Was glauben wir eigentlich? (1)

Was uns das Wort Gottes lehrt – Glaubensüberzeugungen und zentrale Anliegen einer örtlichen Gemeinde – Ein Beispiel


Helmi Berkah

Unser beginnendes 21. Jahrhundert ist gekennzeichnet von theologischen, philosophischen und politischen Überzeugungen und Lehren, die immer mehr dem ursprünglichen Verständnis der Heiligen Schrift – der Bibel – widersprechen, darüber hinaus aber auch die von Gott in der Bibel geoffenbarten Wahrheiten, Werte und Prinzipien gezielt zu zerstören suchen. Mehr und mehr weichen so feste Glaubensüberzeugungen einer tolerant-weltoffenen Beliebigkeit. Von dem „ein für allemal“ den Heiligen überlieferte Glaubensgut (Judas 3), für das wir kämpfen sollen bleibt immer weniger übrig. Und immerw eniger Gemeindeglieder wissen, was sie als anvertrautes Glaubensgut festhalten (2Tim 1:14) und verkündigen  (2Tim 4:2) sollen.

Verantwortung der Hirten und Führer jeder örtlichen Gemeinde

Die Hirten (Älteste, Leiter, Pastoren) einer jeden örtlichen Gemeinde müssen sich daher ihrer Verantwortung bewusst sein. Sie müssen die grundlegenden Wahrheiten und Anliegen, die in dieser Gemeinde geglaubt, gelehrt und – natürlich unvollkommen – gelebt werden sollen, allen klar machen und lehren . Sie haben die Verantwortung, als Hirten den Schafen vorauszugehen und ihnen vom Wort her klare Wege und Grenzen aufzuzeigen, die in ihrer örtlichen Gemeinde als verbindlich angesehen werden.

Eine örtliche Herde muss wissen, was in ihrer Mitte geglaubt wird und was diese „Herde“ von manch anderen unterscheidet. Sie muss wissen, von welchen Aussagen, Lehren, Meinungen und Entwicklungen sich ihre Hirten distanzieren, weil sie überzeugt sind, dass sie nicht mit den Aussagen des offenbarten Wortes Gottes, der Bibel, vereinbar sind.

Zum anderen sollen die Gemeindeglieder damit aber auch herausgefordert werden, in einer Zeit theologischer, geistlicher und gesellschaftlicher Verwirrung und Beliebigkeit selbst eine feste biblische Überzeugung und Lehrgrundlage zu gewinnen, zu vertreten und im Alltag zu leben. Und nötigenfalls – nämlich wenn eines der Glieder nicht mit den offziellen Lehren übereinstimmen will, sich eine andere „Herde“ zu suchen, die andere Überzeugungen hat.

Nur so kann vermieden werden, dass in einer örtlichen Gemeinde ständig Unklarheit über gewisse Dinge und in der Folge oft beständige sturköpfische Streitigkeiten an der Tagesordnung sind.

Aus ersichtlichen praktischen Gründen sollten diese Grundlagen bzw. Grundlinien des biblischen Verständnisses natürlich schriftlich niedergelegt sein. „Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen.“ (1Kor 14:33)

Grundlegende, zweitrangige und unwesentlichere Dinge

Wie unterscheiden wir aber zwischen grundlegenden, wichtigen und nebensächlichen Dingen? Dazu hat uns William MacDonald eine gute Dreiteilung gegeben:(1)

1. Grundlegendes

Es gibt Lehren des christlichen Glaubens, die absolut grundlegend sind. Über diese Punkte kann es keinerlei Diskussion geben. Wir sind aufgerufen, ernsthaft für sie zu kämpfen. Mit denen, die solche Wahrheiten leugnen, können wir keine Gemeinschaft haben. Hierzu zählen insbesondere:

  • Inspiration, Irrtumslosigkeit und Genüge der Schrift – die Bibel ist das abgeschlossene Wort Gottes.
  • Dreieinigkeit Gottes – Der eine Gott exisitiert in drei Personen.
  • Gottheit Jesu Christi – Der Herr Jesus ist Gott.
  • Menschwerdung Jesu Christi – Jesus ist auch vollkommener Mensch.
  • Stellvertretender Tod am Kreuz, Grablegung, wörtliche Auferstehung und Himmelfahrt.
  • Das Evangelium – Errettung aus freier Gnade Gottes, durch Glauben und ohne jegliche eigene Werke des Menschen.
  • Die Wiederkunft Christi.
  • Ewige Verdammnis der Nichterretteten.

