurgeons Kritik aufgegriffen und ihrerseits als Reaktion auf Spurgeons Artikel The Downgrade (Sword & Trowel, August 1887) in ihrer Septemberausgabe einen Artikel mit dem Titel Taking up the Gauntlet (Den Fehdehandschuh aufnehmen) veröffentlicht. In diesem Artikel heißt es unter anderem: „Wir stehen jetzt am Scheideweg, und insbesondere die jüngeren Prediger müssen sich entscheiden, ob sie sich dafür entscheiden und offen verkündigen, dass das moderne Denken, das in den Augen Spurgeons eine ‚tödliche Kobra‘ ist, als glorreiches Licht dieses Jahrhunderts betrachtet werden kann, wofür viele es halten. Dieses Licht verwirft viele der Lehren, die Mr. Spurgeon und seiner Richtung lieb sind, nicht nur als unwahr und als Widerspruch zur Schrift, sondern streng genommen als unmoralisch. Dieses Licht erachtet es aus moralischer Sicht als unmöglich, dass Schuld oder Gerechtigkeit zugerechnet werden [Rö 4,22] oder dass es gerecht ist, wenn zeitlichen Sünden ewige Verdammnis folgt. Es wäre irrational, wollte man diesen neuen Glauben auf das Fundament der Verbalinspiration stellen, und es wäre Götzendienst, würde der neue Glaube die Wahrheit der Trinität akzeptieren und dem Polytheismus gleichstellen.“

Freiheit und Verantwortung

Obgleich Spurgeon darüber erfreut war, dass The Christian World den „Fehdehandschuh aufgenommen“ und in seinem Sinne Position bezogen hatte, „war er darüber schockiert, dass selbst Prediger, die er als rechtgläubig betrachtete, ihm die Gefolgschaft verweigerten.“1 Christliche Zeitschriften wie The Baptist, British Weekly und The Congregational Review holten sich die Meinungen führender Baptisten und Kongregationalisten ein, und „im Oktober [1887] war es offenkundig geworden, dass nahezu allgemeiner Konsens darin bestand, dass der Prediger des Metropolitan Tabernacle abgelehnt wurde.“2 Eine bittere Enttäuschung muss für Spurgeon gewesen sein, dass sich der Baptist Samuel Booth, mit dem er oft seine Bedenken teilte und auf offene Ohren gestoßen war, in der Zeitschrift The Baptist Times verlautbaren ließ, er werde sich „an einer baptistischen Inquisition nicht beteiligen“.3

Der Historiker Michael R. Watts kommt zu dem Schluss: „Spurgeon entfachte so wütende Proteste von seinen baptistischen Mitbrüdern, da seine Anschuldigungen sich als so wahr erwiesen. Die romantizistische Bewegung, die Evolutionstheorie, die Bibelkritik [der liberalen Theologie] sowie die Verwerfung der traditionellen Sühnelehre [der stellvertretende Sühneopfer Christi] und der Lehre der ewigen Verdammnis durch den Moralismus hatten alle dazu beigetragen, das theologische System zu untergraben, das die baptistischen Führer des späten 19. Jahrhunderts vertraten, ein System, das die Liberalen nun offen verwarfen und deren Verteidigung die Konservativen als peinlich empfanden.“4 John Clifford, Präsident der Baptist Union von 1888 – 1899, räumte nach dem Austritt Spurgeons aus dem Baptistenbund ein, dass die Kritik Spurgeons durchaus berechtigt war und dass Prediger, die die Plenarinspiration der Schrift ablehnten, gleichwohl Mitglied der Baptist Union bleiben konnten. Clifford zählte sich selbst zu jenen, die in der Schriftfrage den neuen Thesen der Bibelkritik folgten.5 Der Versuch von Culross, Clifford und Booth als Vertreter der Baptist Union, Spurgeon umzustimmen und seinen Austritt aus dem Baptistenbund zu widerrufen, scheiterte, da die Forderung Spurgeons, das Glaubensbekenntnis der britischen Evangelical Alliance für seinen Baptistenbund verbindlich zu übernehmen, auf taube Ohren stieß.

