Friede oder Wahrheit – Was ist der heutigen Christenheit wichtiger?

5. Fortsetzung des Beitrags “Was darf (noch) gepredigt werden?”

(Nach einigen Monaten wollen wir schauen, was die Christenheit aus dem „Fall“ der Predigt des Bremer Pastors Latzel, der gar das Landesparlament beschäftigte, gelernt hat. Ein wahllos herausgegriffenes Beispiel:)

Georg Walter*

Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden!    (2Petrus 3,14)

Tobias Faix schrieb kürzlich in einem Beitrag, in welchem er sich auf die Predigt des Bremer Pastors Olaf Latzel bezog, die den christlichen Glauben als einzigen Weg zu Gott zum Inhalt hatte, dass „jede Identität Grenzen braucht und dabei herausgefordert ist, nicht ausgrenzend zu sein“ (hier). In einer pluralistischen Gesellschaft kommt es, so Faix, entweder zum „Wettstreit der Religionen (mit verschiedenen Mitteln und Intentionen) oder aber zu einer Vereinheitlichung der Religionen (Synkretismus)“, was aus seiner Sicht nicht zielführend sei. Faix plädiert für einen dritten Weg, der „in einer gewissen Spannung Teile der beiden Wege aufnimmt, aber durch eine andere Haltung getragen wird. Diese Haltung zeigt sich zuerst in der eigenen religiösen Identität.“

Letztere braucht, wie eingangs zitiert, Grenzen, darf aber zugleich nicht ausgrenzend sein. Dies ist eine typisch postmoderne Aussage, mit der man auch pluralistische und sich widersprechende Aussagen in Einklang bringen will.

Dass der Wettstreit der Religionen nicht aggressiv oder militant geführt werden muss, ergibt sich schon aus den Worten Jesu: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Dass aber schon die ersten Jünger ausgrenzend waren und ausgegrenzt wurden, zeigt nicht nur die Apostelgeschichte sondern die gesamte frühe Kirchengeschichte.

Wie aber sieht der dritte Weg nach Faix aus? Er nimmt Bezug auf eine Aussage von Christina Brudereck, die sagte, dass Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft wichtiger ist als Wahrheit. Darüber bin ich zuerst gestolpert, aber es ist eine interessante Beobachtung, denn wenn alle religiösen Akteure und Weltanschauungen die eigene Wahrheit vertreten, dann machen diejenigen, die Frieden bringen den Unterschied.” Frieden soll wichtiger sein als Wahrheit, so die Handlungsanweisung der postmodernen Emerging Church. Hätten die ersten Christen sich dieser Devise verschrieben, gäbe es heute wahrscheinlich kein wahres Christentum mehr. Wer die Apostelgeschichte liest, wird feststellen, dass, wo immer Gottes Wort der Wahrheit „wuchs und sich mehrte“ (Apg 6,7; 12,24; 19,20), es zu Widerstand, Aufruhr und Verfolgung kam. Die ersten Christen grenzten sich von ihrer Kultur und anderen Religionen ab, insbesondere vom Judaismus, und hielten sich an das Muster der gesunden Worte (2Tim 1,13-14). Mit anderen Worten, ihnen war Wahrheit wichtiger als Frieden.

Obgleich Faix zuzustimmen ist, wenn er schreibt, dass „es nicht nur um das geht, was ich sage, also z. B. mein Verständnis vom Evangelium, sondern es geht immer auch darum, wie ich es sage“, hat er dennoch die Richtung bereits vorgegeben. Der postmoderne Christ muss, so Faix, in einer pluralistischen Gesellschaft das Evangelium so verkünden, dass es keinen Anstoß mehr erregt – dass es „Frieden“ bringt, denn diejenigen, die „Frieden bringen, machen den Unterschied.“

Das erinnert an Rick Warren, der in einem Interview sagte: „Christen glauben, dass es in jeder Religion Wahrheit gibt … Ich glaube, ich habe viel Wahrheit von verschiedenen Religionen gelernt; denn sie haben alle einen Teil der Wahrheit“ (Larry King Live 22. 11. 2004). Rick Warren war es, der im Namen des biblischen Jesus und im Namen des Isa (Jesu) des Korans betete.

Warren ist bereit, die biblische Wahrheit, dass Jesus Gott ist, auf eine Ebene mit dem Jesusbild des Korans zu stellen, welcher in Jesus lediglich einen menschlichen Propheten sieht und ferner die Auferstehung des Gottessohnes leugnet.

Ich bin der Überzeugung, dass es nicht um die Frage geht, ob Wahrheit wichtiger ist als Frieden, oder ob Frieden wichtiger ist als Wahrheit. Wahrheit darf niemals auf dem Altar des Friedens geopfert werden. Und wollen wir in der Nachfolge authentisch sein, müssen wir zuerst die Schrift fragen, was sie zum Thema Frieden zu sagen hat. Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief: „Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden“ (Rö 12,18). Hier deutet Paulus an, dass Frieden zu halten immer von zwei Parteien ausgeht, den Christen und den Nichtchristen. Daraus folgt, dass selbst die Motivation, Frieden zu halten, nicht immer auf die entsprechende Gegenreaktion stoßen wird. Faix, und auch Brudereck, verwechseln aus meiner Sicht Frieden mit falscher Kompromissbereitschaft. Ganz gleich in welcher friedfertigen Motivation die Wahrheit auch immer verkündigt wird, das Evangelium wird bis zum Erscheinen des Herrn ein Anstoß und eine Torheit unter den Menschen sein. Leider gibt es in den sogenannten bibeltreuen Kreisen zu viel unnötigen Streit und Unfrieden. Und alle, die diesen Unfrieden verursachen, müssen sich einmal vor Gott dafür verantworten. Dennoch gilt für alle wahren Nachfolger Jesu, vor ihrem Gott „als unbefleckt und tadellos in Frieden erfunden zu werden.“ Unbefleckt und tadellos kann aber letztlich nur derjenige sein, der ein „Mitarbeiter der Wahrheit“ ist (3Jo 8).

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Fortsetzung folgt –>

 * Reblogged von „Dominionismus“, 3.8.2015

Die gesamte Serie:

  1. Was darf noch gepredigt werden?
  2. Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen Toleranz
  3. #Wir sind Olaf
  4. Christen müssen Buddha mögen!?
  5. Christenverfolgung vs. Gottes Liebe gegenüber Muslimen

Siehe auch:   Mayhue/Huges/MacArthur: Verändertes Denken  (kostenlose PDF-Ausgabe HIER!)

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* Rebloged von: 

<– Zum Beitrag „Der Fall Latzel – Was darf noch gepredigt werden?“

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