Das Evangelium Jesu Christi (3) – Markus 1:15

Das Evangelium, das Jesus verkündigte, war ein Ruf zur Jüngerschaft, ein Ruf, ihm in hingegebenem Gehorsam nachzufolgen.

Es war nicht einfach die Bitte, eine Entscheidung zu treffen oder ein Gebet nachzusprechen.

Jesu Botschaft befreite die Menschen von der Knechtschaft der Sünde. Er trat mit Seiner Botschaft entschieden der Heuchelei entgegen und verurteilte sie.

Jesu Verkündigung bot bußfertigen Sündern ewiges Leben und Vergebung an. Gleichzeitig war sie aber auch ein scharfer Verweis an äußerlich religiöse Menschen, deren Leben die Früchte wahrer Gerechtigkeit vermissen ließ. Dieses Evangelium machte den Sündern deutlich, dass sie sich von der Sünde abwenden und Gottes Gerechtigkeit ergreifen müssen.

„Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1:15)

Die Lehren unseres Herrn über das ewige Leben waren immer untrennbar verbunden mit Warnungen an solche, die versucht waren, die Errettung auf die leichte Schulter zu nehmen. Er lehrte sie, dass der Preis der Nachfolge hoch und der Weg schmal sei und wenige ihn finden würden. Er sagte, dass vielen, die ihn „Herr“ (gr. „kurios“ – Gebieter, Herrscher, Eigentümer) nennen, der Eingang in das Himmelreich verwehrt sein würde (siehe Mt 7:13-23).

„Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die durch sie eingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.

…Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!“

Heutzutage werden diese Warnungen unter Evangelikalen im Großen und Ganzen ignoriert, ja vehement abgelehnt. Die verbreitete Vorstellung darüber, was rettenden Glauben ausmacht, wird zunehmend unschärfer und oberflächlicher. Dadurch wird auch das Bild Christi in der Predigt und im Zeugnis immer verschwommener. Jeder, der sich als Christ bezeichnet, wird Evangelikale finden, die bereit sind, sein Glaubensbekenntnis zu akzeptieren, egal, ob sein Lebenswandel etwas von der Hingabe an Christus erkennen lässt oder nicht.

So ist der Glaube mit der Zeit zu einer verstandesmäßigen Angelegenheit degradiert. Statt Männer und Frauen zur Hingabe an Christus aufzurufen, wird bei Evangelisationen heute nur dazu aufgefordert, einigen grundlegende Tatsachen über Christus verstandesmäßig zuzustimmen.

Dieses oberflächliche Verständnis der Errettung und des Evangeliums mit seinem unverbindlichen Glauben steht in krassem Gegensatz zu den Lehren der Bibel. Anders ausgedrückt erfordert der Ruf des Evangeliums zum Glauben, dass Sünder für ihre Sünde Buße tun und sich der souveränen Herrschaft des Erretters Christi „anvertrauen“ (gr. „pisteuo“, „glauben“, „sich anvertrauen“, vgl. Joh 2:24), d.h. ausliefern, übergeben müssen. Einen anderen Glauben kennt das Wort Gottes nicht.

Es gibt viele Glaubensartikel, die im gesamten evangelikalen Lager bis vor kurzer Zeit als grundlegende Lehre anerkannt wurden. So herrschte zum Beispiel Einigkeit über die folgenden Wahrheiten:

  1. Der Tod Christi – und er allein – erwirkte ewige Errettung
  2. Die Geretteten sind allein aus Gnade durch den Glauben in Christus gerechtfertigt
  3. Sünder können sich Gottes Gunst nicht verdienen
  4. Gott erwartet keine der Errettung vorausgehende Erneuerung oder Werke, (5) das ewige Leben ist ein Geschenk Gottes
  5. Die Gläubigen sind bereits gerettet, bevor ihr Glaube irgendwelche gerechten Werke hervorbringt
  6. Christen können noch sündigen und tun es auch, manchmal sogar in einem unvorstellbaren Ausmaß.

Was sind nun die Kennzeichen der Evangeliumsbotschaft Jesu, die immer mehr verwässert, abgelehnt oder gar bekämpft werden? In welchen wesentlichen Punkten der Heilsbotschaft Jesu stimmen immer weniger Evangelikale überein? Dass es wichtig, ja sogar existenziell wichtig ist, sich hinsichtlich des Wesens und der Botschaft des ein für allemal den Heiligen überlieferten Evangeliums gewiss zu sein, das dürfte uns eigentlich klar sein. Denn es geht ja buchstäblich um Leben oder Tod. Selbst Paulus warnte daher eindringlich und deutlich, selbst hinsichtlich seiner eigenen Person:

„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, das kein anderes ist; nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen wollen.

Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!

Denn suche ich jetzt Menschen zufrieden zu stellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.“ (Gal 1:6-10)

In den folgenden Veröffentlichungen sollen zunächst neun Unterscheidungsmerkmale zum biblischen Verständnis der Errettung und des Evangeliums aufgeführt.

Das Evangelium ruft Sünder zur Buße und zum Glauben

Zunächst einmal lehrt die Schrift, dass das Evangelium Sünder zum Glauben – und untrennbar damit verbunden auch zur Buße – ruft (Apg 2:38; 17,30; 20,21; 2 Petr 3,9). Echte Buße ist die Abkehr von der Sünde (Apg 3,19; Lukas 24,37), sie ist kein menschliches Werk, sondern ein von Gott verliehenes Gnadengeschenk (Apg 11,18; 2 Tim 2,25). Es handelt sich dabei um eine Veränderung des Herzens, aber echte Buße wird auch eine Veränderung des Lebenswandels zur Folge haben (Lukas 3,8; Apg 26,18-20). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass Buße nur ein Synonym für Glauben ist und dass für die Errettung keine Abkehr von der Sünde notwendig ist.

Zweitens lehrt die Schrift, dass die Errettung vollständig Gottes Werk ist. Wer glaubt, wird völlig ohne eigenes Dazutun gerettet (Titus 3,5). Sogar der Glaube selbst ist ein Geschenk Gottes und kein menschliches Werk (Eph 2,1-5.8). Wahrer, rettender Glaube kann daher nicht mangelhaft oder zeitlich begrenzt sein, sondern ist beständig (Phil 1,6, vgl. Hebr 11). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass Glauben unbeständig sein kann und dass ein wahrer Gläubiger sogar vollständig aufhören kann zu glauben.

Drittens lehrt die Schrift, dass der Gegenstand des Glaubens Christus selbst ist und nicht ein Bekenntnis oder eine Verheißung (Joh 3,16). Glaube beinhaltet darum die persönliche Hingabe an Christus (2 Kor 5,15). Mit anderen Worten: alle wahren Gläubigen folgen Jesus nach (Joh 10, 27-28). Im Gegensatz dazu geht es beim „unverbindlichen Glauben“ darum, dass es ausreicht, von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt zu sein, und dass rettender Glaube keine persönliche Hingabe an die Person Jesu Christi beinhaltet.

Viertens lehrt die Schrift, dass echter Glaube zwangsläufig einen veränderten Lebenswandel nach sich zieht (2 Kor 5,17). Errettung beinhaltet eine Umwandlung des inneren Menschen (Gal 2,20). Die Natur des Christen wird völlig erneuert und verändert (Röm 6,6). Das vorher ungebrochene Muster der Sünde und der Feindschaft gegenüber Gott wird durchbrochen, wenn ein Mensch wiedergeboren wird (1 Joh 3,9-10). Wer echten Glauben hat, folgt Christus nach (Joh 10,27), liebt seine Geschwister (1 Joh 3,14), hält Gottes Gebote (1 Joh 2,3; Joh 15,14), tut den Willen Gottes (Mt 12,50), bleibt im Wort Gottes (Joh 8, 31), bewahrt Sein Wort (Joh 17, 6), tut gute Werke (Eph 2,10) und hält am Glauben fest (Kol 1,21-23; Hebr 3,14). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass, obwohl etwas geistliche Frucht entstehen wird, sie für andere unsichtbar sein kann, ja dass Christen sogar in einen Zustand andauernder geistlicher Unfruchtbarkeit fallen können.

Fünftens lehrt die Schrift, dass Gottes Gabe des ewigen Lebens nicht nur eine ‚Fahrkarte in den Himmel‘ bedeutet, sondern alles beinhaltet, was zum Leben und zur Gottwohlgefälligkeit nötig ist (2 Petr 1,3; Röm 8,32). Im Gegensatz dazu sind beim „unverbindlichen Glauben“ für den Gläubigen in diesem Leben nur die rechtlichen Aspekte der Errettung (z.B. Rechtfertigung, Annahme und stellungsmäßige Heiligung) sicher; die praktische Heiligung und das Wachstum in der Gnade erfordern einen zusätzlichen Akt der Hingabe nach der Bekehrung.

