(Wie) Sollen wir das Evangelium gut verpacken?

Gut verpacken müssen wir das Evangelium, nur darauf kommt es an – denkt so mancher nicht erst heute. Bereits unter „Wie sollen wir das Evangelium verkündigen“ wurde Dr. Karsten Ernst zitiert, der als Grundthese vertritt:

Letztlich ist es unsere Aufgabe, Gottes Wort zu verkünden, nicht Menschen psychologisch durch Äußerlichkeiten so zu manipulieren, dass sie ‘eine Entscheidung für Christus fällen” ohne eigentlich zu wissen, was es mit diesem Christus auf sich hat. Vertrauen auf Gottes Wort ist fundamental: Gott wird in Menschen durch sein Wort wirken.’

Er schliesst, dass wir vor allem ganz neu begreifen und darauf vertrauen müssen, dass Gott Menschen durch die Torheit der Predigt errettet, nicht durch geschickt verpackte, dem Menschen annehmbar gemachte Angebote (Vergleiche hierzu auch die Serie Die postmoderne – emergent-kontextuale – Gemeindebewegung).

Freilich sollen wir, wie Paulus, unser Bestes geben, die das Wort Gottes – die Evangeliumsbotschaft – so gut wie möglich, also klar, unzweideutig, in all ihrer Schärfe, ungekürzt und unbeschönigt, mit all ihren im unerretteten Menschen Anstoß und Ablehnung erregenden Wahrheiten zu verkündigen. Und dann darauf zu vertrauen und darum zu beten, dass Gott Sein Wort verwendet, um einigen Menschen neues, ewiges Leben zu geben und sie zu Umkehr und glauben zu bringen.

„die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes…“ (1.Pet 1:23)

„Wenn aber auch unser Evangelium verdeckt ist, so ist es in denen verdeckt, die verloren gehen, in denen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist.   (2.Kor 4:3-4)

Wir dürfen – und müssen – also allein auf Gottes Wirken im Herzen der Hörer vertrauen und im Gebet darum ringen. Auf unsere schlauen Methoden und Verpackungskünste zu vertrauen wäre dagegen praktischer Unglaube und geistliche Anmaßung.  Auch Fritz Binde hat dazu schon vor vielen Jahren seine Gedanken zu Papier gebracht – nachfolgend ein Abdruck davon:*

Fritz Binde (1867 – 1921)

Ist aber auch wirklich unsere Heilsverkündigung verhüllt, so ist sie bei denen, die verloren gehen, verhüllt, bei denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne (Gedanken) der Ungläubigen geblendet hat, auf dass ihnen nicht erstrahle der Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, der da ist das Bild Gottes (2Kor. 4,3.4).

Da haben wir die wahre Ursache des Unglaubens aller Weltkinder, nämlich vom Satan geblendete Sinne, die unfähig machen, Christus zu erkennen. Und diese verblendeten Sinne sind zugleich das sichere Kennzeichen derer, die verloren gehen.

Dass aber auf diese letzte Ursache allen Unglaubens und auf dies schauerliche Kennzeichen des Verderbens nicht mit ernstlicherer Entschiedenheit hingewiesen wird, gehört selbst wiederum mit zu Satans Blendwerk, womit er die Heilsverkündigung zu verhüllen sucht.

Was wird heute nicht alles empfohlen, um das Evangelium von der Erlösung der Menschen in Christus annehmbarer zu machen.

Alles der Vernunft Anstößige müsse entfernt werden, man müsse auf die gedanklichen Schwierigkeiten der Gebildeten mehr Rücksicht nehmen, man dürfe nur noch auf wissenschaftlicher Grundlage vorgehen und nach psychologischer Methode verfahren, das kultivierte, humanistische Empfinden des modernen Menschen müsse geschont werden usw. — also nur ja nichts von Satan, Gericht und Verdammnis reden!

Was für ein Betrug!

Denn das Ergebnis dieser Bemühungen bedeutet Verfälschung des Wortes Gottes, Entkräftung der Heilsbotschaft, Betörung der Seelen, Verwirrung der Gewissen, Verirrung des Lebens und bleibende Verblendung zum ewigen Verderben.

Wahre Knechte Jesu können und wollen sich und ihre Botschaft nicht anders empfehlen, als durch die Kundmachung der Wahrheit an jedes Gewissen vor den Augen Gottes (Vers 3). Und da gilt:

“Ist und bleibt unsere Heilsverkündigung verhüllt, so ist sie bei denen verhüllt, die verloren gehen.”

