Das Königreich Gottes und das zweite Kommen Jesu

Anmerkungen anlässlich Brian MacLarens* Buches Jihad Jesus und das zweite Kommen. MacLaren* ist Leitfigur in der postmodernen „emergenten“ Gemeindebewegung und Vordenker post-evangelikalen Gedankenguts.


 Larry DeBruyn

Bald aber nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Geschlechter der Erde an die Brust schlagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Matthäus 24,29-30

In den vergangenen Jahren haben christliche Denker ein Sammelsurium von Vorstellungen und Theorien über Jesus hervorgebracht, und so stellt sich die Frage: Welcher Jesus ist der wahre Jesus? Wenn man auf diejenigen hört, die einen anderen Jesus verkünden, entsteht der Eindruck, als habe niemand Jesus wirklich verstanden, nicht einmal der Apostel Paulus. Für einige ist Jesus ein weißer Kaukasier, und für andere ist er ein Schwarzafrikaner. Für die einen war er ein Revolutionär, für andere ein Pazifist. Für einige ist er ein Prophet, während er für andere ein Gnostiker ist. Vom Lehrer bis zum Magier kann Jesus scheinbar für andere zu allem werden – ein Mann für jedes Anliegen. Wenn wir ihn aufrichtig „suchen“, dann können wir den authentischen Jesus entdecken, so die Meinung. Die neuen Jesusbilder machen es allerdings erforderlich, dass verschiedene Teile der Bibel auf der einen Seite bestätigt und auf der anderen Seite verneint werden müssen. Aber bei dieser ganzen Suche nach einem neuen Jesus kann der Gläubige sich in dem Wissen trösten, dass Kontroversen um die Identität Jesu nichts Neues ist (siehe Mt 16,13-20).

Ein christlicher Führer, der einen „nicht gewalttätigen Jesus der Evangelien“ (den Jesus der „Liebe und Gnade“) lehrt, demaskiert das, was er als den „Jihad Jesus“ (jihadist Jesus) des „zweiten Kommens“ (den Jesus der „Gewalt und der Herrschaftsansprüche“) betrachtet.

Laut Brian McLaren muss man die Vorstellungen des „Jesus des zweiten Kommens“ überdenken – eine Lehre, die einst unter allen Evangelikalen als eine der fünf Fundamente des christlichen Glaubens akzeptiert war.(1)

McLaren vertritt die Ansicht, dass die ganze Natur ein „heiliges Ökosystem Gottes ist, welches das Reich Gottes darstellt“,(2) und offensichtlich betrachtet er das zweite Kommen Christi als eine Zwangsherrschaft über die Ordnung/Unordnung der Natur. Tatsächlich verbindet er diese Vorstellung mit einer falschen Religion, die von „Verzerrungen, Unordnung und Verfall“ charakterisiert ist.(3)

Weil die Eschatologie (Lehre der Endzeit) des zweiten Kommens die Hoffnung schafft, dass der Messias unsere Umwelt bei seiner Wiederkunft erneuern wird (siehe Jes 65,17; 66,22; 2Petr 3,13), fördert eine solche Hoffnung laut McLaren Gleichgültigkeit gegenüber der Natur und begünstigt folglich die gegenwärtige ökologische Krise. Schließlich, wenn Jesus wiederkommt, um uns von diesem ökologischen Schlamassel zu befreien, was sollte uns dies noch kümmern? Tatsächlich könnten die Leute den Planeten noch mehr verschmutzen, damit es zu einer Eskalation des Eschatons (Griechisch für das Ende aller Dinge oder das Weltende) kommt, damit Jesus um so schneller wiederkommt. Eine solch verrückte Argumentation widerspricht indessen der Verantwortung des Menschen gegenüber seiner Umwelt, wie Gott sie ihm anvertraute (1Mo 1,24-31).

