Christliche Mission (3) Paulus auf dem Areopag (Apg. 17)

Evangelisation und Mission – Vor 2000 Jahren und heute:  Evangeliumsverkündigung, Freundschaftsevangelisation und kulturelle Sensibilität

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Mike Oppenheiner*

Als Paulus den religiösen Heiden auf dem Areopag in Athen zum ersten Mal das Evangelium verkündigte, wartete er nicht zuerst darauf, Freundschaften mit ihnen zu schließen, ehe er ihnen seinen Glauben bezeugte. Dies ist eine absurde Methode. Er verkündigte ihnen umgehend die Wahrheit und entlarvte ihren Götzendienst. Keiner weiß, wie viele Gelegenheiten man hat, um mit einem Ungläubigen über das Evangelium zu sprechen. Daher nutzen Sie jede Gelegenheit, als ob es die einzige wäre. Man kann nicht evangelistisch wirken, wenn man nicht stets als erstes das Evangelium verkünden will, sondern zunächst Freundschaften schließen möchte, um später seinen Glauben mit anderen zu teilen. Auf diese Weise gingen die Apostel nicht vor, und sie lehrten auch die Gemeinde nicht, in dieser Weise vorzugehen. Das bedeutet nicht, dass wir keine Freundschaften schließen dürfen, aber Beziehungen aufzubauen, erfordert Zeit, und diese Zeit haben nicht alle. Und Freundschaften sind keine Voraussetzung, um das Evangelium zu verkünden! Weder Petrus in Apostelgeschichte 2 noch Paulus auf seinen Missionsreisen betrachteten es als notwendig, vor der Evangeliumsverkündigung Freundschaften zu schließen.

Heute gibt es jene, die Apostelgeschichte 17 und den Bericht über Paulus auf dem Areopag missbrauchen, um zu beweisen, dass die Bibel nicht das einzige Buch mit Gottes Wahrheit ist. Wollen wir die Schrift sorgfältig untersuchen und die Dichter, die Paulus zitiert, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen:

„Während aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt so voller Götzenbilder sah. Er hatte nun in der Synagoge Unterredungen mit den Juden und den Gottesfürchtigen, und auch täglich auf dem Marktplatz mit denen, die gerade dazukamen. Aber etliche der epikureischen und auch der stoischen Philosophen maßen sich mit ihm. Und manche sprachen: Was will dieser Schwätzer wohl sagen? Andere aber: Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein! Denn er verkündigte ihnen das Evangelium von Jesus und der Auferstehung.  Und sie ergriffen ihn und führten ihn zum Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die von dir vorgetragen wird? Denn du bringst etwas Fremdartiges vor unsere Ohren; deshalb wollen wir erfahren, was diese Dinge bedeuten sollen! Alle Athener nämlich und auch die dort lebenden Fremden vertrieben sich mit nichts anderem so gerne die Zeit, als damit, etwas Neues zu sagen und zu hören.“ (Apg 17,16-21)

Paulus betrachtete (sich) das Umfeld, in dem er sich befand, und er sah den Götzendienst. Athen war bekannt für seine Tempel, die Kunstwerke waren. Es gab keinen Platz auf Erden in jener Zeit, wo es mehr Götzenbilder gab. Götzendienst war der Grund dafür, dass Israel so häufig Strafe erdulden musste. Paulus trat stets zuerst mit seinen jüdischen Landsleuten in Kontakt (Apg 17,1-2). Er argumentierte mit ihnen auf der Grundlage der Heiligen Schrift. Ferner diskutierte er offen über die Dinge Gottes mit jenen, die keine Juden waren. Er begann nicht damit, Ähnlichkeiten mit der Philosophie der Epikureer und Stoiker zu betonen; er begann mit der Lehre über den Tod und die Auferstehung des Messias. Er begann nicht mit dem, was sie hatten, sondern mit dem, was sie nicht hatten. Daraufhin wurde er von ihnen als jemand bezeichnet, der von einem fremden Gott sprach (V. 18), etwas, das sie nie zuvor gehört hatten. Sie brüsteten sich damit, der neuesten Philosophie zu folgen. Ihr Interesse war geweckt, sie waren fasziniert von der Botschaft des Paulus und wollten mehr über die neueste Lehre hören. So brachten sie Paulus mit anderen in Kontakt, die diese neue Lehre hören sollten.