Gott selbst hat das von ihm in Christus gewirkte Heil als solches nie verhüllt. Sein Testament enthält zwar wohl Geheimnisse, ist aber keine Geheimlehre. Jesus selbst lehrte öffentlich im Tempel (Mark. 14,49), die Reden und Taten der Apostel geschahen nicht im Verborgenen (Apg. 26,26), und bis zur Stunde ist die Heilsverkündigung eine Sache der Öffentlichkeit, die bis zu den Enden der bewohnten Erde hingetragen wird. Also an äußerer Kundmachung der Wahrheit hat es von Gottes her nie gefehlt, obgleich der Missionsbefehl Jesu noch lange nicht erfüllt ist.

Wohl aber gibt es auch seitens Gottes eine innere Verhüllung der Heilswahrheit, insofern er sie vor den Weisen und Klugen verborgen hat und sie den Unmündigen offenbart. Dies tut Gott aber nur, um die Weisheit dieser Weisen und die Klugheit dieser Klugen in ihrer menschlichen Unzulänglichkeit als Unweisheit und Torheit zu enthüllen und zuschande zu machen (Matth. 11,25; 1. Kor. 1,27-29). Also verhüllt sich die Weisheit Gottes nur, damit vor ihr die Weisheit der Menschen als Torheit enthüllt und somit die Tatsache der satanischen Verblendung unserer Sinne bestätigt und offenbar werde. Gott muss uns erst die Unzulänglichkeit unserer eigenen Weisheit aufs Bitterste zu schmecken geben, denn wie könnten wir Menschen sonst zur Erkenntnis unserer Verblendung gelangen? Wie sollten wir sonst unser Verlorensein einsehen?

Wem also der Inhalt der Heilsbotschaft, der ja immer im Worte vom Kreuz (1. Kor. 1, 18) gipfelt, nichts als Torheit zu sein scheint, der suche die Torheit bei sich selbst, indem er angesichts der Unfähigkeit zu verstehen und zu begreifen endlich die tatsächliche Verblendung seiner Sinne erkennt und zu gibt, anstatt beständig das Evangelium als Torheit zu verwerfen und damit sein Verlorengehen zu besiegeln.

Wer aufrichtig bekennen muss, dass er die Heilsbotschaft nicht versteht, der sollte damit zugleich demütig bezeugen und beklagen, dass er wohl noch weit von Gott entfernt sein muss. Aber eben dies zu sagen erlaubt die Verblendung der Sinne nicht.

Ist aber dieser unheilvolle, irrige Zustand nicht schon Verlorensein genug? Was heißt denn “verloren sein”? Es bedeutet, von dem getrennt zu bleiben, dem man gehört und der einen vermisst. Die verlorene Drachme, das verlorene Schaf, der verlorene Sohn (Luk. 15) waren alle drei im gleichen Sinne verloren. So ist unsere Seele ihrem Lebens- und Gebrauchswerte nach getrennt von Christus, ihrem Lebensherrn und Erzhirten, und vom Vaterhause des Reiches Gottes. Unsere Seele ist von unermesslichem Wert, aber Christus kann sie nicht seinen Besitz nennen, denn sie lebt ferne seiner Herrschaft und vermag weder ihn zu erkennen noch sein Reich zu sehen. Der Widersacher Gottes hält ihre Sinne verblendet. Getrennt vom Urheber, Erretter und Herrn ihres Lebens bleibt sie verloren.

So gehören Verblendet- und Verlorensein zusammen. Und in diesem Zustand befinden sich von Haus aus alle Menschen. Denn die Verblendung unserer Sinne ist uns angeboren.

Wie sehr beklagen wir blind, taub oder stumm Geborene. Aber was ist das Fehlen äußerer Sinne gegenüber unserer angeborenen Unfähigkeit, Gott in Christus recht zu erkennen? Für alles haben die Menschen Augen, und dabei sieht sich ihr Auge doch niemals satt; aber das innere Auge, das Auge des Herzens (Eph. 1, 18), das den Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, des Ebenbildes Gottes, sehen und empfangen sollte, ist geblendet. Wie sucht das äußere Auge die sichtbare Welt im Großen und im Kleinen zu erforschen und durchdringen, aber eher möchte es noch den schwächsten Lichtschimmer des fernsten Fixsternes auffangen, als dass der Mensch sich ein inneres Sehorgan des Glaubens von Gott erbittet und bilden lässt, um Christus, das strahlend helle Licht der unsichtbaren Welt, erschauen zu können. So vermag der äußere Sehsinn des Menschen sich wohl aufs Eifrigste mit der Schöpfung zu befassen, aber gegenüber dem Schöpfer ist er blind. So begehrt das Herz auch unzählige eitle, vergängliche Dinge als seine Lust und Augenweide, aber die erhellende Botschaft von dem zu unserem ewigen Heile erschienenen herrlichen Ebenbilde Gottes lehnt es ab.