Sechstens lehrt die Schrift, dass Jesus Herr über allem ist, und dass der von ihm geforderte Glaube bedingungslose Unterwerfung beinhaltet (Röm 6,17-18; 10,9-10). Mit anderen Worten, Christus schenkt kein ewiges Leben, wenn das Herz eines Menschen weiterhin gegen ihn gerichtet ist (Jak 4,6). Die Unterwerfung unter die Herrschaft Jesu ist kein weiterer Zusatz zu den biblischen Bedingungen der Errettung; durch die ganze Bibel hindurch stellt der Ruf zur Unterwerfung das Herzstück der Evangeliumsbotschaft dar. Im Gegensatz dazu lehrt der „unverbindliche Glaube“, dass Unterwerfung unter Christi absolute Autorität für die Errettung nicht von Bedeutung ist.

Siebtens lehrt die Schrift, dass diejenigen, die wirklich glauben, Christus auch lieben werden (1 Petr 1,8-9; Röm 8,28-30; 1 Kor 16, 22). Sie werden daher das Verlangen haben Ihm zu gehorchen (Joh 14, 15.23). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass Christen in einen Zustand lebenslanger Fleischlichkeit fallen können.

Achtens lehrt die Schrift, dass der Lebenswandel ein wichtiges Prüfkriterium für den Glauben ist. Gehorsam ist der Beweis dafür, dass der Glaube eines Menschen echt ist (1 Joh 2,3). Auf der anderen Seite lässt ein Mensch, der in seinem Ungehorsam Christus gegenüber verharrt, keinen echten Glauben erkennen (1 Joh 2,4). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass Ungehorsam und anhaltende Sünde keine Veranlassung geben, die Echtheit des Glaubens anzuzweifeln.

Neuntens lehrt die Schrift, dass wiedergeborene Christen stolpern und fallen können, aber sie werden im Glauben beharren (1 Kor 1,8). Diejenigen, die sich später ganz vom Herrn abwenden, zeigen damit, dass sie nie wirklich wiedergeboren waren (1. Joh 2,19). Im Gegensatz dazu wird beim „unverbindlichen Glauben“ gelehrt, dass ein echter Gläubiger Christus ganz aufgeben kann, bis zu einem Punkt, wo er nicht mehr glaubt.

Die meisten Christen erkennen an, dass diese neun Unterscheidungsmerkmale keine neuartigen oder umwerfenden Ideen darstellen. Die überwiegende Mehrheit bibelgläubiger Christen durch die Jahrhunderte hat an diesen Punkten als grundlegende Lehren festgehalten. Tatsächlich hat auch keine der rechtgläubigen Bewegungen in der Geschichte der Christenheit jemals gelehrt, dass Sünder die Herrschaft Christi zurückweisen und ihn trotzdem als Retter beanspruchen können.

Es geht hier nicht um eine unbedeutende Fragestellung; im Gegenteil, wie könnte es etwas von größerer Bedeutung geben? Welches Evangelium den Ungläubigen verkündigt wird, hat Auswirkungen bis in die Ewigkeit. Wenn es sich um das wahre Evangelium handelt, kann es Männern und Frauen den Weg in das ewige Gottesreich weisen. Wenn es sich dagegen um eine verfälschte Botschaft handelt, kann es unerretteten Menschen eine falsche Hoffnung geben, obwohl sie doch der ewigen Verdammnis entgegengehen. Es handelt sich also nicht um eine Frage, die nur unter Theologen diskutiert, debattiert und über die spekuliert wird. Es ist eine Tatsache, die jeder Pastor und jeder Gläubige verstehen muss, damit das Evangelium allen Völkern richtig verkündigt wird.

Der Glaube ist mit der Zeit zu einer verstandesmäßigen Angelegenheit degradiert. Statt Männer und Frauen zur Hingabe an Christus aufzurufen, wird bei Evangelisationen heute nur dazu aufgefordert, einige grundlegende Tatsachen über Christus anzuerkennen.

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* Nach einer Veröffentlichung der Bibelgemeinde Berlin, ergänzt und überarbeitet

Siehe auch:

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