Jemandem die Schuld für die Umweltkrise in die Schuhe zu schieben, ist viel einfacher als das Problem zu lösen. Sollen wir aus globaler Sicht wirklich denken, dass der Glaube an den Jesus des zweiten Kommens, der von „dubiosen Interpretationen der Offenbarung des Johannes vergiftet“(4) ist, tatsächlich für die ökologische Krise der Welt verantwortlich ist? Ist es wirklich glaubwürdig, wenn man die Ansicht vertritt, der Glaube an den „Jesus des zweiten Kommens“ sei die Ursache für die Verschmutzung des Ganges oder die giftigen Abfälle in Sibirien oder in Nevada? Alle Verantwortung für die ökologische Krise, in welcher wir uns befinden, hat aus meiner Sicht mehr mit der menschlichen Verderbtheit zu tun – die systematische Verdorbenheit des menschlichen Herzens, die die Ausbeutung der wunderbaren Schöpfung Gottes verursacht, als mit dem Glauben an das zweite Kommen Christi, der global gesehen eine unbedeutende Vorstellung darstellt, weil die Mehrheit der Menschen diesbezüglich entweder unwissend oder gleichgültig ist. McLarens Argument ist zu dünn.

Doch was lehrt dieselbe Bibel, auf die sich McLaren oft bezieht, im Lichte des Neuen Testaments über das zweite Kommen Christi?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir begreifen, was das Neue Testament unter dem zweiten Kommen Christi, unter der Haltung der Nationen gegenüber dem Reich des Herrn und unter der Rolle versteht, welche die Kriegsführung bei der Errichtung seines Königreiches unter den antiken Nationen spielte.

 Die Bedeutung des zweiten Kommens

Brian McLaren schreibt:

„Der Ausdruck ‚das zweite Kommen Christi‘ erscheint nirgends in der Bibel. Ganz gleich, ob die Lehre, auf die sich dieser Ausdruck bezieht, ein Überdenken wert ist oder nicht, muss diese Lehre sicherlich als ein populärer Missbrauch bezeichnet und verworfen werden.“(5)

Abgesehen von der Tatsache, dass das Wort „Trinität“ in der Bibel nicht erscheint – der Glaube an die Lehre der Trinität wird aus den geoffenbarten Worten der Heiligen Schrift abgeleitet -, sollen wir denken, dass der Glaube an das zweite Kommen Christi unbiblisch ist, wie McLaren behauptet?

Wenn die Lehre über das zweite Kommen Christi an die Theorie angepasst werden müsste, wenn das Ökosystem der Erde das „Reich Gottes“ ist, dann könnte man McLaren zustimmen. Jeglicher Futurismus, der nicht im Zusammenhang mit der sichtbaren Ordnung aller Dinge gesehen würde, müsste einer Revision unterzogen werden, die in Übereinstimmung mit McLarens Theorie ist, die „Erde sei das Reich Gottes.“ Wenn dies der Fall wäre, dann ist die Vergangenheit Gegenwart, und die Gegenwart ist Zukunft. Folglich braucht die menschliche Rasse Zeit, und viel davon, um Gottes Reich auf Erden „hervorzubringen“. Das zweite Kommen Christi wäre eine Eingriff in die fortlaufende Evolution und die Entstehung von Gottes „heiligem Ökosystem“. Setzt man die entropischen Gesetze der Thermodynamik (Entropie: Größe in der Thermodynamik) als wahr voraus, was sie sind, ist es jedoch Tatsache, dass der Verfall der Erde früher oder später an einen kritischen Punkt gelangen wird und um des Überlebens willen unbedingt eine Intervention erforderlich macht, die von außerhalb des „Systems“ kommt. Eines Tages wird die Sonne nicht mehr scheinen und unser Solarsystem wird erkalten und tot sein. Oder, in ferner Zukunft, wenn die Gravitation erloschen ist, wirkt die „Kraft“ entgegengesetzt, und was einst der „Big Bang“ war, wird in einem „Big Crunch“ (crunch: Krise) enden. Erde an Gott: Wir brauchen deine Hilfe!

