Christliche Mission (4) Die „Indonesische Erweckung“ nach Berichten von Bakht Singh (Frühjahr 1968)

Oft fragen Menschen beim Stichwort “Indonesien” an Berichte über eine in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vor allem auf der Hauptinsel Java verzeichnete “Erweckung”. “Zwischen 1965 und 1971 während der »Indonesischen Erweckung« konvertierten zwei Millionen Javaner zum Christentum.” liest man da beispielseise auf einer Internetseite. Was ist heute davon zu sehen? Wie ging es weiter?

© H. Mehringer 2013

© H. Mehringer 2013

Die Gemeinden in Indien und Bakht Singh haben viele Jahre lang für Indonesien gebetet, weshalb er sehr dankbar war, als er 1968 eine Einladung zu Diensten in Indonesien erhielt. Nachfolgend Berichte und Beurteilungen dieser Erweckung aus der Sicht des bekannten Inders. Leider haben sich in den letzten Jahrzehnten viele seiner Befürchtungen bewahrheitet.

Helmut Mehringer 2016


Entnommen aus der vollständigen englischsprachigen Biographie über Bakht Sing (T.E. Koshy “Brother Bakht Singh of India”), nicht enthalten in der deutschen Ausgabe des CLV von 2005 (http://clv-server.de/pdf/255660.pdf). Übersetzung Werner Tietze, Stein bei Nürnberg. Hervorhebungen von H.M.


Bericht von Bakht Singh vom 31. März 1968:

„Ich schreibe diese Zeilen aus Indonesien, wo ich an einer Konferenz für Diener Gottes aus den verschiedenen Gebieten Südostasiens teilnehme. Wir erfahren eine Zeit des reichen Segens und der Erquickung. Ich preise Gott für das Vorrecht, dass ich hier mit so vielen Seiner Diener Gemeinschaft haben darf.

Der Herr hat tief in unserer Mitte gewirkt. Seine forschenden Augen sind wie Feuerflammen (Offb. 1,14) und haben jeden Tag unser Herz erforscht. Vielen von uns ist der Herr neu begegnet. Wir beugten uns immer wieder vor Ihm und bekannten, wie oft wir Ihn dadurch betrübten, dass wir nicht Seinen vollkommenen Willen getan hatten. Wir wurden daran erinnert, dass Seine Barmherzigkeit noch kein Ende hat (Klag. 3,22) und dass Seine Gnaden gewiss sind (Apg. 13,34; Jes. 55,3) und wir aufgrund dessen durch das kostbare Blut des ewigen Bundes gereinigt wurden. So erfuhren wir Seine liebende Gegenwart und unwandelbare Liebe wie nie zuvor.

Ich hatte das Vorrecht, unter den Dienern Gottes einige zu treffen, durch welche das Evangelium von der Gnade Gottes mit Kraft und Vollmacht in verschiedenen Teilen Südostasiens verkündigt wird. Sie tun es trotz großer Opposition seitens des Feindes, der durch viele listige Anläufe das Werk des Herrn zu hindern sucht. Wir wurden an die Verheißung aus Offb. 3,8 erinnert: ‚Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand zuschließen kann.’

Während der ganzen Konferenz hat uns der Herr die Herausforderung vor Augen gestellt, das Evangelium bis an die Enden der Erde zu tragen. Viele Diener Gottes aus verschiedenen Teilen Asiens nahmen die Herausforderung an und übergaben ihr Leben neu dem Herrn mit einem echten Verlangen, bei dieser gesegneten Aufgabe sich für Ihn und das Evangelium zu verzehren.

Betet bitte, der Herr möge uns in Indien eine neue himmlische Schau für unsere Verantwortung geben, das Evangelium nach Seinem vollkommenen himmlischen Plan in alle anderen Ländern zu verkündigen. Das kann uns nur geoffenbart werden, wenn wir bereit sind, mit Ausharren vor dem Herrn zu liegen, so wie es die Diener Gottes in Antiochien taten, ehe sie Paulus und Barnabas zu einem Missionsdienst aussandten. (Apg. 13,1-4) Wir sollten bemerken, dass der Herr diese Gebetslast Seinen Dienern in Antiochien durch Hungersnot und Verfolgung aufs Herz gelegt hatte.