Spurgeon warf in der Oktoberausgabe von The Sword and the Trowel die Frage auf: „Sind die rechtgläubigen Brüder bereit, solche Auffassungen zu unterstützen, indem sie in Einheit mit jenen bleiben, die diese Auffassungen vertreten und lehren? Diese Herren haben die Freiheit, so zu denken, wie sie mögen; aber andererseits haben diejenigen, die das Evangelium lieben, ebenso die Freiheit, sich von ihnen zu trennen, und diese Freiheit bringt auch die Verantwortung mit sich, die niemand von sich weisen kann. Wenn wir nicht an den Universalismus oder an das Fegefeuer glauben, und wenn wir an die Inspiration der Schrift, den Sündenfall und das Opfer Christi für Sünde glauben, obliegt es uns, darauf zu achten, dass wir uns nicht mit jenen verbrüdern, die ein anderes Evangelium verkündigen… Diejenigen, die die Aussagen der progressiven Schule gelesen haben und noch immer denken, dass aus rechtgläubiger Sicht kein Anlass besteht, Alarm zu schlagen, müssen sicherlich von sehr optimistischem Temperament oder durch und durch blind sein.“

Auf den Vorwurf, Spurgeon sei ein Inquisitor, antwortete er: „Nichts kann törichter sein als dies. Ist es soweit gekommen, dass wir als arrogant gelten, weil wir uns die Freiheit nehmen, unsere Meinung zu äußern? Ist Entschlossenheit das gleiche wie Papismus? Die Progressiven treiben ein gefährliches Spiel, wenn sie von Inquisition sprechen, denn wir würden sie gerne daran erinnern, dass es eine andere Form von Papismus gibt, für die viele von ihnen ein bedauerliches Beispiel sind. Die eigenen Glaubensüberzeugungen zu verbergen und die eigenen Meinungen behutsam zu äußern, um Begriffe in einem anderen Sinn als dem üblichen zu gebrauchen, ‚zeigt‘, wie The Christian World es so ehrlich ausdrückt, ‚ziemlich deutlich die Manipulation unter dem Deckmantel, man wolle entgegengesetzte Auffassungen ausgewogen darstellen; dies verwirrt die Hörer nur und kann sie nicht zufrieden stellen. Hierbei handelt es sich um eine niederträchtigere Form von Papismus, die weit über die Arroganz hinausgeht, die uns grundlos unterstellt wird. Es ist indes sehr vielsagend, dass sie das Licht, dem Personen ausgesetzt werden, mit der Qual der Inquisition vergleichen und dass die offene Debatte ihre Pläne derart durchkreuzt, dass sie dies mit einer Qual vergleichen, die einer Streckbank oder einem Scheiterhaufen gleichkommt. Welchen Schaden haben wir ihnen zugefügt? Wir würden ihnen kein Haar krümmen oder ihnen nur einen Zentimeter ihrer Freiheit rauben. Lasst sie sprechen, damit wir wissen, wofür sie stehen; aber sie sollen uns die gleiche Freiheit gewähren“ (Sword & Trowel, Oktober 1887).

Spurgeon kam zu dem Schluss: „Eines ist für uns klar: Man kann von uns nicht erwarten, dass wir einem Bund angehören, dem Personen angehören, die in fundamentalen Punkten genau das Gegenteil von dem vertreten, was wir glauben. Diejenigen, die dies können, haben gewichtige Gründe, ihr Handeln zu rechtfertigen, und wir wollen diese Gründe nicht verurteilen. Uns scheint es so, dass es viele Dinge gibt, in denen Kompromisse möglich sind, aber es gibt andere Dinge, die einem verräterischen Akt gleichkommen und Gemeinschaft unmöglich machen. Mit tiefem Bedauern distanzieren wir uns von jenen, die wir sehr lieben und die wir von Herzen respektieren, da wir sonst einen Bund mit jenen schließen würden, mit denen wir keine Gemeinschaft im Herrn haben können“ (ebd.).

Schon 1872 wusste Spurgeon, dass er zu einem Dienst berufen war, um „wie ein Trankopfer ausgegossen zu werden“ (Phil 2,17). Über den Dienst für den Herrn sagte er: „Der Dienst ist eine Angelegenheit, der das Denken beansprucht, das Herz verzehrt und das Leben eines Mannes aufzehrt, wenn er den Dienst so tut, wie er es sollte.“6 Spurgeon blieb diesem Motto ein Leben lang treu. Er kapitulierte nicht vor den schlimmen Zeiten, die die letzten Tage charakterisieren. Eine äußere Form der Gottseligkeit ohne die Kraft des Geistes und des lebendigen Wortes war für den Fürsten der Prediger Verrat am Evangelium.

Anmerkungen

  1. Michael R. Watts, The Dissenters: Volume III: The Crisis and Conscience of Nonconformity, Clarendon Press, Oxford, 2015, S. 67.
  2. Ebd.
  3. Ebd.
  4. Ebd., S. 68.
  5. Ebd., S. 68-69.
  6. Sherry Hutson Camperson, Go for the Gold, Sword of the Lord, 2000, S. 5.

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© Georg Walter – Veröffentlicht auf JESAJA662 mit Genehmigung

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Verwendete Bibelübersetzung: Bibeltext der Schlachter 2000 – Genfer Bibelgesellschaft – Alle Rechte vorbehalten

 

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