Drei Worte

Die Schrift zeigt uns, dass Hilfe unterwegs ist. Jakobus ermutigt die Gläubigen: „So wartet nun geduldig, ihr Brüder, bis zur Wiederkunft (parousia) des Herrn!“ (Jak 5,7). Paulus nennt es „die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung (epiphaneia) der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus“ (Tit 2,13). Er schreibt ferner den Korinthern, dass sie „die Offenbarung (apokalypsis) unseres Herrn Jesus Christus erwarten“ sollen (1Kor 1,7). In diesen Schriftstellen wird die Wiederkunft Christi mit drei Worten beschrieben: „Wiederkunft, Erscheinung und Offenbarung.“6 In dieser Reihenfolge bezeichnen diese Worte die zukünftige „Gegenwart, das Hervorbrechen des Licht der Shekinah [Herrlichkeit] und die große Enthüllung [Offenbarung].“ Die apostolische Kirche erlebte die Himmelfahrt Christi (Apg 1,9) und erwartete seine Wiederkunft, was als das zweite Kommen Christi bezeichnet wird. So einfach ist das. Daher stellen wir die Frage: Ist McLarens Behauptung – „Der Ausdruck ‚das zweite Kommen Christi‘ erscheint nirgends in der Bibel“ – korrekt? Gewiss, wie das Wort „Trinität“ erscheint der Ausdruck „das zweite Kommen Christi“ nicht in der Bibel. Nichtsdestotrotz ist das Neue Testament ziemlich eindeutig, was die Bedeutung und Lehre des zweiten Kommens angeht. Zunächst wollen wir uns detaillierter mit der „Parusie Jesu“ (Wiederkunft Jesu) beschäftigen.

Ein Wort

Parousia ist das griechische Wort, das die Gegenwart einer Person zum Ausdruck bringt.(7)  Das Wort bedeutet nicht „geistliche Gegenwart“ (siehe Mt 28,20). Die Parousia-Gegenwart ist physisch. Es handelt sich um eine dreidimensionale „leibliche“ Erfahrung, bei der ein Mensch einen anderen berühren kann! Diese Bedeutung geht aus der Aussage der Feinde des Paulus hervor, die kritisierten, dass „seine Briefe, sagt einer, sind gewichtig und stark, aber die leibliche Gegenwart (parousia) ist schwach und die Rede verachtenswert“ (2Kor 10,10; siehe 1Kor 16,17; Phil 2,12). Matthäus verwendet dieses Wort überdies, als er niederschrieb, wie die Jünger auf dem Ölberg Jesus nach seiner Wiederkunft befragten. Als sie den Tempel des Herodes sahen, fragte die Jünger Jesus: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft (parousia) und des Endes der Weltzeit sein?“ (Mt 24,3). Jesus beantwortete die Frage nach dem Bericht des Matthäus, indem er das griechische Wort parousia verwendete, um seine Gegenwart am Ende der Zeitalter zu beschreiben (Mt 24,27; 24,37; 24,39). Beachten Sie: Der Herr korrigierte seine Jünger nicht, die das Ende des Zeitalters (eschaton) mit seiner Wiederkunft und leiblichen Gegenwart (parousia) verknüpften. Folglich ist ersichtlich, dass die Vorstellung der leiblichen Gegenwart und Wiederkunft Christi im Lichte der Schrift eindeutig ist, auch wenn der Ausdruck „das zweite Kommen Christi“ nirgends auftaucht. McLarens Einwand ist ein Trugbild.

Sollte man die Parusie ernst nehmen?

Indem McLaren seine Theorie, dass das „heilige Ökosystem“ identisch mit dem „Reich Gottes“ ist (er verwendet das Wort „ist“ – das „heilige Ökosystem ist das Reich Gottes“), wird die berechtigte Frage aufgeworfen, die er in seinem Buch stellte: „Was wäre, wenn Jesus nicht der nette Romantiker aus der Bergpredigt ist? Was wäre, wenn er es wirklich ernst meint und ernst genommen werden will?“(8)

Vielen Dank. Ich denke, Jesus wollte, dass seine Nachfolger die Bergpredigt ernst nahmen (Mt 5,1 – 7,8). Aber später in seinem Dienst verkündigte er eine andere Predigt, die Ölbergrede (Mt 24,4 – 25,46). Anknüpfend an McLarens Frage, was wäre, wenn Jesus auf dem Ölberg nicht geheimnisvoll und esoterisch predigte? Was wäre, wenn er sich ganz klar ausgedrückt hat und wörtlich genommen werden will, was seine zweite Wiederkunft angeht und von seinen Jüngern will, dass sie dies ernst nehmen?