Der Areopag in Athen

Die Epikureer, benannt nach ihrem Gründer Epikur (341-270 v. Chr.) glaubten, dass das Hauptziel des Lebens darin bestand, Lust am Leben zu haben. Sie glaubten an unzählige Götter, die keinen Einfluss auf das Leben der Menschen hatten, aber sie glaubten nicht an die Unsterblichkeit der Seele.

Die Zuhörerschaft des Paulus hatte harte Herzen. Die Epikureer glaubten, dass die Schöpfung durch den Zusammenfluss von Atomen entstand, da sie keine Schöpfungslehre hatten. Die Schule des Aristoteles vertrat die Auffassung, dass „die Welt ewig besteht, und alles von Ewigkeit war, und alles immer so war, wie es gegenwärtig ist.“

Die Stoiker, gegründet von Zeno (ca. 300 v. Chr.), glaubten, dass Gott, der allen Dingen innewohnt, die Seele der Welt ist. Gott ist in allen Menschen, alle Menschen sind Brüder. Mit der Natur in Harmonie zu leben ist das Glück des Menschen. Stoiker waren Menschen mit hohen moralischen Prinzipien, dennoch glaubten sie, dass die menschlichen Angelegenheiten vom Schicksal bestimmt sind.

„Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr in allem sehr auf die Verehrung von Gottheiten bedacht seid! Denn als ich umherging und eure Heiligtümer besichtigte, fand ich auch einen Altar, auf dem geschrieben stand: »Dem unbekannten Gott«. Nun verkündige ich euch den, welchen ihr verehrt, ohne ihn zu kennen. Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die von Händen gemacht sind; er lässt sich auch nicht von Menschenhänden bedienen, als ob er etwas benötigen würde, da er doch selbst allen Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Blut jedes Volk der Menschheit gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen, und hat im Voraus verordnete Zeiten und die Grenzen ihres Wohnens bestimmt, damit sie den Herrn suchen sollten, ob sie ihn wohl umhertastend wahrnehmen und finden möchten; und doch ist er ja jedem einzelnen von uns nicht ferne; denn »in ihm leben, weben und sind wir«, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: »Denn auch wir sind von seinem Geschlecht.« Da wir nun von göttlichem Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, die Gottheit sei dem Gold oder Silber oder Stein gleich, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. Nun hat zwar Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat. Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber nochmals hören! Und so ging Paulus aus ihrer Mitte hinweg. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der ein Mitglied des Areopags war, und eine Frau namens Damaris, und andere mit ihnen.“ (Apg 17,22-34)

Dies war der Aufruf des Paulus an die Philosophen auf dem Areopag. Paulus, obgleich höflich, machte keine Kompromisse, was seine Botschaft anging. Er begann mit den Götzen und ihrer falschen Religion. Ihr Eifer und ihre Hingabe waren abergläubisch, und Paulus wies sogar darauf hin, dass sie einen Götzen errichteten, den sie überhaupt nicht kannten. Sodann wurde Paulus ihnen zum Philosophen und redete nicht länger wie ein Theologe, wie er es unter Juden zu tun pflegte, die Gottes Wort kannten. Paulus spricht ihr Gewissen an und offenbart ihnen die Erkenntnis des wahren und lebendigen Gottes, der alleine anbetungswürdig ist. Er legt ein Fundament, indem er sie in den grundlegenden Prinzipien des christlichen Glaubens unterwies und indem er sie lehrte, dass es nur einen Gott gibt. Und obgleich sie Myriaden von Göttern anbeten, verweist Paulus sie auf die Tatsache, dass einige ihrer Poeten ein höheres Wesen anerkannten – ein Wissen, das Gott in die Herzen der Menschen gepflanzt hat (vergl. Rö 1,20), die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, aber trotz ihrer Gottesferne noch über ein Gewissen und das Wissen um Gut und Böse verfügen.