 2. Wichtig – obwohl nicht grundlegend

Es gibt viele Dinge in der Schrift, die zwar nicht heilsnotwenig sind, die aber dennoch in der Bibel gelehrt werden. Manche werden gar als „Wille Gottes“ oder als „Gebot Gottes“ bezeichnet. Obwohl sie im Wort Gottes gelehrt werden und obwohl es da nur eine richtige Auslegung geben kann, sind sich die Gläubigen auf dieser Erde nicht einig darüber. Selbst große Gottesmänner vertreten in diesen Dingen unterschiedliche Ansichten. Hierzu zählen vorallem:

  • Taufe
  • Ehescheidung und Wiederheirat
  • Chronologie der zukünftigen Dinge
  • Dienste der Frauen
  • Kopfbedeckug von Männern und Frauen
  • Zeichengaben
  • Freie Gnade und freier Wille
  • Anbetung, Musik und Gottesdienst

Hinsichtlich dieser Fragen, die wichtig, aber nicht grundlegend sind, muss eine Gemeinde unter ihren Hirten und Führern eine klar zum Ausdruck gebrachte Stellung beziehen. Das sind die Leiter sowohl ihren „Schafen“, als auch dem Herrn als Autoren der Schrift schuldig.

Dies sollte nach sorgfältigem Studium der Schrift, vielem Nachdenken, ernsthaftem Gebet und mit dem Wunsch geschehen, so eng wie möglich mit dem Wort Gottes übereinzustimmen.

Gemeindeglieder, die sich – aus berechtigten oder unberechtigten Gründen – nicht unter diese Lehraussagen einer örtlichen Gemeinde beugen wollen, sollten die Gemeinde verlassen und sich eine andere nach ihren Überzeugungen suchen. Das muss jedoch immer ohne Vorwurf, ohne Streit und Zank und ohne Unfrieden zu stiften geschehen. Ebenso dürfen solche Geschwister niemals versuchen, andere in der Gemeidne von ihrer abweichenden Meinung zu überzeugen oder gar mit sich zu ziehen.

Probleme beginnen dort, wo einer seine Auslegung zur allein gültigen machen will oder er ein Thema betont, als wäre es die einzige Lehre in der Bibel. Solche Spalterei wäre nicht nur eine offensichtliche „Frucht des Fleisches“ (Gal 5:20). Geschwister, die so etwas tun, müssen öffentlich zurechtgewiesen und notfalls aus der Gemeinde „abgewiesen“ werden, „da du weißt, dass ein solcher [Mensch] verkehrt ist und sündigt, wobei er durch sich selbst verurteilt ist.“  (Tit 3:10-11).

 3. Unwesentlichere Dinge

Zusätzlich zur ersten Gruppe von Wahrheiten (grundlegende) und zur zweiten (wichtig, weil es die Schrift lehrt) gibt es die dritte Gruppe, die klar als unwesentlicher bezeichnet  erden kann. Bei diesen Angelegenheiten wird es wohl immer unterschiedliche ansichten geben – es muss aber die Freiheit geben, verschiedene Ansichten zu haben, ohne dadurch Streit, Trennung oder Unfrieden hervorzurufen.

Unter diese Gruppe fallen Dinge, über die das NT nichts spezifisches sagt, die aber in der Meinung vieler Leute wichtige prinzipien berühren, z.B.:

  • Wein oder Traubensaft zum Herrenmahl
  • Ein Becher oder viele kleine „Stamperln“ für Wein/Saft
  • Beschaffenheit des Brotes
  • Versammlungszeiten
  • Sitzordnung
  • Weihnachtsfeier; Wehnachtsbaum oder nicht?
  • Kleiderordnung für den Prediger
  • etc. etc.

Wir können in Gemeinschaft miteinander sein ohne in solchen Dingen völlig übereinzustimmen. Wo Liebe, Zerbrochenheit, Demut, Gebet, Geduld und Nachsicht herrschen, da können solche Unterschiede freundschaftlich gelöst werden. Gläubige können verschiedene Meinungen haben ohne schlecht miteinander umzugehen.

In allen Dingen…

In all diesen Dingen aller drei Kategorien sollte eine örtliche Gemeinde bzw. deren Hirten- und Leiterschaft einen klaren Standpunkt einnehmen. Wo sie solches versäumen wird Verwirrung und Unfrieden die Folge sein.

Wenn eine Führerschaft nach vielem Studieren, Beten, Überdenken und Warten auf Gott eine Stellung bezieht, wird dies in gewisser weise vom Himmel bestätigt werden, vorausgesetzt es werden keine ausdrücklichen Prinzipien oder Befehle der Schrift verletzt.

