Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen „Toleranz“

1. Fortsetzung des Beitrags „Was darf (noch) gepredigt werden?“

Der vor wenigen Tagen geschilderten Fall des Bremer Pastors Olaf Latzel und seiner inzwischen sogar von der Staatsanwaltschaft untersuchten Predigt ist kein extremer Einzelfall, sondern Hinweis auf eine in westlichen Ländern rasch um sich greifende neue Diktatur einer intoleranten, neu definierten „Toleranz“. Deshalb geben wir heute und an einigen folgenden Tagen  kommentierende Beiträge wieder, die uns zum Nachdenken anregen sollten.

  1. Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen Toleranz
  2. #Wir sind Olaf
  3. Christen müssen Buddha mögen!?
  4. Christenverfolgung vs. Gottes Liebe gegenüber Muslimen
  5. Friede oder Wahrheit – Was ist der heutigen Christenheit wichtiger?

 

1.  Der Fall Latzel und die Intoleranz der neuen Toleranz*

Kurz nach meinem Abitur im Jahr 2007 begleitete ich meinen Vater für ein Wochenende nach Bremen. Er war von der evangelisch-reformierten St.-Martini-Gemeinde für einige Vorträge und eine Predigt eingeladen worden. Diese Gemeinde ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Sie gehört zum Bremer Teil der evangelischen Landeskirche und trifft sich in einer großen Kirche in der Innenstadt direkt an der Weser. Während die evangelischen Landeskirchen generell dafür bekannt sind, dass ihre Kirchen immer leerer und ihre Theologie immer verwässerter wird, bekennt sich die St.-Martini-Gemeinde mutig zur Wahrheit der gesamten Bibel und stellt das Evangelium ins Zentrum ihres Gemeindelebens.

Als ich damals im Gottesdienst saß, war ich beeindruckt, dass um die 300 Leute eine alte Kirche zum Gottesdienst besuchten, darunter auch viele junge Leute. Die Gemeinde selbst steckte damals in einem Umbruch. Der damalige Pastor stand kurz vor

dem Ruhestand, der neue Pastor war gerade gefunden worden. Sein Name ist Olaf Latzel. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Leute aus der Gemeinde viel über den Pastorenwechsel sprachen. Seitdem hatte ich Pastor Latzel und auch die Gemeinde weitgehend aus den Augen verloren. Irgendwann las ich dann irgendwo, dass ihn die BILD-Zeitung einmal als „Macho-Pastor“ bezeichnete, weil er der Auffassung ist, dass von der Bibel her nur Männer Pastoren werden sollen. Aber ansonsten hatte ich nie wieder bewusst etwas von ihm gehört – bis vorgestern.

Eine Predigt, die einschlägt…

Seit vorgestern ist der Bremer Pastor nämlich in zahlreichen Medien vertreten – wegen einer Predigt, die er zehn Tage zuvor in seiner Gemeinde gehalten hatte. Grundlage der Predigt war die Geschichte des Richters Gideon, der den Auftrag hatte, den Götzenaltar seines Vaters zu zerstören und das auch tat (Richter 6,25-32). Diese Götzenvernichtung Gideons bezog der Pfarrer in seiner Predigt (man kann sie hier nachhören) auf unsere heutige Zeit. Er forderte von den Christen eine klare Abgrenzung zu allen falschen Religionen, die dem biblischen Evangelium widersprechen. Genau wie Gideon seien Christen heute dazu aufgerufen, sich klar zum wahren Gott der Bibel zu halten und alle anderen Götter zu meiden. Kurz zusammengefasst ist die Aussage seiner Predigt: Alle Religionen außer das biblische Christentum sind falsch. Deswegen kann es mit ihnen keine religiöse Gemeinschaft geben (beispielsweise in Form von gemeinsamen Gebeten).

Für die Bremer Öffentlichkeit war das zu viel. Die Bremische Evangelische Kirche distanzierte sich von Pastor Latzel unmissverständlich. Die Partei „die Linke“ freute sich über den „Beweis“, dass es auch bei den Christen ganz schlimme Fundamentalisten gibt. Der Oberbürgermeister sah den sozialen Frieden der Stadt gefährdet und die Medien verglichen den Pfarrer mit dem islamischen Hassprediger Pierre Vogel (siehe hier). Die entscheidende Frage ist:

Warum versetzt eine Predigt, in der ein Pastor die Bibel auslegt, eine halbe Großstadt in Aufruhr?

Die alte und die neue Toleranz

Die Antwort liegt in dem Konzept begründet, was man als Toleranz bezeichnet. Seit der Aufklärung, also seit etwa 300 Jahren, ist die Forderung nach Toleranz eines der höchsten ‚Gebote‘ unserer westlichen Gesellschaft. Seit dieser Zeit gibt es in Europa immer mehr Religionen und Weltanschauungen, die alle nebeneinander existieren und miteinander klarkommen müssen. Dies sei nur möglich, indem wir uns

gegenseitig dulden (lateinisch: tolerare). So forderte es beispielsweise der Engländer John Locke Ende des 17. Jahrhunderts und prägte damit unser Denken. Nach dieser Sichtweise kann es sein, dass ich eine Meinung habe, und du die gegensätzliche. Toleranz bedeutet nun, dass ich zwar sage: „Ich habe recht und du liegst falsch“. Trotzdem respektiere ich dich und gestehe dir das Recht zu, deine Meinung frei zu äußern. Für mehr als zwei Jahrhunderte war das das allgemein akzeptierte Verständnis der Toleranz.