Der Apostel Petrus nahm das zweite Kommen Christi ernst. Tatsächlich nannte er diejenigen, die Zweifel an der Wiederkunft Christi hatten, sogar „Spötter“. Er schrieb:

„Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass am Ende der Tage Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist!“  (2Petrus 3,3-4)

In Bezug auf die Spötter merkte ein Gelehrter an: “Ihr Spott schien sich gegen die Verzögerung der Wiederkunft zu richten, und folglich gegen die Eschatologie der Kirche im Allgemeinen.“(9)

Die Worte des Petrus zeigen, dass die Ideologie, welche die Spötter über die Parusie spotten lässt, offenkundig ist; d. h., „alles bleibt so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist.“ Hat diese Aussage des Petrus eine Ähnlichkeit mit der Vorstellung, dass die Natur ein fortlaufendes „heiliges Ökosystem Gottes ist, welches das Reich Gottes ist“? Wenn die Natur das „Reich Gottes“ ist, dann bedarf es keines zweiten Kommens, um Gottes Reich auf Erden zu errichten. Wenn die Natur „Gottes Reich“ ist, warum sollten wir beten: „Vater, dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“ (Mt 6,10)? Warum sollten wir um das Kommen des Reiches beten, wenn es in Form eines „heiligen Ökosystems“ bereits vorhanden ist? Das Chaos der Natur ist das entstehende Fraktal (emerging fractal) des Himmels.(10)  Wie oben, so unten… [dies ist ein Ausdruck des New Age, das von einer spirituellen Evolution ausgeht]

Indem McLaren den Vorschlag unterbreitet, die Lehre des zweiten Kommens Christi zu überdenken, kommt er in einer abwertenden Weise zu dem Schluss, dass die Lehre der Parusie Christi von „dubiosen Interpretationen der Offenbarung des Johannes vergiftet“ ist, sie ist aus seiner Sicht „ignorant und falsch… gefährlich und unmoralisch.“(11)  Ich muss einräumen, dass eine Reihe von Personen das Studium der biblischen Prophetie in unausgewogenen Exzessen betrieben hat. Es wurden Fehler gemacht. Aber müssen wir deshalb eine zentrale Lehre der Eschatologie, das Fundament der Parusie Jesu, als so abwegig betrachten, dass wir sie überdenken müssen? Ist die Schrift nicht eindeutig in Bezug auf diese Lehre? Ich gehe davon aus, dass diese Lehre nur dann neu beleuchtet werden muss, wenn das „Reich Gottes“ mit dem gegenwärtigen „heiligen Ökosystem“ identisch ist. Wenn dies tatsächlich der Fall wäre, dann bräuchte es kein zukünftiges Reich Gottes. Die Natur braucht und will wahrscheinlich keine Gnade. Aber trotz einer solchen Theorie und auf der Grundlage der Realität der Entropie wird es früher oder später dazu kommen, dass diese Schöpfung das Eingreifen ihres Schöpfers bedarf.

Die Haltung der Nationen gegenüber dem Gesalbten des Herrn

Die Bibel zeigt, dass die Intelligenzija der Welt – die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Personen, die etwas bewegen – ständig Strategien und Pläne entwerfen, wie sie ein Reich bauen können ohne den Gesalbten des Herrn. Wie der Psalmist sagt:

„Warum toben die Heiden und ersinnen die Völker Nichtiges? Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Fürsten verabreden sich gegen den HERRN und gegen seinen Gesalbten: »Lasst uns ihre Bande zerreißen und ihre Fesseln von uns werfen!«“ (Psalm 2,1-3)

Der Aussage des Psalmisten kann entnommen werden, dass bereits seit der Zeit Babylons (1Mo 11,1-9) eine Abneigung und ein Widerstand gegen Gottes Herrschaft auf Erden existierte.