Das heisst natürlich nicht, dass nicht einige Geschwister unzufrieden mit den Entscheidungen sind und die Gemeinde vielleicht verlassen werden. Dies liegt in deren Freiheit und Verantwortung. Wenn eine Person denkt, ihr Bleiben in der Gemeinde würde  (a) Untreue dem Herrn gegenüber bedeuten oder  (b) durch ihre mangelnde Unterordnung den Frieden der Gemeinde stören, dann kann ein Gehen von Geschwistern angebracht sein. Aber auch dann gilt: Alles geschehe in Liebe und Frieden.

Was uns das Wort Gottes lehrt – Glaubensüberzeugungen unserer örtlichen Gemeinde

In den folgenden (deutschsprachigen) Ausgaben dieses Blogs wollen wir daher eineZusammenstellung von wichtigen Glaubensinhalten einer örtlichen Gemeinde vorstellen. Wir haben dazu die schriftlich formulierten Glaubensgrundlagen verschiedener örtlicher Gemeinden als Anregung und Vorlage genutzt. (2)

Diese Darlegung soll dazu dienen, aufzuzeigen, was das besondere „unserer“ kleinen örtlichen Gemeinschaft von Christen sein kann. Interessierten oder Suchenden soll es so leichter gemacht werden, zu entscheiden, ob sie mit unseren aus der Heiligen Schrift gewonnen Glaubensüberzeugungen übereinstimmen und sich unterordnen können, oder ob ihnen das nicht möglich ist und sie sich deshalb besser einer anderen örtlichen Gemeinde mit anderen Schwerpunkten oder Schriftauslegungen anschließen sollten.

Eine solche Darlegung soll jedoch keinesfalls ein formales Glaubensbekenntnis sein, weil alle menschlichen Feststellungen der Wahrheit immer weit hinter der Heiligen Schrift zurückbleiben. Wie jede Darstellung von Glaubensgrundlagen kann auch die vorliegende nur ein menschlicher Versuch sein, die Kernaussagen der unfehlbaren göttlichen Offenbarung der Heiligen Schrift zusammenzufassen und daraus praktische Anwendungen abzuleiten. Niemals darf eine solche Darlegung aber den Stellenwert des allein unfehlbaren Wortes Gottes selbst einnehmen. Und niemals kann sie den Anspruch auf Vollständigkeit und völlige Ausgewogenheit erheben – wohl aber auf biblische Richtigkeit und Klarheit.

Die in den Fußnoten angegebenen Versangaben zur Bibel sind daher auch nicht umfassend. Sie sind lediglich als stellvertretende Hinweise zum eigenen vertiefenden Bibelstudium unter Beachtung des Zusammenhangs sowie von weiteren Aussagen zum selben Thema gedacht und sollen dazu motivieren.

In ihrer Verantwortung unternehmen die Hirten der Gemeinde damit den Versuch, die Grundlagen dessen schriftlich festzuhalten, was in ihrer örtlichen Gemeinde geglaubt und gelehrt wird. Das geschieht jedoch einerseits im Bewusstsein, dass die Hirten fehlbar sind, ihre Erkenntnis „Stückwerk“ (1Kor. 13:9.12) ist und sie daher weiter wachsen wollen in der Erkenntnis der Bibel als dem unfehlbaren Wort Gottes und unserer alleinigen und höchsten Norm für unseren Glauben und unser Leben.

Andererseits erfolgt dies aber auch im Bewusstsein, dass Gott Sein Wort – die Bibel – in verständlicher und genügender Weise geoffenbart hat und seine zentrale Botschaft klar verständlich ist. Somit ist jeder Mensch unserem Herrn gegenüber voll verantwortlich; jede Abweichung von den zentralen Lehren des Evangeliums hat die drastischsten Konsequenzen zur Folge (Gal. 1:8-10).

„Das glauben und lehren wir. So haben wir es bis jetzt aus der Heiligen Schrift erkannt und gelernt.“ Mit der Abfassung dieser Zusammenstellung unterwerfen wir uns daher unter Gottes geoffenbartes Wort und folgen Seinem Auftrag, für „das Glaubensgut zu kämpfen,“ das „den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist (Jud 3).

–> Fortsetzung:  1. Die Heilige Schrift

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  1. MacDonald, Fundamentals and Secondary Issues (http://www.plymouthbrethren.orgarticle/2634)
  2. Unter anderem dienten die Glaubensgrundlagen folgender Gemeinden als Anregung zum Studium und als Formulierungshilfe:

> Überblick über die gesamte Serie HIER <

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