Doppeldeutigkeit – Christliche Transformation der Gesellschaft

Dr. Martin Erdmann

Es ist in einem gewissen Sinn erstaunlich, dass sich die gleichen oder zumindest sehr ähnlichen theologischen („geistlich“ ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, denn von wirklicher Geistlichkeit im Sinne biblischer Heiligung ist hier nichts zu sehen; eher gerade das Gegenteil) Entwicklungen in Amerika, Deutschland, Namibia, England, Australien, Kanada, Schweiz, etc. abspielen. In einem anderen Sinn sind sie natürlich nur die folgerichtigen Erscheinungsformen in den jeweiligen nationalen Kontexten einer einzigen spirituellen – synkretistischen (denn wir haben es mit dem Einfluss einer anderen, nicht-christlichen Religion zu tun) – Denkweise und Bewegung, die sich in den evangelikalen Gemeinden und theologischen Ausbildungsstätten festgesetzt hat und von dort aus weiterverbreitet wird.

Ein mir nur vom Namen her bekannter deutscher Missionar, der in einem afrikanischen Land an einer theologischen Hochschule Theologie unterrichtet, schrieb mir heute folgende Nachricht. Ich las sein Essay durch – er wünscht nicht, dass ich es weiterleite – und stimme mit seiner Einschätzung (Ablehnung) des „Gospels of Holism and Transformation“ völlig überein. Er zitiert aus einem veröffentlichten Aufsatz von Tobias Faix als Beispiel der Sicht eines Befürworters der Transformation, die er grundsätzlich ablehnt, weil sie nicht biblisch ist.

Ich gebe ihm auch in seiner Beurteilung der Vorgehensweise der Befürworter der Transformation Recht (siehe unten). Genauso ist es und wird es gemacht.

Wie das konkret gerade in Deutschland getan wird, kann exemplarisch am Besten an der Initiative „Zeit zum Ausstehen“ illustriert werden.

www.zeit-zum-aufstehen.de

http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/die-bibel-ist-immer-aktueller-als-der-zeitgeist-1103.html

Wenn man nicht genau liest, welche wirklichen Inhalte in den Thesen vermittelt werden, wie sie zu verstehen sind, und vor allem wer sie formulierte und befürwortet, ist es leicht, die eigenen christlichen Ideale darin zu sehen. Das ist aber eine grosse Täuschung. Michael Diener, einer der Hauptinitiatoren, ist in seinen beiden Ämtern als Präses des pietistischen Gnadauer Verbands und als Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz auch einer der eifrigsten und einflussreichsten Befürworter der Transformations-Theologie (er stellte sich in ganz besonderer Weise gegen den Tübinger Pfingstaufrufs im vergangenen Jahr). In einer IDEA Mitteilung (siehe URL oben) wird er wie folgt zitiert:

„Er erinnerte daran, dass auch der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München) eine „geistliche Erneuerung“ der Kirche gefordert habe. Dies gelte auch für die Freikirchen, so Diener.“

Was versteht der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm aber unter einer „geistlichen Erneuerung“ der Kirche? Und warum ist diese Aussage eines durch und durch liberalen lutherischen Landesbischof für Diener so wichtig, ja geradezu vorbildhaft und wegweisend? Ich weiß es nicht. Vielleicht gibt uns Diener darüber noch nähere Auskünfte in der Zukunft. Wenn man sich aber die Wikipedia-Seite von Bedford-Strohm ansieht, bekommt man zumindest einen deutlichen Eindruck wie der bayerische Landesbischof sich religiös und sozialpolitisch positioniert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Bedford-Strohm

Angesichts vieler Herausforderungen im Alltag des Lebens bedeutet Christsein, so Heinrich Bedford-Strohm, die Chance zu einem “andere(n) Weg zum Glück“.[22] [23]

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit Bedford-Strohms sind Ökumenische Theologie, Ekklesiologie, Bio-, Friedens– und Wirtschaftsethik, Sozialstaat und Gerechtigkeitstheorien, Schöpfungsethik, christlicher Glaube und moderne Gesellschaft. An seinem Bamberger Lehrstuhl entstand die Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle für Öffentliche Theologie,[6] die sich mit der Reflexion von Fragen öffentlicher Relevanz im Lichte theologischer Traditionen befasst.[7]

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Wenn man sich die Interessen Bedford-Strohms näher ansieht, ist es kein Wunder, dass Diener in ihm einen Gesinnungsgenossen was die Transformations-Theologie anbelangt sieht. Die Evangelikalen stehen noch ziemlich in den Kinderschuhen im Vergleich zu einigen liberalen Theologen und Kirchenfunktionären, was die Verwirklichung des Transformations-Ideals anbelangt. Aber mir scheint, sie sind eifrig am Lernen und Imitieren.

Lieben Gruss,

Martin

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Lieber Herr Dr. Erdmann,

Aufgrund meiner eigenen Beobachtungen her komme ich mehr und mehr zu dem Schluss, dass einige Befürworter der Transformationstheologie, Emerging Church, NPP, Open Theism  etc. bewusst mit Worten spielen. Man ist gegen die Transformationstheologie aber für eine missionale Theologie – dabei sind doch beide im Grunde deckungsgleich. Man drückt sich bewusst doppeldeutig aus. Wenn man dann konkret auf einige Punkte angesprochen wird, heißt es „Nein, dass missverstehst Du aber jetzt. Das habe ich nie so gesagt.“ Diese Doppeldeutigkeit hat den Vorteil, dass man die Frommen im evangelikalen Lager ruhig halten kann, während man gleichzeitig zum Ausdruck bringt, was man wirklich glaubt (dass man z.B. die Befreiungstheologie Moltmanns übernommen hat und die NPP von Wright u.a. auch voll unterstützt). Das Ganze wird dann, wenn konkret darauf angesprochen, mit dem Gebot der wissenschaftlichen Offenheit und Toleranz begründet.

Ich hoffe, dass es Ihnen gesundheitlich schon besser geht. Ich werde Sie in meiner Fürbitte mit einschließen.

Mit herzlichen Grüße aus [afrikanischer Staat]

Ihr

[Name des Theologieprofessors]

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Re-Blogged von (c):  Verax – Institut, Dr. Martin Erdmann

Siehe dazu auch folgene Beiträge:

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