Rick Warren wirbt für Wiedereintritt in die Katholische Kirche

Dr. Martin Erdmann*

Könnten Sie sich vorstellen, dass der Vorsitzende einer Partei für den Eintritt in eine andere Partei wirbt? Nein, das kommt nicht vor, und wenn es so wäre, würde dieser Vorsitzende wegen Parteischädigung ausgeschlossen werden.

Was im Allgemeinen unvorstellbar ist, praktiziert der Baptistenpastor Rick Warren von der Saddleback Community Church in Kalifornien/USA. Er befürwortete in der Öffentlichkeit die Kampagne „Catholics Come Home“ (Katholiken kommt nach Hause) mit folgenden Worten: „Die Mission von Tom Peterson und Catholics Come Home, um Seelen zu Jesus und zur Kirche zurückzubringen, ist in dieser herausfordernden Zeit in unserer Geschichte äußerst wichtig. Ich unterstütze dieses neue Evangelisationsprojekt voll und ganz.“ Mit dieser glühenden Empfehlung warb Warren für den Verkauf des Buchs Catholics Come Home, dessen Autor Tom Peterson ist.

Aufruf zur Bekehrung zum katholischen Glauben

Tom Peterson ist dafür bekannt geworden, dass er ein eifriger Befürworter

der Römisch-Katholischen Kirche ist. Katholiken, die die Rituale ihrer Kirche nicht praktizieren und seit längerer Zeit nicht mehr an einer Messe teilgenommen haben, fordert er auf, ihre Zugehörigkeit zu dieser Religionsgemeinschaft ernst zu nehmen und nach den Vorschriften ihres Glaubens zu leben. Er startete die Kampagne

„Katholiken kommt nach Hause“. Auf der Homepage kann man den folgenden Aufruf lesen: „Falls es schon einige Zeit her ist, dass Sie bei der Beichte oder Messe gewesen sind, laden wir Sie ein, nach Hause zu kommen. Machen Sie einen Neustart und erfahren Sie die Heilung, Freude und den Frieden, die mit Gottes Vergebung und bedingungsloser Liebe einhergehen.“ Folgende Themen werden vorgestellt: Wer ist Jesus? Warum der Katholizismus? Komm nach Hause! Wie gibt man den Glauben weiter? Es gibt unter anderem Video- und Tonaufnahmen, einen Onlineshop, eine Auflistung von Erfolgsgeschichten und Hinweise darauf, wie Diözesen von den Dienstangeboten der Organisation profitiert können.

Catholics Come Home stellt sich als einen unabhängigen, gemeinnützigen katholischen Dienst vor, der Multimedia-Produktionen für Werbezwecke herstellt und diese über verschiedene Kommunikationskanäle einem nationalen und internationalen Publikum übermittelt. Es werden Antworten auf Einwände und Fragen über den römisch-katholischen Glauben gegeben. Einige der angesprochenen Themen nehmen Bezug auf die Eucharistie und die Messe, die Kirche und das Papsttum, Maria und die Heiligen, auch die Bedeutung und Wichtigkeit der katholischen Sakramente wird erwähnt. Die vordergründige Absicht hinter diesen Sendungen ist, nicht praktizierende Katholiken „zu inspirieren, zu belehren und zu evangelisieren“, damit diese der Einladung Folge leisten, einen tiefen Glauben an Jesus Christus auszuleben; und dieser Glaube kann nur in Übereinstimmung mit dem Lehramt (Magisterium) der Römisch-Katholischen Kirche richtig praktiziert werden. Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch fest, dass sich die Zielgruppe nicht nur auf Katholiken beschränkt, die sich von der Kirche abgewandt haben, sondern auch auf Andersgläubige, denn Evangelisierung hat in erster Linie etwas mit Bekehrung zum katholischen Glauben zu tun. Die aktivere Beteiligung an kirchlichen Veranstaltungen steht bei dieser Kampagne zwar im Vordergrund, aber andere Zweckbestimmungen werden ebenfalls offenkundig.

Aufforderung zur verbindlichen Beziehung zur Katholischen Kirche

Tom Peterson ist erfolgreich, denn bislang erreichte er 125 Millionen Menschen mit dem Aufruf, sich der Römisch-Katholischen Kirche zuzuwenden. Laut den Angaben auf der Seite „EvangomercialsTM“, sind hunderttausende Katholiken seit Beginn der Kampagne im Jahr 1998 diesem Ruf gefolgt. Auf derselben Seite finden sich zahlreiche Kurzvideos in verschiedenen Sprachen, in denen in unterschiedlichen Lebenssituationen aufgezeigt wird, wie wichtig es ist, sich verbindlich der Römisch-Katholischen Kirche anzuschliessen und den Glauben konkret auszuleben, sei es als Coach eines erfolgreichen Sportteams, als Lehrerin oder Entwicklungshelfer.