Paulus sagt im 1Korintherbrief 8,4-5: „Was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, dass ein Götze in der Welt nichts ist, und dass es keinen anderen Gott gibt außer dem Einen. Denn wenn es auch solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden — wie es ja wirklich viele »Götter« und viele »Herren« gibt …“ Die Gläubigen unterweist er in 1Korinther 10,19-20: „Was sage ich nun? Dass ein Götze etwas sei, oder dass ein Götzenopfer etwas sei? Nein, sondern dass die Heiden das, was sie opfern, den Dämonen opfern und nicht Gott! Ich will aber nicht, dass ihr in Gemeinschaft mit den Dämonen seid.“ Doch bei den ungläubigen Athenern berücksichtigt Paulus ihre Unwissenheit und bezeichnet ihre Götter nicht als Dämonen. Er argumentiert in anderer Weise und sagt ihnen, dass Menschen Geschöpfe Gottes sind und nicht Götter.

Paulus definiert Gott in Vers 24 (Apg 17). Einige bauschen die Tatsache auf, dass Paulus an dieser Stelle das Wort theos verwendet. Es ist im Allgemeinen das Wort für Gott im Neuen Testament. Paulus verwendete aber nicht den Namen eines der griechischen Götte, sondern eben nur die allgemeine Bezeichnung für göttliche Autoritäten. Paulus lenkt den Blick auf einen unbekannten Gott, den sie auf die gleiche Stufe wie alle anderen Götter stellten. Das Wort theos ist eine allgemeine Bezeichnung. Es handelt sich bei diesem Wort nicht um einen Namen, sondern um einen weiten Begriff. Als Paulus das Wort theos verwendete, verstanden die Athener, was er meinte: dass dieservon Paulus verkündigte Gott nicht einer ihrer Götter war.

Die Epikureer vertraten die Auffassung, dass die Welt nicht von Gott geschaffen wurde. In Vers 24 erklärt Paulus, dass es Gott war, der die Welt geschaffen hat und alle Dinge, die darin sind – dass dieser Gott nicht in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind, da er der Herr des Himmels und der Erde ist. Paulus legte zuerst eine Grundlage, indem er über Dinge sprach, die sie verstehen konnten. Die Götter, die sie in ihren Tempeln anbeteten, waren nicht der wahre Gott. Paulus stützte sich auf das Alte Testament: „So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel für meine Füße! Was für ein Haus wollt ihr mir denn bauen? Oder wo ist der Ort, an dem ich ruhen soll? Denn dies alles hat meine Hand gemacht, und so ist dies alles geworden, spricht der Herr. Ich will aber den ansehen, der demütig und zerbrochenen Geistes ist und der zittert vor meinem Wort“ (Jes 66,1-2).

Aber um die Absurdität ihres Götzendienstes aufzuzeigen, macht er ihre Torheit offenkundig, sich auf die Schriften ihrer eigenen Dichter zu berufen. In Vers 25 sagt er ihnen, dass Gott nichts von irgendeinem Menschen braucht; im Gegenteil, wir brauchen Gott als den Geber des Lebens. Gott schenkt Leben, er ist die Quelle für alles, was Atem hat – sowohl Mensch als auch Tier. Paulus lehrt, dass Gott nichts vom Menschen bedarf, denn der Mensch hat alles, was er besitzt, von Gott empfangen. Aus diesem Grund spiegelt nichts, was die Athener für Gott taten, wider, was Gott wirklich ist. Gott hat aus Adam alle Nationen der Menschen gemacht. Das Anliegen des Paulus ist es zu zeigen, dass alle Menschen einen gemeinsamen Ursprung haben und dass Gott für alle nur einen Weg zum Heil bestimmt hat. Dem gleichen Gedanken begegnet man in Apostelgeschichte 14,17 in der Rede des Paulus in Lystra. Paulus sagt seinen Zuhörern, dass Gott in Kontrolle ist und nicht der Mensch. Gewiss wussten diese Menschen etwas über die Glaubensüberzeugungen der Juden (Schöpfungsgeschichte, Sintflut).