Der Geist Gottes hat in Indonesien auf dreifache Weise gewirkt:

  1. erstens durch Gebetsgruppen, die sich wegen der rapiden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen und der Furcht vor möglichen Verfolgungen in verschiedenen Teilen des Landes gebildet haben;

  2. zweitens durch Gruppen von Studenten protestantischer Bibelseminare, die nach 18 Monaten des Gebets und der Selbstprüfung eine Last bekommen haben, das Evangelium in allen Teilen des Landes zu verkündigen; und

  3. drittens durch das direkte Wirken des Heiligen Geistes unter Kindern, Analphabeten und älteren Menschen, deren einfacher Glaube und entschiedener Gehorsam zu erstaunlichen Bekehrungen im ganzen Lande geführt hat.“

Am 14. April 1968 schrieb Bakht Singh:

„Auf verschiedene Weise kann man erkennen, dass jetzt eine Heimsuchung Indonesiens durch den Herrn geschieht; besonders im Süden Sumatras, in Zentral-Java und der Insel Timor. Eine große Anzahl von Menschen ist vornehmlich im letzten Jahr getauft worden.

Es ist schwierig zu sagen, wie viele unter ihnen wirklich eine Wiedergeburt erfahren haben und eine Neuschöpfung in Christus Jesus geworden sind.

Es besteht jedoch kein Zweifel darüber, dass der Herr gewirkt hat. Wir preisen Gott für den großen Hunger, den er durch den Heiligen Geist in vielen Herzen geweckt hat und

beten, der Herr selbst möge dafür sorgen, dass dieser Hunger verlangender Seelen durch sein lebendiges und wahres Wort gestillt werde.

Wie ich bereits erwähnt hatte, gehen Gruppen von jungen Leuten – Männer und Frauen – als Evangelisten in diese Teile Indonesiens, was zu beachtlichen Bekehrungen geführt hat.

Gleichzeitig kann man auch eine Gefahr sehen, weil viele dieser Gruppen unter der Leiterschaft von Frauen sind und gewisse Erfahrungen betont werden, die nicht in völliger Übereinstimmung mit dem Wort Gottes sind.

Es besteht in diesen Gebieten

ein großes Bedürfnis nach einer gründlichen Unterweisung durch das Wort Gottes und der Errichtung von lebendigen Gemeinden, in denen die Neubekehrten geistliche Nahrung finden. Nur auf diese Weise können sie zur geistlichen Reife gelangen und teilhaben an der Auferbauung der Gemeinde des Herrn Jesus Christus.

Möge der Herr denen, die aufrichtig die Wahrheit suchen, geistliche Unterscheidung schenken und sie vor falschen Lehrern und Lehren bewahren.

Ich hatte das Vorrecht, Gottes Botschaft in Versammlungen zu verkündigen, welche in drei verschiedenen Städten Indonesiens anberaumt worden waren. An einem Ort fanden die Versammlungen in einem großen Saal statt. Ich war sehr davon beeindruckt,

was für einen Hunger nach Gottes Wort die Menschen hatten und wie viele junge Neubekehrte ernstlich um das Seelenheil anderer besorgt waren.

Wir hatten jeden Morgen zwei Bibelstunden, die gut besucht waren. Ich bete dafür, dass ich durch den Willen Gottes nochmals einige Tage in Indonesien sein kann.“

Am 26. Mai 1968 schrieb Bakht Singh:

„Der Herr auf deutliche Weise Sein Siegel auf meinen zweiten Besuch in Indonesien vom 17.bis 28. April gesetzt. Es waren Zeiten des Segens an fünf Orten, die ich in dieser Zeit besuchen konnte. Während ich in Australien war, bekam ich viele dringende Einladungen, um meinen Aufenthalt zu verlängern; aber je mehr ich betete, desto mehr legte der Herr mir es aufs Herz, diese Tage lieber in Indonesien zu dienen. Nach ein paar Tagen in Indonesien merkte ich,

wie der Geist Gottes unter den Menschen einen außergewöhnlichen Hunger nach dem Wort Gottes gewirkt hatte.