Aus den Fragen und Einsichten des Psalmisten ist ersichtlich, dass die Menschheit, zumindest die Mehrheit der Menschheit, das Reich Gottes nicht will. Tatsächlich widerstehen sie ihm unbeirrbar. In dem Film Independence Day wird gezeigt, wie die Erdenbürger gegen Gottes Reich kämpfen, als ob es sich um eine Invasion Außerirdischer handelt. Nichtsdestotrotz wird der Herr seinem Messias „die Heidenvölker zum Erbe geben und die Enden der Erde zu seinem Eigentum“ (Ps 2,8). Der Herr wird den Nationen sagen, die sich gegen seine Herrschaft zusammengeschlossen haben: „Genug ist genug! Gebt eure unehrlichen Friedenspläne auf und eure Kriegsspielzeuge. Es ist Zeit für mein Gottesreich.“An jenem Tage wird der Herr handeln, wie David es niederschrieb: „Dann wird er zu ihnen reden in seinem Zorn und sie schrecken mit seinem Grimm: Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen!“ (Ps 2,5; 2,9). Mit anderen Worten, das Reich Gottes wird durch einen himmlischen Staatsstreich geschaffen werden.

Widerstand gegen Gottes Herrschaft: In der Vergangenheit und in der Zukunft

McLaren geht davon aus, dass der Glaube an einen „Jihad Jesus“ auf eine an den Haaren herbeigezogene Auslegung des Buches der Offenbarung zurückzuführen sei (Offb 19,11-19). Er schreibt: „Der sanfte Jesus des ersten Kommens wird zu einer Art Gaukler-Jesus, einen Schein-Messias, der durch den wahren Jihad-Jesus eines gewaltsamen zweiten Kommens ersetzt wird.“(12)  Was er zu übersehen scheint, ist, dass genau das Kapitel der Offenbarung, von welchem er meint, es sei von den Eschatologen der Left Behind-Serie [Bestsellerserie von Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins über das Ende der Welt und die Entrückung der Gemeinde] missverstanden worden, sich auf die alttestamentliche Schriftstelle bezieht, die den Widerstand der Nationen gegen die Herrschaft des Gesalbten des Herrn beschreibt (vergl. Offb 19,15 und Ps 2,9). Folglich muss Jesu zweites Kommen (seine Offenbarung oder apokalypsis) auf dem Hintergrund eines internationalen Widerstandes gegen das Reich Gottes verstanden werden, wie es in Psalm 2 geschildert wird. Dies wirft die Frage des Krieges auf als ein Mittel, das der “Herr der Heerscharen” verwenden könnte, um seine kommende Herrschaft auf Erden zu errichten. In der Vergangenheit schuf der Herr durch kriegerische Feldzüge das Reich Gottes der Israeliten unter den antiken Reichen. Der „Jihad Jesus“ der Offenbarung, wie McLaren ihn bezeichnet, ist ein Bild für den „Jihad Jahweh“ des Alten Testaments. Könnte es sein, dass der Herr auf Gewalt zurückgreift, um sein Reich in einer säkularen Welt in der Zukunft zu errichten?

Unter den Reichen der antiken Welt erwählte Gott Israel, damit sie sein „Königreich“ sein sollten (2Mo 19,6; 5Mo 7,5; 26,19). So unvollkommen wie Israel war, Jahweh berief dennoch dieses Volk, sein Königreich unter den antiken Völkern zu sein. Über diese göttliche Berufung schreibt der Alttestamentler Peter Craigie:

„Um die endgültige Erlösung des Menschen zu erreichen, wirkt Gott durch Menschen. Er handelt in der Welt, wie sie ist, denn sonst könnte Gott überhaupt nicht durch Menschen und menschliche Institutionen wirken, wenn sündlose Menschen und sündlose Gesellschaften die Vorbedingung für göttliches Handeln wären.“(13)

Die antiken Reiche widerstanden jedoch Gottes Herrschaft durch Israel in ihrer Zeit, denn wie der Psalmist über den Herrn und die erwählte Nation sagte:

„Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Sie machen listige Anschläge gegen dein Volk, verabreden sich gegen deine Schutzbefohlenen.Sie sprechen: »Kommt, wir wollen sie vertilgen, dass sie kein Volk mehr seien, dass an den Namen Israel nicht mehr gedacht werde!«“ (Psalm 83, 3-5)

Im Lichte des tief sitzenden Hasses der Nationen auf Israel, welche Option hat Jahweh, um sein Reich zu errichten und zu verteidigen, wenn nicht die kriegerische Option? Aber der Widerstand gegen die Errichtung von Gottes Reich hielt an. Als Gottes König kam, verwarf die Welt ihn.