Doch das Schauerlichste dieser inneren Blindheit ist, dass der Mensch sie nicht wahrnimmt. Er ist blind seiner Blindheit gegenüber, denn er hält sich für sehend und durchaus befähigt, mit seiner Vernunft über Gott zu urteilen und mit dem eigenen Tun, wenn nötig, Gott zu befriedigen. Kein äußerer Blinder bezweifelt seine Blindheit, aber alle innerlich Blinden sprechen: Wir sind nicht blind, wir sehen! Und so bleibt ihre Blindheit und bleibt ihre Sünde (Joh. 9, 41). Denn das Wesen der inneren Blindheit ist der verblendete, sündige Hochmut des Menschen, der sich nicht demütigen lassen will. Und je mehr sich Gott bemüht, den blinden Hochmut sehend zu machen, damit er sich erkenne und verwerfe, und je mehr der Verblendete sich dabei gegen den richtenden und rettenden Lichtglanz der Heilsverkündigung wehrt, desto größer wird die Sünde des blinden Hochmuts. Es ist der allezeit verkehrte menschliche Eigenwille, der sich unter Satans Anleitung von Gott hat loslösen lassen, und der seitdem im stolzen Wahn des eigenen selbständigen Seins, Wissens und Könnens gefangen liegt.

Nichts ärgert das stolze Menschlein so sehr, wie die Verkündigung, dass es in all seiner Selbstüberhebung doch nur ein verblendeter, verfinsterter, irregeleiteter und betrogener Sklave einer übermenschlichen, gott- und menschenfeindlichen Lügenmacht ist.

Aber nicht etwa Liebe zu Gott ist die Ursache dieses Ärgers, sondern die eigenwillige Ichliebe, also eben der von Satan eingepflanzte Hochmut, mit dem er den Menschen blendete und an den er immer wieder seine Leine anknüpft, um den Verblendeten in der Irre herumzuführen. Und die größte aller Listen Satans ist dabei, dem getäuschten Menschen weiszumachen, es gäbe gar keinen Satan, an sein Dasein und seine Macht zu glauben sei nur unvernünftiger, irrationaler Wahn. So ist der Mensch also nicht nur seiner Blindheit gegenüber blind, sondern auch seinem Verblender gegenüber.

Paulus aber nennt den geschäftigen Widersacher Gottes und listigen Betrüger der Menschen geradezu den “Gott dieser Weltzeit” und bestätigt damit nur die Worte Jesu von der “Macht der Finsternis” und vom “Fürsten dieser Welt” (Luk. 22, 53; Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11). So haben also auch die Gottlosen einen Gott und die Selbstherrlichen einen Fürsten? — Ja, jeder Mensch, dem dauernd die gehörte Heilsverkündigung verhüllt bleibt und die Erleuchtung durch ihren Lichtglanz mangelt, hat sich der Obrigkeit der Macht der Finsternis mehr oder weniger bewusst versklavt, hat also ein Weltkind den Fürsten dieser Welt zum Herrn und steht als ein Gottloser, weil Jesusloser, unter dem von Gott selbst zugebilligten Regimente Satans, des “Gottes dieser Weltzeit”. Ja, so schauerlich es klingen mag, so wahr ist es: Wer nicht in der Lebenserneuerung, die Christus gebracht hat, Gott als seinen Vater erkannt und gefunden hat, der hat noch den Teufel zum Vater, der in ihm wirksam ist, und dessen Begierden solch ein “Sohn des Ungehorsams” zu tun begehrt (Joh. 8, 44; Eph. 2, 2).

Und was sind die Begierden des Teufels, denen “die Söhne des Ungehorsams” gehorsam sind, anderes als die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und das prahlerische, stolze Wesen, das jedes unerneuerte Menschenherz erfüllt und kennzeichnet. Denn dies alles ist nicht von Gott, dem ewigen himmlischen Vater Jesu Christi, sondern von dem “Gott dieser Weltzeit”, vom Teufel, dem Vater der Lüge (Joh. 8, 44) und der in Lüsten und Prahlerei Hochmütigen (1. Joh. 2, 16). Wahrlich, wer in dieser Weise Sünde tut, das heißt in ihr sein Lebenselement hat, der ist vom Teufel (1. Joh. 3, 8). Wie überaus religiös man sich in solchem Sünden- und Teufelsdienst gebärden kann, beweist das Beispiel der Pharisäer, denen Jesus als den Allerersten sagen musste: Ihr seid nicht von Gott (Joh. 8, 47). Aber ist die Menschheit dieser Weltzeit, in der Satan die Herrscherrolle spielen darf, nicht solcher Menschen, die nicht von Gott sind, voll und übervoll?