Menschen kamen von weit her, um an den Versammlungen teilzunehmen. Oftmals hatten wir täglich drei Versammlungen.

Wie ich bereits erwähnt habe, hatte der Geist Gottes in Süd-Sumatra, Zentral-Java und auf der Insel Timor gewirkt. Scharen von Menschen sind getauft worden. Aber leider geschah das

in vielen Fällen ohne ausreichende Unterweisung und Prüfung, ob diese Menschen auch wirklich errettet waren.

In einigen Fällen sind auf Gebet hin Wunder gewirkt worden. Weil diese Prediger aber unabhängig wirkten, ist es dem Feind gelungen, sie zu unbiblischen Praktiken und seelischen Erfahrungen zu verführen.

Aus diesem Grunde lag es mir am Herzen, den Gläubigen zu helfen, die ihrerseits anderen helfen könnten, die ehrlich nach ewigen Dingen verlangen.

Es gibt in Indonesien viele chinesische Gläubige. Sie haben bisher Interesse nur für ihre eigenen Leute gezeigt. So wurden sie in ihrem geistlichen Wachstum sehr gehemmt. Durch Gottes Gnade sprechen sie jetzt in ihren Versammlungen auch indonesisch und sahen ihre Verantwortung für alle Menschen in ihrer Umgebung.

Ich war sehr beeindruckt von einer großen Zahl von jungen Leuten in Surabaya und anderen Orten, die der Berufung Gottes in Seinen Dienst Folge leisteten.

Betet bitte, der Herr möge dafür sorgen, dass sie im Wort Gottes unterwiesen und für Seinen Dienst zubereitet werden.

Wir hatten jeden Morgen zwei Versammlungen. Ich wäre noch gern bei den Geschwistern in Indonesien geblieben, um ihnen mitzuteilen was der Herr uns bei den Evangelisationen in verschiedenen Teilen Indiens in den vergangenen Jahren gelehrt hat. Es war jedoch nicht der Plan des Herrn. Sie baten mich, sie nochmals zu besuchen. Betet dafür, dass der Herr Seinen Willen hinsichtlich dieser dringlichen Einladung klar macht.

Ich habe bereits

die große Zahl von Menschen erwähnt, die getauft wurden, ohne eine entsprechende Unterweisung aus dem Wort Gottes empfangen zu haben.

Sie sind eine leichte Beute von falschen Lehren geworden, die nur auf Sensationen aus sind.

Dies ist eine große Not in Indonesien, und diese Not kann nur durch ernsthaftes Gebet für diese einfältigen Kinder Gottes abgewandt werden, damit sie bewahrt bleiben vor den listigen Anläufen des Feindes.

Wir preisen Gott für

die wenigen Gruppen von Gläubigen, welche der Herr durch Seine Gnade in einigen Teilen Indonesiens erweckt hat, um einen festen Stand für das Wort Gottes und die Herrschaft Jesu Christi einzunehmen.

Der Herr möge ihnen den Geist der Unterscheidung geben, damit sie völlig bewahrt werden vor den falschen Lehrern, die herumziehen, um die Menschen zu verführen und zu verleiten.

Es werden Menschen wie Timotheus und Titus gebraucht, welche die Gläubigen stärken und erbauen können. Es gibt einige eifrige junge Männer, die erst kürzlich wiedergeboren wurden und den Ruf des Herrn in Seinen Dienst vernommen haben. Sie verkündigen bereits das Evangelium. Sie benötigen jedoch mehr geistliche Disziplin, Gemeinschaft und Unterweisung im Wort, ehe sie den Dienst zum Aufbau der Gemeinde erfüllen können. Betet auch für sie.“

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Die Beurteilung Bakht Sings hinsichtlich vieler wohl nie wirklich „Bekehrter“, hinsichtlich etlicher falscher Lehrer und Hirten wie auch sein abschließende Gebetsanliegen betreffs der seiner Ansicht nach vorrangigen Not in Indonesien sind wohl auch heute noch uneingeschränkt gültig.

 

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