Die Heiden kannten Gott und seine Wege nicht und brauchten Offenbarung; solange sie diese nicht hatten, irrten sie umher. Der wahre Gott ist Geist, darum kann er kein Götzenbild sein, und er ist ihnen näher als sie dachten. In einem gewissen Sinne war er aber auch weit von ihnen entfernt, denn die Schöpfung und der Schöpfer sind zu unterscheiden, doch als geistliches Wesen war Gott auch allgegenwärtig. Aus diesem Grund kannten sie den Gott, von dem Paulus sprach, nicht. Doch dieser Gott würde sich ihnen offenbaren, sofern sie ihn suchen würden (V. 27).

In Römer 10,20 zitiert Paulus Jesaja, der freimütig bekannte: „Ich bin von denen gefunden worden, die mich nicht suchten; ich bin denen offenbar geworden, die nicht nach mir fragten.“ Paulus zeigt ihnen ein Prinzip auf, das Gott in der Vergangenheit offenbarte, denn auch Jeremia schreibt: „Ja, ihr werdet mich suchen und finden, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir verlangen werdet.“ Paulus appelliert an die Philosophen auf dem Areopag, diese Haltung einzunehmen.

„Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (V. 28) stammt aus einer Schrift von Epimenides (ca. 600 v. Chr.): „Es hat einer von ihnen gesagt, ihr eigener Prophet: Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche! Ihr aber seid nicht tot, ihr lebt und bleibt in alle Ewigkeit, denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Gott ist die Quelle unseres Seins: das Lebensprinzip, dass Leben von ihm kommt. Darum sollten wir uns Gott nicht als einen gewöhnlichen Menschen vorstellen, denn er kann nicht sterben wie ein Mensch. Wir hängen von ihm ab, er gibt uns Leben. Paulus wollte den Philosophen, an die er sich wandte, die wahre Bedeutung der Schriften ihrer Dichter vor Augen führen. Was er keineswegs damit sagte, war, dass wir alle ein Teil Gottes sind oder dass Gott ein Teil von uns ist. Was er zitierte stand im Gegensatz zu dem, was die Epikureer glaubten. Paulus zitierte aus Schriften, die die Philosophen respektierten, um dadurch deren Götzendienst zu entlarven. Paulus erklärte ihnen damit, dass der Mensch von Gott abhängig ist, den er nicht sieht oder kennt. Er zieht zu diesem Zweck Zitate ihrer eigenen Dichter heran, um ihnen klar zu machen, dass ihre Anbetung falsch war. Was in der Vergangenheit gesagt wurde, zeigt nur, dass das falsch ist, was sie in der Gegenwart praktizieren.

Aratus war ein griechischer Dichter, der um etwa 275 v. Chr. in Kilikien lebte. Paulus kannte seine Schriften sehr gut. Aratus schrieb ein Gedicht mit dem Titel Phaenomena, aus dem Paulus zitierte. Was Aratus darin zum Ausdruck brachte, war unter den Philosophen seiner Zeit weit verbreitet. Als Paulus von „euren eigenen Dichtern“ sprach, meinte er nicht nur die Athener Dichter, sondern alle griechischen Dichter, unter denen Aratus und Kleanthes von Assos führend waren.