Nachdem König Herodes von der Geburt des „Königs der Juden“ gehört hatte, ergriff Angst sein Herz, da er seine Herrschaft bedroht sah. Um seine Herrschaft zu sichern, ordnete er später die Tötung aller Jungen unter zwei Jahren an (Mt 2,3; 2,16). Die Römer verspotteten den gekreuzigten Jesus als den „König der Juden“ (Jo 19,1-3). Diese Ereignisse offenbaren die bestehende Rebellion in den Herzen der Menschen gegen Gottes Herrschaft. Seit David den 2. Psalm schrieb, gibt es keine Hinweise, dass sich die Haltung der Menschen geändert hat. Systematisch widersteht die Welt der Herrschaft des Gesalbten des Herrn.

Werden die Nationen umkehren?

Also was ist mit dem zweiten Kommen Jesu? Sollen wir denken, dass die Herrscher dieser Welt sich plötzlich mit dem Gedanken an ein Reich Gottes anfreunden werden? Kann man angesichts des Widerstands der Nationen gegen Israel und gegen Jesus das Bild, das die Offenbarung zeichnet, als das Bild eines verrückten „Jihad Jesus“ fundamentalistischer Christen betrachten? Wird Jesus, wenn er wiederkommt, um sein Reich aufzurichten, die gleiche Duldsamkeit aufweisen wie bei seiner Kreuzigung? Sollten wir erwarten, dass die Nationen der Welt weniger feindselig sein werden als in der Vergangenheit, wenn Gottes zukünftiges Reich gebaut werden wird? Könnte Jesus Krieg führen, um alle Kriege zu beenden? Schließlich schreiben sowohl der Psalmist David als auch der Seher Johannes ähnliche Dinge:

„Du sollst sie mit eisernem Zepter zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen! Küsst den Sohn, damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg; denn wie leicht kann sein Zorn entbrennen!  Wohl allen, die sich bergen bei ihm!“ (Psalm 2,9 u. 12)

„Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, damit er die Heidenvölker mit ihm schlage, und er wird sie mit eisernem Stab weiden; und er tritt die Weinkelter des Grimmes und des Zornes Gottes, des Allmächtigen.” (Johannes 19,15)

Aber bis zur kommenden Herrschaft des Messias, und im Gegensatz zu Machtmenschen jeglicher religiöser Überzeugung, sollten die Kinder Gottes die Dinge nicht selbst in die Hand nehmen, sondern geduldig und friedfertig im Glauben warten, bis Gottes Gesalbter sein Königreich errichtet. Die Errichtung des Königreichs wird durch Gottes Gesalbten geschehen, nicht durch unser Tun. Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich…“ (2Kor 10,3-4)

Schlussfolgerung

Vertreter der New Age Spiritualität lehren, dass ein kosmischer Christus-Geist in, um und durch alle Dinge wirkt, ohne Zwang auszuüben. Sie sind von der Vorstellung beunruhigt, dass ein persönlicher Christus erscheinen könnte, der fassbar ist und, wenn er wiederkommt, nicht nur die Menschen richten wird aufgrund dessen, wie sie mit seiner Schöpfung umgegangen sind, sondern auch aufgrund dessen, wie sie Gott und die Kinder Gottes behandelt haben. Der Utopismus und seine Apparatschiks (14)   unterschätzen die menschliche Verderbtheit und die Art und Weise, wie diese Verderbtheit alle Versuche, eine vollkommene Gesellschaft auf Erden zu schaffen, zunichte macht.(15)  Während einige Systeme besser als andere sind, gibt es kein Regierungssystem, das letztlich Frieden auf unserem Planeten schaffen kann. Bis zum zweiten Kommen Christi „erwarten wir aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2Petr 3,13). Alle Hoffnung auf Frieden und Fairness in der Welt setzt die Gegenwart (parousia) des „Friedefürsten“ voraus, der sein „Reich mit Recht und Gerechtigkeit“ aufrichten wird (Jes 9,6-7).

„Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben; und es werden sich seinetwegen an die Brust schlagen alle Geschlechter der Erde! Ja, Amen.”   (Offenbarung 1,7)

MARANATHA !

Mit freundlicher Genehmigung von Larry DeBruyn aus Larry DeBruyn,  The Coming Kingdom: Evolution or Revolution.

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Anmerkungen

[1] Historisch war das 5. Fundament des Glaubens die Bestätigung, dass die Gemeinde die persönliche und leibliche Wiederkunft Jesu erwarten konnte. Das zweite Kommen Christi war das wichtigste Ereignis der biblischen Prophetie.
[2] Hervorhebung durch den Verfasser, Brian D. McLaren, Everything Must Change, Jesus, Global Crises, and a Revolution of Hope (Nashville: Thomas Nelson, 2007) 142. Ich glaube, dass Christen die Ressourcen dieser Welt gebrauchen und nicht missbrauchen sollten. Gott hat dem Menschen geboten, Sorge um diesen Planeten zu tragen (1Mo 1,26-30).
[3] Ibid. McLaren beschuldigt Christen, die glauben, dass die Welt einem endzeitlichen Konflikt zwischen Gut und Böse entgegengeht, gewalttätige und terroristische Züge aufzuweisen. Er schreibt, dass „niemand überrascht sein sollte, wenn diejenigen, die von einer derartigen Theologie geprägt sind, sich dementsprechend verhalten“ (S.144). Auf diese Weise wirft er fundamentalistische Christen und radikale Moslems in einen Topf. 
[4] McLaren, Everything, 144.
[5] Ibid. 144.
[6] Verben, die im Neuen Testament verwendet werden, um Jesu Wiederkunft zu bezeichnen, schließen die Wortgruppe kommen (erchomai, Mt 24,42; Offb 22,20) und erscheinen (phaneroo, Mt 24,30; Tit 2,13) ein.
[7] Der Präterismus geht davon aus, dass die meisten, wenn nicht alle, Prophetien über das zweite Kommen Christi sich bereits erfüllt haben. Radikale Präteristen lehren, dass Jesus bereits Gericht an der Nation Israels geübt hat und dass folglich das „Reich Gottes eine gegenwärtige Realität“ ist. Die Parusie hat sich ihrer Ansicht nach bereits ereignet. Siehe: R.C. Sproul, The Last Days According to Jesus (Grand Rapids: Baker Books, 1998) 24.
[8] McLaren, Everything, 142-143.
[9] Georg Bertram, “empaigmonh,” Theological Dictionary of the New Testament, Gerhard Friedrich, Editor and Geoffrey William Bromiley, Translator and Editor (Grand Rapids: WM. B. Eerdmans Publishing Co., 1967) 5:636.
[10] Ein Fraktal ist ein geometrisches Gebilde, das aufgeteilt eine kleinere Kopie des Ganzen ist. In einem monistischen Universum können die Dinge unten auf der Erde als Kopien des Himmels oben betrachtet werden – wie oben so unten.
[11] McLaren, Everything, 144.
[12] Ibid. 144.
[13] Peter C. Craigie, The Problem of War in the Old Testament (Grand Rapids: William B. Eerdmans Publishing Company, 1978) 96.
[14] “Apparatschik” ist ein russischer Ausdruck, der Personen bezeichnet, die in Regierungspositionen berufen werden auf Grundlage ideologischer oder politischer Loyalität und nicht aufgrund ihrer Kompetenz.
[15] Siehe Thomas Molnar, Utopia: The Perennial Heresy (New York: Sheed and Ward, Inc., 1967).

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Re-Blogged von:  DISTOMOS.BLOGSPOT.DE, 23.04.2014

* Einige von MacLarens Büchern werden HIER besprochen (PDF-Heft, kostenlos)

Einige Buch- und Vortragsempfehlungen zum Thema:

(willkürlich herausgegriffen)

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