Seit einigen Jahrzehnten wird dieses Verständnis der Toleranz langsam aber sicher von einem anderen Verständnis verdrängt. Diese neue Sichtweise argumentiert so: „Ich habe eine Meinung, du hast vielleicht eine andere. Ich bin nur dann tolerant, wenn ich dich mit deiner Meinung fördere und unterstütze, selbst wenn ich sie nicht teile.“ Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieser neue Toleranzbegriff nur geringfügig vom alten, aber die Verschiebung hat große Auswirkungen. In seiner umstrittenen Predigt gibt Pastor Latzel selbst ein Beispiel dafür, wie die neue Toleranz funktioniert. Er berichtet, dass es im Gebiet seiner früheren Gemeinde evangelische Landeskirchen gebe, die Geld für die Moschee im Ort gesammelt hätten. Akzeptiert man nun die Existenz der Moschee, wehrt sich aber gegen den Gedanken, für diese Moschee zu spenden, dann ist man nach der alten Definition der Toleranz tolerant, nach der neuen Definition intolerant.

Mit der alten Definition der Toleranz können Christen gut leben. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter, als einfach nur tolerant zu sein. Christen sollen Andersdenkende nicht einfach dulden. Sie sollen sie sogar lieben, selbst wenn die anderen Feinde sind (Matthäus 5,43-48). Die neue Toleranz können Christen auf der anderen Seite nicht akzeptieren. Denn die neue Toleranz sagt: „Keine Religion darf einen absoluten Wahrheitsanspruch haben.“ Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Johannes 14,6) Die neue Toleranz sagt: „Keine Religion darf sagen, dass sie der einzige Weg zu Gott und der einzige Ausweg aus den Problemen des Lebens ist.“ Die Bibel sagt: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Johannes 3,36)

Aus der Perspektive der neuen Toleranz sind bekennende Christen intolerant. Die Ironie ist: Die neue Toleranz ist ebenso intolerant gegenüber bekennenden Christen. Und damit wären wir beim Problem der Predigt von Pastor Latzel. Für die Bremer Öffentlichkeit hat er zu laut und zu deutlich gesagt, was in der Bibel steht. Dafür wird er jetzt kritisiert und als „Hassprediger“ abgestempelt. Man kann daran gut erkennen, wie sehr viele Politiker, Medien und Kirchenvertreter den neuen Toleranzbegriff verinnerlicht haben. Gleichzeitig freue ich mich über Latzels Mut, sich auch in den Medien klar zu seiner Predigt zu bekennen.

Und weiter?

Was heißt das jetzt für uns, die wir nicht direkt mit diesen Ereignissen zu tun haben? Als landeskirchlicher Pfarrer steht Olaf Latzel ganz anders in der Öffentlichkeit als die Freikirchen. Und genau das macht die Sache so erschreckend. Warum hat deine oder meine Gemeinde so etwas noch nicht erlebt? Möglicherweise nur aus einem einzigen Grund: weil deine Gemeinde einfach unbekannter ist. Oder – was noch schlimmer wäre – hat sie vielleicht schon längst aufgehört, das Wort Gottes so klar zu predigen – sei es aus Anpassung an den Zeitgeist oder aus Angst vor Widerstand?

Ich will kein übertriebener Pessimist oder Schwarzmaler sein. Aber als Christen müssen wir uns darauf einstellen, dass mit der Verbreitung der neuen Toleranz auch der Widerstand gegen uns wächst, so lange kein deutliches Umdenken in unserer Gesellschaft stattfindet. Ich denke es gibt von daher fünf Dinge, die wir aus den Ereignissen in Bremen mitnehmen sollten:

  • Lasst uns mit aller Entschiedenheit daran festhalten, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist (Johannes 14,6)
  • Lasst uns Gott bitten, dass er noch einmal ein Umdenken, eine Reformation in Deutschland schenkt.
  • Lasst uns verstehen, dass Widerstand gegen Christen das Normale ist. Paulus schreibt im zweiten Timotheusbrief 3,12: „Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“
  • Lasst uns für Pastor Latzel und seine Gemeinde beten, dass sie den Mut nicht verlieren, sich klar zu Gott und seinem Wort zu bekennen.
  • Und lasst uns fest glauben, was uns Jesus in Matthäus 5,11-12 verspricht: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch reden um meinetwillen! Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“

PS.: Wer sich für das Thema „Toleranz“ weiter interessiert, dem kann ich folgende Bücher empfehlen:

  • D.A. Carson: Die intolerante Toleranz, Waldems 2014, zu bestellen hier.
  • Josh McDowell & Bob Hostetler: Die neue Toleranz, Bielefeld 2001, zu bestellen hier.

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* Rebloged von:  Josia – Truth for Youth, 30.01.2015

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