Aratus dichtete: „Aus Gott wollen wir beginnen, den niemals Menschen ungenannt lassen sollen. Voll von Gott sind alle Straßen, alle Marktplätze der Menschen, voll sind Meer und Häfen. Überall brauchen wir alle den Gott. Denn wir sind auch von seinem Geschlecht. Als Freundlicher tut er den Menschen Günstiges kund, Völker aber weckt er zur Arbeit, erinnert sie an die Nahrung. Er sagt es, wenn der Acker geeignet ist für Rinder und Hacke, er sagt, wann die Zeiten günstig sind, die Pflanzen zu setzten und alle Samen zu säen“ [Bei Aratus geht es um die Einleitung eines großen astrologischen Gedichtes, das hauptsächlich von Sternbildern und Tierkreiszeichen handelt. Das wird auch aus den zitierten Anfangsversen deutlich, denn die Funktion des Gottes besteht wesentlich darin, die rechten Zeiten für die Verrichtungen der Menschen anzugeben].

Und Kleanthes dichtete: „Zeus, der Unsterblichen höchster, vielnamiger Herrscher des Weltalls,Ursprung du der Natur, der alles gesetzlich regieret, Sei mir gegrüßt! Dich zu rufen, geziemt ja den Sterblichen allen. Denn sie stammen aus deinem Geschlecht. Den Menschen allein nur gabst du die Sprache von allem, was lebt und sich reget auf Erden. Preis sei dir, und deine Gewalt soll immer mein Lied sein.“

Paulus verwendete eine heidnische Quelle, um die Wahrheit der Bibel zu untermauern, nicht umgekehrt! Er zeigte den Athenern, wie ihre eigenen Dichter ein gewisses Maß (wenngleich unscharfes) Wissen über den „unbekannten Gott“ hatten. Würde Paulus sagen, dass ihre Dichter die Wahrheit niederschrieben, dann hätte er den falschen Gott Zeus bestätigt, was im Widerspruch zu allem steht, was er ihnen beweisen wollte. Würde Paulus tatsächlich sagen, wir alle seien aus dem Geschlecht des Gottes Zeus, dann hätte er die griechische Philosophie der Götter bejaht. Genau dies tat er nicht!

Paulus zitierte aus Gedichten, nicht Unterweisung aus der Schrift. Paulus wollte damit sagen, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind und dem wahren Gott ihr Leben verdanken. Die Bibel lehrt an keiner Stelle, dass es eine universelle Vaterschaft Gottes und Bruderschaft aller Menschen gibt (Johannes 1,12 sowie Paulus im Epheserbrief lehren, dass der Mensch glauben muss und durch die Wiedergeburt in die Familie Gottes aufgenommen wird).

Keineswegs war es nicht die Hauptabsicht des Paulus, eine Brücke zu heidnischen Göttervorstellungen zu schaffen. Wenn Paulus überhaupt beabsichtigte, eine Brücke zu bauen, dann folgte er gewiss nicht den vielen modernen evangelistischen Methoden. Er sagte ihnen direkt das, was heute viele vermeiden. Paulus schlug keine Brücke zu ihrer Kultur, sondern zu den Menschen, die ein falsches Gottesbild und eine falsche Weltsicht hatten. Er benutzte ihre Dichter, um ihnen zu zeigen, was an ihrem Gottesbild falsch war. Paulus zog ihre Dichter heran, um ihren Götzendienst zu entlarven. Er stellte die Worte ihrer Dichter nicht auf die gleiche Stufe wie die Offenbarung der Schrift, sondern er rückte ihre Überzeugungen auf Grundlage der Bibel ins rechte Licht.

Paulus gebrauchte ein Zitat, das Ähnlichkeiten mit der Bibel aufwies, um ihre Aufmerksamkeit auf den unbekannten Gott zu lenken – den wahren Gott kannten sie nicht. Dies ist keine Brücke zu ihren Glaubensüberzeugungen, sondern zu dem, was sie weder glauben noch wissen. Weil Paulus ihren Götzendienst entlarven will, bringt er sein Argument auf den Punkt: „Wir dürfen nicht meinen, die Gottheit sei dem Gold oder Silber oder Stein gleich, einem Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung“ (V. 29). Es ist absurd zu glauben, dass die Quelle unserer Existenz (Gott) auf Gold, Silber oder Steine zurückgeht. Wir sind lebendige, intelligente Wesen, unser Wesen ist von höherer Art als die Dinge, die Menschen schaffen können, da wir wie Gott sind, der uns geschaffen hat. Warum sollten wir Dinge anbeten, die von Menschenhand geschaffen wurden?