Wahrlich, gerade heute, wo des Teufels Weltzeit in schauerlicher Entfaltung der gottfeindlichen menschlichen Selbstüberhebung ihrer Höhe, aber auch ihrem Ende entgegeneilt, lernen Jesu Jünger es augenscheinlicher denn je verstehen, was es heißt: “Der Gott dieser Weltzeit hat der Ungläubigen Sinne verblendet”!

  • Nie ist der großen Menschenmasse der neueren Kulturvölker die Heilsverkündigung so verhüllt gewesen.
  • Nie ist die Ablehnung der Heilsbotschaft eine so überwiegende, teuflisch-gehässige gewesen, wie heute.
  • Nie ist die törichte Predigt vom Kreuz so überlegen, selbstweise, selbstgerecht und selbstherrlich sowohl von der breiten Masse als auch von den Einzelnen, die sich für besonders klug halten, abgewiesen worden, wie heute.
  • Nie hat man in so raubmäßiger, selbstsüchtiger Verblendung nach dem getrachtet, was auf der Erde ist, und in so völliger Gleichgültigkeit den Himmel den Engeln und Spatzen überlassen wollen, wie heute.
  • Nie hat man die Heiligkeit Gottes und die Abscheulichkeit der Sünde so gering geachtet und eingeschätzt, nie Sünde nicht als Sünde anerkannt und nie selbstsicherer Gottes Gebote übertreten, wie heute.
  • Nie hat man andererseits das menschliche Tun und Wissen so überschätzt, nie solche verblendeten Hoffnungen auf den Wert und die Entwicklung und Entfaltung des Menschenwesens gesetzt, wie heute.
  • Nie hat man sich so verbissen “wissenschaftlich” erkühnt, den Offenbarungswert der Heiligen Schrift herabzusetzen und ihren Inhalt religions- und kulturhistorisch zu zerfetzen, um damit ihre Autorität aufzulösen, wie heute.
  • Nie hat man Gottes biblisch offenbarte zukünftige Zorngerichte über alles ungöttliche Wesen, nie Bekehrung, Buße und Wesenserneuerung mehr belächelt, nie verblendeter den Sohn Gottes mit Füßen getreten, nie sein Blut unreiner geachtet, nie verstockter den Geist der Gnade geschmäht, wie heute!
  • Und nie war das, was sich äußerlich noch als Christentum und Kirche ausgibt, solche ein wüstes Pfuschwerk Satans, wie heute.

Das alles hat “der Gott dieser Weltzeit” mit Menschen erreicht, die er von der Erkenntnis ihrer angeborenen inneren Blindheit und damit von biblischer Bekehrung, Buße und Herzenserneuerung hat abhalten können.

Damit ihnen nicht der Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, der da ist das Bild Gottes, erstrahle, blendete er sie mit dem glänzenden Scheine menschlicher Vernunft, in die hinein er schillernd lockend das Bild ihres eigenen großen Ichs rückte. So verhüllt er den Menschen durch ihr geschickt beleuchtetes Selbstbild Christi rettendes Lichtbild. Und damit sie nur ja keinen Gedanken unter den Gehorsam des Christus gefangen nehmen, nahm er ihr Denken und Sinnen gefangen durch Genuss-, Ehr- und Habsucht oder beschäftigte sie immer stärker mit “wichtigen” wissenschaftlichen Problemen und verheißungsreichen Kulturidealen.