Auf der Seite „Komm nach Hause“ wirbt Peterson mit einer Botschaft von Liebe und Annahme, wenn man bereit ist, erneut die Sakramente der Katholischen Kirche in Anspruch zu nehmen. Gleich zu Beginn des Aufrufs werden Katholiken darauf aufmerksam gemacht, dass ein Mensch, der einmal ein Katholik gewesen war, immer ein Katholik bleiben würde. Der Weg zurück zur Kirche stünde allen Katholiken offen, auch wenn sie eine Zeit lang, ja sogar über viele Jahre hinweg nicht mehr zur Messe gegangen sind. Es wird ihnen gesagt, dass die Kirche sie während ihrer Abwesenheit vermisst habe und dass diese nicht dieselbe sei, wenn die getauften Katholiken nicht zu ihr gehen würden. Der himmlische Vater würde seine Arme ausstrecken, und der Heilige Geist würde ihnen ins Ohr flüstern, wenn sie in ihrem Inneren den Wunsch verspürten, zur katholischen Kirche zurückzukehren. Praktische Anweisungen und Ratschläge werden gegeben, wie man diesem Aufruf nachkommen kann.

Warren vertritt kein protestantisches Heilsverständnis

Es ist natürlich verständlich, dass die Römisch-Katholische Kirche angesichts der Realität, dass viele getaufte Katholiken ihren Bezug zur Kirche verloren haben, über Organisationen wie Catholics Come Home versucht, ihre entfremdeten Kirchenmitglieder zu motivieren, den Gang zur Kirche erneut zu wagen. Andere Glaubensgemeinschaften tun das auch mehr oder weniger erfolgreich. Überraschend ist jedoch, dass der Baptistenpastor der Saddleback Community Church Rick Warren sich dazu berufen sieht, diese Kampagne zu unterstützen. In einer Werbekampagne für das Buch Catholics Come Home wird Rick Warrens Empfehlung in einem Video neben Statements von Kardinal Timothy Dolan und anderen prominenten Katholiken Amerikas sogar herausgehoben.

Dies lässt folgende Schlussfolgerung zu:

  • Rick Warren sieht in der Römisch-Katholischen Kirche eine Religionsgemeinschaft, die die Bezeichnung christlich verdient.
  • Menschen, die als Säuglinge in diese Kirche durch die Taufe aufgenommen wurden, erfahren das Heil ihrer Seele, sofern sie die katholischen Rituale praktizieren und regelmäßig zur Messe gehen.

Welches Heilsverständnis vertritt Warren demnach? Protestantisch kann man es nicht mehr nennen.

Nach Veröffentlichung seines Buches Leben mit Vision (Purpose Driving Life) richtete Rick Warren auf der zu diesem Buch dazugehörigen Webseite eine Sektion für Katholiken ein: Purpose Driven Catholics[1]. Dass dies eine ganz bewusste Entscheidung des Autors gewesen ist, Katholiken dazu zu motivieren, sein Buch zu kaufen, liegt auf der Hand. Jedenfalls wird er sich über die Entscheidung der Holy Family Parish in Inverness, Illinois, gefreut haben, die 2005 als erste Römisch-Katholische Gemeinde das im Buch empfohlene Programm durchführte.

Im weiteren Artikel werden wir noch etwas ausführlicher auf die Zusammenarbeit zwischen den Evangelikalen und Katholiken eingehen.


[1] Die separate Webseite für die Katholiken ist mittlerweile wieder von PurposeDriven.com verschwunden. Aber man kann sie immer noch auf der Archive.org Webseite abrufen. Interessant ist, dass einzelne Katholiken sich im Internet gegen das Lesen des Buchs Leben mit Vision ausgesprochen haben. Sie geben auch konkrete Gründe an, wieso die Botschaft des Buchs von der katholischen Lehre abweicht. Ein Beispiel: Wrong Turn: The Purpose-Driven Life Gives Bad Directions


Reblogged vom Blog des VERAX Instituts.  Siehe hierzu auch:

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