Faszination Bibel!? (1)

Georg Walterwide01

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Der Maleachi-Kreis ist Herausgeber des unbedingt lesenswerten Buches Die Bibel fasziniert mich … Die Autoren Michael Kotsch, Siegfried Weber, Jochen Endres, Wolfgang Nestvogel, Johannes Pflaum und Eberhard Platte schreiben über Themen wie Inspiration, biblische Prophetie und den Sühnetod Christi. Die Autoren zeigen, wie wertvoll die Bibel als Quelle der Kraft und des Trostes ist und dass der Umgang mit Gottes Wort Menschen verändert. Michael Kotsch nimmt die Zeitschrift Faszination Bibel genauer unter die Lupe und untersucht sie auf ihre Inhalte und theologische Ausrichtung hin. Kotsch schreibt:

Der Theologe und Faszination-Bibel-Mitarbeiter Ulrich Eggers bekennt, dass er lieber John Ortberg liest als die Bibel. Unterstützt wird er diesbezüglich von Faszination-Bibel-Redakteur Thomas Härry. Zunächst fragt U. Eggers: »Muss jeder die Bibel wichtig finden und gut kennen?« Darauf Th. Härry: »Nein, nicht die Bibel, sondern Jesus Christus« (S. 38-41). Das hört sich nach dem altbekannten Spiel an, Jesus von der Bibel trennen zu wollen – man fragt sich nur, wie das gehen soll. Später werden uralte und längst geklärte Argumente gegen die Glaubwürdigkeit der Bibel präsentiert und bejaht: »Der Hase ein Wiederkäuer? Hier irrt die Bibel doch tatsächlich« (S. 95). Auch Christel Eggers’ theologische Erkenntnis: »Ich habe viel gelernt … [Gott] sein Versagen zu verzeihen …« (S. 47), dürfte manchem Leser zu denken geben. Wer sich dann Christoph Schrodts Grundlagenartikel zur Inspiration vornimmt, der die Unklarheit noch vergrößert, weiß hinterher nur noch, was Inspiration sicher nicht ist (S. 26-29). Faszination Bibel ist offensichtlich ein Aufatmen für Bibelleser.

Über die Zielsetzung von Faszination Bibel ist auf der eigenen Homepage (http://www.faszination-bibel.net) Folgendes zu lesen: »Die Bibel nicht nur im Regal aufbewahren, sondern sie verstehen, ihre Kraft erfahren, ihre Relevanz erfassen: ›Faszination Bibel‹ schließt Wege dazu auf. ›Das Buch der Bücher lieben lernen‹ ist Ziel dieses Magazins.« Das hört sich wirklich gut an, und tatsächlich finden sich auf der Internetseite von Faszination Bibel informative historisch-archäologische Aufsätze, biblische Kurzauslegungen und persönliche Glaubensberichte.

Darunter sind auch originelle Beiträge, z. B. über Bibelsprüche an alten Häusern (Wendel: »ungefähr biblisch«) und eine locker formulierte Einführung in den alttestamentlichen Gebrauch des Begriffs »Herz« mit zahlreichen aussagekräftigen Bibelstellen (»Das menschliche Herz im AT«). Eine offensichtliche Stärke vieler Artikel von Faszination Bibel ist die formulierte Echtheit, in der sie geschrieben sind. Ob es sich dabei um eine wirkliche oder lediglich journalistisch dargebotene Echtheit handelt, kann natürlich nicht gesagt werden. Die Autoren begeben sich bewusst auf die Ebene des zweifelnden, unsicheren und emotionsgeleiteten Christen, um sich mit ihren potenziell erhofften Lesern zu identifizieren. Häufig finden sich anregende, kurze Gedanken zu einzelnen Bibelversen. Zumeist sind diese nicht sehr tief, aber persönlich.

Immer wieder finden sich dementsprechend auch Formulierungen wie »das berührt mich« und »das spricht mich an«. Die subjektive Betroffenheit im Positiven wie im Negativen rangiert bei den Faszination-Bibel-Autoren vor objektiven Aussagen über Gott und die Bibel. Psychologisch korrekt spricht man fast ausschließlich über sich und seine Gefühle im Umgang mit dem Wort Gottes und wenig über den Leser oder seinen Umgang mit der Bibel. Unpopuläre Appelle oder Kritik finden sich natürlich kaum. Feste Aussagen werden fast nur bei sprachlichen, archäologischen oder kulturellen Aussagen gemacht – deren Sicherheit allerdings nicht immer wirklich sicher ist.

Die 35 Mitglieder des Beirats von Faszination Bibel repräsentieren so gut wie jede theologische Ausrichtung innerhalb der evangelikalen Bewegung. Darunter finden sich u. a. charismatische, kirchlich geprägte, konservativ-bibeltreue und gemäßigtbibelkritische Personen (S. 96f.). Auf die konkrete Gestaltung der Zeitschrift hat der Beirat allerdings nur bedingt Einfluss, wie auf Rückfrage bei verschiedenen Beirats-Mitgliedern zu erfahren war.

Die meisten Artikel stammen aus der Feder bzw. dem Computer von Redaktionsleiter Dr. theol. Ulrich Wendel. Er hat den größten Einfluss auf Inhalt und Ausrichtung der Zeitschrift. Theologisch festlegen will sich Wendel für seine Zeitschrift allerdings nicht. Über die geistliche Ausrichtung von Faszination Bibel schreibt er: »Unser Magazin ist auf keine bestimmte Auslegungstradition festgelegt. Wo es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Texte zu verstehen, wollen wir das auch fair darstellen.« Da zu den unterschiedlichen Möglichkeiten, biblische Texte zu interpretieren, auch bibelkritische, materialistische, feministische oder geschlechtergerechte

Ansätze gehören, muss davon ausgegangen werden, dass auch diese exegetischen Methoden in Faszination Bibel nicht generell abgelehnt werden.

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Auszug aus dem Buch: Maleachi-Kreis (Hrsg.), Die Bibel fasziniert mich, CLV, Bielefeld, 2012, S.12-14. Das Buch kann bezogen werden: hier

…und als PDF kostenlos heruntergeladen werden: hier.

©…bis es scheidet zwischen Seele und Geist

Siehe hierzu auch:

  1. Die Allgenügsamkeit der Heiligen Schrift
  2. Bibeltreue: Vorausgesetzt und umgesetzt
  3. Das Wort Gottes – genügend oder anpassungsbedürftig? (John Newton)

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