Um ihr Ohr und Herz immer mehr der Heilsverkündigung zu entziehen und zu entfremden, narrte er sie mit dem aufregenden und einnehmenden Machtspiele der Politik und hetzte die blind Erregten zuletzt hinein in den blutigen Krieg. Oder er betörte sie mit irdischen sozialen Glücksträumen von Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit, mit denen er zum hasserfüllten Klassenkampf entflammte, den irrseligen Kultus der Organisationen und der selbstsüchtigen sozialen Rechtsforderung entfachte, alle Irregeleiteten mit den berauschenden Zauberworten “Sozialismus” und “Sozialarbeit” betäubte, um schließlich als grinsender Menschenmörder die Schrecken des Bürgerkrieges und endlich die der “Weltrevolution” zu befehligen. — Siehe da, der rote Weltenbrand soll den weißen Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, des alleinigen Begründers wahrer Freiheit und Gerechtigkeit, auslöschen! — Auch blendete der “Gott dieser Weltzeit” die Verirrten durch das Ideal vom “Weltfrieden”, den er ihnen als Ergebnis eines “Völkerbundes” (der heutigen UNO) und neuer kultureller Fortschritte vorgaukelt. Ach, die den neuen Bund des Friedens, den Gott im Blute seines Sohnes am Kreuz von Golgatha gemacht hat, in hochmütigem Eigenwillen ablehnen und damit Jesus Christus, den einzig wahren Friedensfürsten, verwerfen, die wollen nun dieser Menschheit, die ohne Bekehrung, Buße und Herzenserneuerung ungläubig dahinirrt, auf dem bloßen Wege der politischen Vernunft den Völkerfrieden bringen! Welch ein Betrug Satans! Welch eine Blindheit gegenüber der menschlichen Blindheit! Blinde und blinde Blindenführer, wie nahe seid ihr beide doch dem Abgrund! — Aber das blendendste Trugwerk Satans, mit dem er sein Wirken in dieser Weltzeit zu krönen und alle blinden Idealisten zu beschäftigen sucht, ist die große Einheits- und Zukunftsreligion, die aus allen Religionen zurechtgebraut als das herrlichste Kulturergebnis des Menschengeistes die kommenden Geschlechter beglücken soll. Den gottgesandten einen Hirten, der sein Blut für alle dahingab, verwirft man, und seine Herde hasst und verfolgt man, aber die menschliche Einheitsreligion wird bejubelt. Welch ein Zusammenbruch muss solch gewaltiger Verblendung folgen!

Und wieviel Verhüllung der Heilsverkündigung und Ablenkung vom Heiland gibt es neben diesem breitangelegten, neuzeitlichsten Satansbetrug durch Kunst- und Kleidermoden, durch Denk-, Erziehungs- und Ernährungsmoden und -methoden, durch Sport- und Vereinsleben, Schulwissen und Berufsarbeit! Wie fein weiß “der Gott dieser Weltzeit” der Ungläubigen Sinne mit all diesen Kulturnotwendigkeiten zu blenden, um sie vom Lichtglanz der Heilsbotschaft fernzuhalten! Und wie listig versteht er es, die Menschen etwa durch ein bloßes religiöses Wissen um den Empfang des lebendigen Glaubens zu betrügen! Ein Professor beispielsweise bestimmt aufs Genaueste den Begriff “Bekehrung”, aber selber bekehrt er sich nicht! Ein “Geistlicher” predigt ohne den Heiligen Geist, denn da er sich selber vollauf für sehend hält, hat er der Person des Heiligen Geistes als ein Armer im Geiste nie bedurft! Wie muss “der Gott dieser Weltzeit” von solcher Predigt befriedigt sein! So bewirken denn die allermeisten Katheder- und Kanzelreden zu Satans Freude viel mehr Verhüllung statt Enthüllung der göttlich-apostolischen Heilsverkündigung.

Am verderblichsten aber blendet Satan der Ungläubigen Sinne und Gedanken durch die unmittelbare Knechtschaft in der Sünde.

Sünde ist ja im tiefsten Grunde Unwissenheit, nämlich die Folge des Getrenntseins von der Erkenntnis und dem Besitz der verborgenen Gottesweisheit. Hätten die menschlichen Herrscher dieser Weltzeit diese Weisheit gekannt, sie hätten Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht gekreuzigt (1. Kor. 2, 8). Würde jeder Mensch das Wesen, den Urheber und die Tragweite der Sünde kennen, so würde er auch die Torheit der Sünde kennen und nie mehr sündigen wollen. Eben deshalb muss Satan ja die Menschen in der Verblendung zu halten suchen, denn würden sie geheilt von ihrer inneren Blindheit, so würden sie auch geheilt von der Sünde. Aber deswegen ist Sündigen in Unwissenheit noch lange nicht Schuldlosigkeit. “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”, betete der gekreuzigte Gottessohn für seine Feinde. Gerade ihr unwissendes Sündigen bedurfte der Vergebung. Denn gerade unsere Unwissenheit ist Menschheitsschuld von Adam her, fluchvolle Lebensbeschränkung infolge des Sündenfalls, der das Geschöpf von der Wesensweisheit Gottes, seines Schöpfers, trennte, und Folge der vom Satan in Eva erzeugten Selbständigkeits- und Wissensüberhebung, in der sie bewusst Gottes Gebot übertrat. Eben da liegt ja die Ursache; und ihre Folge zu leugnen heißt allemal beides nur zu bestätigen.

