Suppensalz oder Salz der Erde…?

Johannes Pflaum*

Die Worte Jesu (Mt 5,13): „Ihr seid das Salz der Erde“, werden oft zitiert, um allerlei christliche Programme zu rechtfertigen. Sie werden aber nicht nur häufig gebraucht, sondern auch missbraucht. Manche interpretieren sie in dem Sinn, dass wir Christen wie das Salz in der Suppe aufgehen sollen.

Die Gesellschaft soll durch unseren Beitrag noch schmackhafter werden, Würze bekommen. Obwohl diese These schon vor Jahrzehnten auf Kirchentagen
und ähnlichen Veranstaltungen zu hören war, passt sie auch gut zu dem nur scheinbar neuen Konzept der Emerging Church-Bewegung.

Christen als Salz in der Suppe, als wertvoller Teil der Gesellschaft, – hat unser Herr dies gemeint? Schon der Textzusammenhang entpuppt diese Auslegung mehr als lauwarme Suppenbrühe, wie als das, was uns die Bibel an klarem Wasser einschenkt. Direkt vor diesen Versen sagt Jesus seinen Jüngern Schmähung und Verfolgung voraus. Passt dies zu einem kultur-relevanten Auftreten der Gemeinde? Wohl kaum.

Das Salz in der Bibel soll der Fäulnis entgegenwirken. Es geht um die Bezeugung des Evangeliums und um ein Leben, das dem Bösen entgegenwirkt. Dazu gehört die Bereitschaft, Sünde beim Namen zu nennen, von Gericht und der Verdammnis zu sprechen,  wie auch von der rettenden Gnade Gottes. Natürlich soll dies taktvoll geschehen. Aber oft verwechseln wir taktvoll mit Drumherumreden, oder den Leuten nach dem Mund reden. Und wir merken nicht, wie schnell uns der Takt verloren geht, den die Bibel vorgibt. Unsere Melodie stimmt nicht mehr mit den klaren Tönen des Evangeliums überein.

Johannes der Täufer und Paulus waren herausragende Werkzeuge Gottes. Von beiden ist uns kein unkluges Auftreten bekannt, auch wenn Paulus sich einmal entschuldigen
musste. Sie wussten sich ihrem Herrn und seinem Wort verpflichtet. Nicht nur, wenn es um Gnade und Barmherzigkeit ging, sondern genauso auch, wenn Sünde beim Namen genannt werden musste. Das brachte Johannes ins Gefängnis und Paulus nicht
aus dem Gefängnis.

Sind wir heute Suppensalz oder Salz der Erde?

Wenn Pfarrer Wilhelm Busch von seinen Erlebnissen mit der geheimen Staatspolizei erzählt, stellt er eines klar: Er wollte nicht als Widerstandskämpfer oder Held gefeiert werden. Im Rückblick, so Wilhelm Busch, habe er viel zu wenig gesagt, viel zu sehr geschwiegen. Das sind die Worte eines Mannes, der um des Evangeliums willen dunkle Stunden in der Gestapozelle durchlebte.

Er war zur Verkündigung unterwegs, obwohl er wusste, dass man ihn verhaften wollte.
Und wir heute? Haben wir den Mut, das Evangelium ganz zu bezeugen, auch in den Teilen, wo man es nicht mehr hören möchte. Oder muss man von uns sagen: „Sie kommen auf leisen Sohlen“, besser gesagt: „sie verschwinden auf leisen Sohlen“?

„Wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden“ (Mt 5,13).

Es ist allein Christus und seine Gnade, die befähigen, ihn in Wort und Leben klar zu bezeugen. Die uns vor einem Suppensalz-Christentum bewahren, das sich in einer wahrheistslosen Gesellschaft völlig auflöst.

Gottes Wort hat Kraft genug. Wir müssen ihm nicht nachhelfen. Aber wir brauchen den Mut, es zu bezeugen.

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aus: Maleachi-Info 01/2015

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