Notwendiger Streit?

Martin Vedder *

Immer wieder begegnen uns liebe Christen mit der Frage: „Warum ist es eigentlich so wichtig, auf Fehlentwicklungen und Gefahren hinzuweisen? Genügt es nicht, sich auf die ‚positiven‘ Aussagen der Heiligen Schrift zu beschränken und möglichst jedem Streit aus dem Wege zu gehen?“

CC0 Public Domain - pixabay

CC0 Public Domain – pixabay

Nun, die regelmäßigen Leser unserer Maleachi-Info* und auch die Besucher unserer
Maleachi-Konferenzen wissen, dass wir uns nicht einseitig auf das Warnen vor allen möglichen Gefahren konzentrieren, sondern auch bestrebt sind, echte Glaubenshilfen für den Alltag und gelebte Nachfolge anzubieten. Doch wir stehen ständig in dieser Spannung, die auch schon der Schreiber des  Judasbriefes empfand, wenn er schreibt, dass er eigentlich den Briefempfängern über das gemeinsame Heil schreiben wollte, jetzt aber durch den Geist Gottes sich gedrängt sah, für den den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.

In diesem Zusammenhang fiel mir ein alter Artikel von Karl Eberlein** (promovierter Theologe und Pfarrer in Roth bei Nürnberg) in die Hände, den ich dem geneigten Leser
nicht vorenthalten möchte unter folgendem Titel.

Notwendiger Streit?

„Es waren meist nicht die schlechtesten Zeiten der Kirche, wenn es Streit über gewichtige Fragen des Glaubens und Lebens gegeben hat. Bereits in den Anfängen der Christenheit ist es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, wie man etwa aus den Briefen des Apostels erfahren kann (vergl. z. B. Gal 2,11-14). Ohne den Mut zum Streit hätte es die Reformation nicht gegeben. Ohne den Mut zum Streit hätte sich während des Dritten Reiches die Bekennende Kirche nie zu ihrer Barmer Erklärung durchringen können… Ohne den Mut zum Streit wird eine Kirche geistlos … 

Die Notwendigkeit des Streitens ist in unserer Gegenwart nicht geringer geworden als in früheren Zeiten … Es könnte sein, dass die Kirche der Gegenwart nicht zu viel, sondern zu wenig streitet – jedenfalls über das und für das, worüber und wofür es sich von der Botschaft eines befreienden Gottes her zu streiten lohnt …

Die Unterscheidung der persönlichen, der innerkirchlichen und der gesellschaftlichen Ebene bedeutet auch eine bestimmte Reihenfolge, wenn es gemäß Matthäus 7,5 darum geht, zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen:

Nur wenn wir den Streit mit uns selber nicht gescheut haben, wird aus dem innerkirchlichen Streit etwas anderes als ein Streit der Rechthaber und Besserwisser. Nur wenn die Kirche den innerkirchlichen Streit auf sich nimmt, kann sie beanspruchen, auch außerhalb der Kirchenmauern gehört zu werden. Kirchliche Verlautbarungen, die nicht erst innerkirchlich erstritten werden mussten und somit auch nichts gekostet haben, werden kaum etwas beinhalten, das der weiteren Beachtung wert wäre.“

Ich möchte schließen mit den Worten des Apostels Paulus:

„Denn obwohl wir im Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung
von Festungen, indem wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus …“ (2.Kor. 10,3-5)

Dass dies die tägliche Erfahrung unserer Leser werden möchte, wünscht von Herzen Ihr

Martin Vedder

——-o——-

 * ©  Maleachi-Kreis e.V., aus: Maleachi-Info – Nachrichten, Berichte und Kommentare zur Glaubensstärkung in Leben und Lehre, Ausgabe 03/2015, mit Erlaubnis des Autors.  (Die Maleachi-Info kann kostenlos per E-Mail im PDF-Format bezogen werden. Bitte anfordern bei: m.vedder {at} zamonline.de)

**  Karl Eberlein, Christsein im Pluralismus – Ein Orientierungsversuch in der religiösen Gegenwart, LIT Verlag, Berlin, 2006, S.319-320

Dieser Beitrag wurde unter Die Gesunde Gemeinde, Evangelium & Einheit, Leben als Christ, Reformation abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.