Denn bis zum heutigen Tage betreibt Satan dasselbe Verfahren. Erst erregt er Zweifel an Gottes Vatertreue und Vaterrecht, dann verlockt er zur Aufrichtung der eigensinnigen Selbstherrlichkeit Gott gegenüber, indem er dem Geschöpf Gottgleichheit und Gottesweisheit verheißt, und aus dem Begehren des Menschen nach eigener Größe folgt dann jedes Begehren des Verbotenen, das die Sünde gebiert. Es ist immer der Weg vom Unglauben zum Ungehorsam, der Weg von der Verblendung zum Verderben. Denn jede eigenwillige Selbstbehauptung des Menschen Gott gegenüber, jedes eigenwillige Begehren ist Torheit, Betrug und Fluch; jede vermeintliche Selbstherrlichkeit und Freiheit werden zum erbärmlichen Knechtsdienst der Sünde. Zum blinden Ichdienst gehört der blinde Sündendienst.

Wer blind in beidem an Satans Leine geht, dem kann kein Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit Christi ins Herz fallen, dem ist die Heilsverkündigung verhüllt; sie muss solchen verblendeten Toren eine Torheit sein (1. Kor. 2, 14). O wie blind und taub für das Evangelium machen doch törichter Hochmut, Selbstgefälligkeit und gott-loser Ehrgeiz in allen ihren Formen! Wie untüchtig zum Glauben macht die auszehrende sklavische Fleischeslust! Wie verödet die Unreinheit! Wie verhärtet der Geiz! Wie hindern Lüge und Untreue! Wie erstickend wirken Neid, Unversöhnlichkeit und Hass!

Verblendete Sinne!

Satanische Ursache allen Unglaubens auf Erden! Ein blindes, verkehrtes, verdrehtes, ehebrecherisches Geschlecht, vor dessen Augen verborgen ist, was zu seinem Heile dient! Eine fehlgeleitete, missratene Menschheit, die ihren Herrn und Meister, ihren Erretter, Lebens- und Friedensfürsten nicht kennt!

Vom ewigen Schöpfer eine Weltzeit lang der Wirksamkeit des Feindes ausgesetzt, der Unkraut über Unkraut säen durfte, das nun den Acker, die Welt überwuchert hat! Ja, eine im Argen, das heißt in der Gewalt des Bösen liegende Welt (1. Joh. 5, 19)! Und der Verderber musste der “Fürst dieser Welt” genannt werden, und er ist’s. Als Lichtengel betrog er, als brüllender Löwe verschlang er. O welch ein Heer von Betrogenen! O welch eine Menge von Erschlagenen! O was für eine Schar von Verschlungenen!

Verblendete Sinne!

Aber sie merken nichts. Nur die Irrenhäuser, Krankenhäuser und Zuchthäuser müssen größer gebaut werden. Kulturselig, ruhmselig geht die Wanderung auf breiter Straße weiter. Wüstes Stimmengeschwirre erfüllt die Luft. Es wird zum Streit-, zum Kriegsruf. Das Schwert badet sich im Blut, wird trunken von demselben. Millionen Leben liegen erschlagen. Hungersnot und Seuchen wüten und fressen. Not lehrt fluchen, stehlen, kennt kein Gebot mehr. Jeder hasst, fordert, droht, verteuert, erschwert dem andern das Leben. Alles schreit “Gerechtigkeit”, und Unrecht und Untreue nehmen überhand. Alles schreit “Freiheit” und übt Zwang und Gewalt. Alles verlangt “Frieden” und streitet wider andere in Selbstsucht, Einzelne wie Völker! Und man merkt nichts.

Aber man hat einige neue Erziehungsmethoden ausgeklügelt; die sollen die verwirrte Jugend zurechtbringen und sie vor neuen Zivilisationszusammenbrüchen bewahren. Und “Arbeit! Arbeit!” ruft sich alles einander zu. Und “auf wissenschaftlicher Grundlage!”, betonen die Professoren. “Und auf dem Wege der politischen Vernunft!”, versichern die Machthaber.

Verblendete Sinne!

Grenzenlos wird die Verwirrung und Verirrung werden. Die Macht der Finsternis wird immer lichtraubender die Herzen und Köpfe einhüllen. Und der “Fürst dieser Welt”, der “Gott dieser Weltzeit” schickt sich an, in Menschengestalt seinen Fuß auf die Erde zu setzen, um seine antichristliche Obrigkeit unter den reif gewordenen Verblendeten mit genialer List und umfassendster Gewalt für immer zu befestigen. —

Heben wir jetzt die Häupter aus dieser grauenvollen Nacht, und sehen wir das andere Bild!

Da ist Christus.

Der Lichtglanz seiner Herrlichkeit, als der Herrlichkeit des Ebenbildes Gottes, flutet uns aus dem Worte der Heilsbotschaft ins unverhüllte Auge. Er ist gekommen, des Teufels Blendwerk zu zerstören, denn die Lichthungrigen sollen durch ihn gesättigt werden.