Paulus ruft die Athener zur Umkehr auf (V. 30). Dies zeigt, dass Paulus ihr Handeln nicht für gut befindet. Gott ist der Schöpfer des Menschen, aber Gott als etwas zu identifizieren, das Menschenhand geschaffen hat, ist Unwissenheit (Rö 1,22-23). Er klagt diese Dichter und Philosophen an und bezeichnet sie als unwissend – eine äußerst starke Anklage. In vergangenen Tagen hat Gott diese Unwissenheit übersehen. Aber nun will Gott, dass die Menschen sich bekehren, nicht nur die Griechen, sondern alle Nationen. An diesem Punkt greift Paulus auf die Bibel zurück und predigt das gerechte Gericht, das durch Christus kommen wird, der als einziger Menschen von den Toten auferstanden ist und ewig lebt.

„Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber nochmals hören!“ (V. 32). Paulus musste ihre Glaubensüberzeugungen erschüttern, damit sie Christus erkennen konnten. Zuerst stellte er ihren Glauben in Frage, dann predigte er das Evangelium. Einige verwarfen Paulus, andere wollten ihn wieder hören. Das Kreuz war den Griechen eine “Torheit”; sie wussten nichts über Golgatha, insbesondere über die Auferstehung. Den Menschen nur die Gute Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen, ohne ihnen aufzuzeigen, was an ihren eigenen Glaubensüberzeugungen falsch ist, funktioniert nicht immer. Die Apostel ging nicht auf diese Weise vor, und Paulus tat es auf dem Areopag ebenfalls nicht. Evangelisationsmethoden, die sich nicht mit der Sünde einer Kultur auseinandersetzen und Gottes Ruf zur Umkehr ausklammern, sind wirkungslos. Man kann das Evangelium nicht verkündigen, wenn die Menschen nicht verstehen, was mit biblischen Begriffen gemeint ist. Wenn man eine Ausdrucksweise nicht versteht, wie soll man den Inhalt einer Botschaft begreifen? Die schlechte Nachricht des Sündenfalls im Alten Testament muss zuerst dargelegt werden, bevor man die Gute Botschaft des Neuen Testaments verkündigt, so wie Paulus im Prinzip vorging, als er den Athenern predigte. Paulus begann mit biblischer Offenbarung und endete mit biblischer Offenbarung.

Humanismus ist die Religion unserer Kultur, die alles ohne Gott erklären will. Unsere Kultur ist durchdrungen von Philosophien. Wir leben in einer griechischen Kultur, die von Evolution und Pantheismus spricht. Anstatt wirklich nach biblischen Maßstäben zu evangelisieren, nutzen viele den Bericht über Paulus Wirken auf dem Areopag, um das Gegenteil zu tun. Vertreter moderner Evangelisationsmethoden (emergente und missionale Formen) akzeptieren falsche Götter, anstatt den wahren Gott zu verkündigen. Sie akzeptieren andere Religionen als glaubwürdig und als Ergänzung zum Christentum. Doch der wahre Gott bleibt den Verlorenen ein unbekannter Gott. Es ist an uns, den wahren Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu verkündigen. Das progressive Christentum unserer Tage steht nicht mehr auf der Grundlage der Bibel, und es beeinflusst den gesamten Leib Christi. „Wenn die Grundfesten eingerissen werden, was soll der Gerechte tun?“ (Ps 11,3). Wir müssen die Grundfeste wieder aufbauen. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall und der Geschichte des Menschen, damit die Menschen einer Kultur, die Gott nicht kennen, das Kreuz wieder verstehen können

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*Original:  Mike Oppenheimer, Paul’s Mars Hill Appeal. © 2009 http://www.letusreason.org

© der Übersetzung: 2016 ©Georg Walter …bis es scheidet zwischen Seele und Geist


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