Er zeigt uns, wer Gott ist, denn er ist als der gesandte liebe Sohn des Höchsten des Vaters Abbild. Ohne ihn bleibt Gott ein “unbekannter Gott” (Apg. 17, 23). Er aber hat uns Gott kundgemacht.

Und er zeigt uns, wer der Mensch sein soll, denn als Gottes Abbild ist er der Menschen Urbild. So wie er ist, so ist Gott, und so wie er ist, so sollten wir sein. Alles Menschenwesen kann nur an ihm gemessen werden, denn er allein ist das Maß aller Dinge, und ohne ihn gerät alles in maßlose Verirrung. Und darum kann nur er allein uns zeigen, wer wir in Wirklichkeit sind, denn allein vor ihm, als unserem Urbild, erkennen und ermessen wir unser Zerrbild.

So ist er allein das Licht, in dem man das Licht als Licht erkennt, und vor dem die Finsternis zur Finsternis wird. So wird der Lichtglanz seiner Herrlichkeit unser rettendes Gericht!

Komm, geliebte, lichthungrige Seele! Ja, als du in der Finsternis gesessen, hatte er mit dir Geduld. Nun aber sollst du sehend werden! Komm und sieh! Sieh das Abbild Gottes, sieh unser Urbild, sieh dein Zerrbild! Komm, erkenne ihn als das Licht! Komm, erkenne dich als Finsternis! Mag dich das Licht auch blenden wie einst jenen Pharisäer Saulus, mag dich deine Finsternis erschrecken wie einst den Fischer Simon Petrus die seine — komm nur, denn du kommst zu deinem Retter!

Komm und sieh, er will deine verblendeten Sinne verwandeln in erleuchtete Sinne! Der “Gott dieser Weltzeit” hat dich geblendet. Der wahrhaftige Gott, der “Vater der Ewigkeit”, will dich erleuchten!

Ein hörend Ohr, ein sehend Auge, beide macht Gott. Aber wo macht er sie? Nur dort, wo seine herzliche Barmherzigkeit uns besucht hat als “der Aufgang aus der Höhe, zu erscheinen denen, die in der Finsternis und im Schatten des Todes sitzen, dass er unsere Füße richte auf den Weg des Friedens” (Luk. 1, 78.79).

Nur vor dem Christus Gottes wird dein vermeintliches Licht Finsternis und deine Finsternis wahrhaftiges Licht. Dort siehst du in ihm den heiligen Gott und in dir den abscheulichen Sünder. Denn nur dort, wo dir die Herrlichkeit des Christus aufgeht, geht deine eigene Herrlichkeit unter. Darum kann kein Mensch erleuchtete Sinne erlangen, es sei denn, er kommt zu Jesus Christus.

Stelle dich neben deinen Nachbar — wieviel eigene Größe findest du da noch im Vergleich mit ihm? Miss dich an dem Besten, den du kennst, und immer noch wagst du dich zu recken, weil du meinst, du seiest auch nicht gerade der Schlechteste. Schau dir nur die rein menschlichen Kulturgrößen an — ach, ihr Genie verpflichtet dich wenig, du lobst dir dein bescheidenes Plätzchen. Aber gelange wirklich bis zu Jesus Christus, und du bist verpflichtet, entlarvt, gestürzt — erleuchtet, gerettet!

O, wie begreifst du dann dein langes trotziges Ausweichen vor ihm! Denn mochtest du auch lange nach eines Lichtes Schimmer Ausschau gehalten haben, so wusstest du doch längst, dass sein Licht ein zunächst verzehrendes Gericht ist, das dein Wohlgefallen an dir selbst, von dem du bisher trotz alledem lebtest, zerstören und dir den Sturz bringen wird in die Tiefe der Buße. So liebtest auch du die Finsternis — wer weiß wie lange! — mehr als das Licht, denn auch deine Werke waren ja böse und scheuten ihr Gericht (Joh. 3, 19).

Nun aber wird es dir zur Erlösung, dich dem heiligen Lichte preiszugeben, denn deine lange Verblendung in der Finsternis schmerzt dich nun so, dass du dein altes Leben, das du so lange und so leidenschaftlich liebtest, anfängst zu hassen, und bereit wirst, es restlos zu lassen.

Und bist du so mit erleuchteten Sinnen reif geworden zur Verwerfung deiner selbst, wo solltest du dann dein gerichtetes Ich anders hinwerfen, als im Geiste zu den Füßen dessen, der dir sein Licht ja nicht zum Verderben, sondern nur zur Rettung geschenkt hat? Dein Verblender und Verderber war Satan, darum kann dein Erleuchter nicht das gleiche, sondern nur dein Erretter sein. Der dich als Zerrbild mit heiligen Blitzen traf, will dich ins Urbild hineinerneuern. Er will dich nicht aus seinem Lichte hinaus in die Finsternis zurückstoßen, sondern in Licht verwandelt sollst du, o erleuchtete Seele, werden. Und wie könntest du noch weiterhin ohne den leben, der deiner bösen Nacht zum hellen Tag geworden ist? Darum kann es nicht anders sein: der dir Licht gab, dich in der Buße zu verwerfen, der gibt dir auch Licht, dich im Glauben ihm zu überlassen. Der dir die Verurteilung brachte, der schenkt dir auch die Vergebung. Der als Abbild Gottes der Heilige unter den Menschen war, der war als Abbild Gottes auch der Barmherzige unter ihnen. Der den Blinden das Gesicht wiedergab und den Armen im Geiste das Himmelreich zusprach, der hatte auch für die zur Buße erleuchteten Sünder die Vergebung bereit und gibt sie durch den Heiligen Geist heute auch dir.

Und zur Bezeugung seiner strahlenden Heiligkeit und Barmherzigkeit lass dich jetzt, friedenshungrige Seele, noch dorthin führen, wo die Finsternismacht ihre scheinbar siegreichste Stunde auf Erden hatte, und wo gerade dennoch der “Fürst dieser Welt” aus seiner Machtstellung über Sünderherzen hinausgeworfen wurde. Lass dich geleiten ins Licht des Kreuzes auf Golgatha. Denn Christus ist nicht nur gesandt worden, um uns als Vorbild zu zeigen, wer Gott ist, wer wir sein sollen und wer wir in Wirklichkeit sind, sondern der Lichtbringer wurde erst zum vollen Heilsbringer, als er zum Sündenträger und Sündentilger am Kreuz gemacht wurde. Nicht als er mit Vollmacht redete, wundertätig heilte und Unerhörtes prophezeite, hat er den Fürsten dieser Welt besiegt und uns aus dessen Gewalt und Obrigkeit errettet, sondern als er anstelle aller sein unvergleichlich kostbares Leben als Lösegeld für die Sünden der Welt in den Kreuzestod gab, da hat er uns mit seinem Blute von Sündenschuld und Sündenmacht losgekauft und über die Macht der Finsternis triumphiert. Als er als makelloses Gotteslamm, das Gott für uns zur Sünde machte, der Welt Sünde hinwegnahm, hat der Eine für alle Dahingegebene auch deine Schuld gesühnt und dir Vergebung und Frieden mit Gott verschafft.

Siehe, deswegen sucht der “Gott dieser Weltzeit”, wenn er die Sinne der Ungläubigen blendet, keine andere Heilsverkündigung so undurchdringlich zu verhüllen wie die törichte Predigt vom Kreuz. Hier, wo Gottes heilige Gerechtigkeit den einzig Sündlosen nicht verschonte, um in liebender Barmherzigkeit uns todeswürdige Sünder zu erretten, hier will der Feind um jeden Preis die Erleuchtung der Sinne verhindern. Hier, wo Satan mit seinen Hoheiten und Gewalten völlig entkleidet und als besiegt öffentlich zur Schau gestellt wurde, hier will er mit aller List die triumphierende Macht des Christus und seine eigene Ohnmacht verhüllen. Und deshalb führt allein das Kreuz zur wirklichen Scheidung zwischen Teufelskindern und Gotteskindern. “Torheit!”, empören sich alle vom “Gott dieser Weltzeit” Verblendeten; “Gotteskraft!”, jauchzen alle vom “Vater der Ewigkeit” Erleuchteten.

Ja, “Torheit” soll und muss auch nach Gottes Willen das Sühnopfer des Gotteslammes am Kreuz allen Verblendeten, die sich selber für weise und gerecht halten, bleiben, bis vor der Unbegreiflichkeit der Kreuzespredigt endlich ihre selbstgemachte Weisheit zur Torheit und die Torheit des Kreuzes ihnen zur alleinigen, rettenden Weisheit wird. “Hören Sie auf mit dieser Torheit!”, empörte ich mich einst einem gläubigen Gotteskinde gegenüber, das zu mir vom Heil im Kreuze Christi zu reden begann. “Ja, so müssen Sie reden”, entgegnete der Sohn des Lichts, “denn auch mit dieser Rede bestätigen Sie nur die Wahrheit der Heiligen Schrift, die 1. Korinther 1, 18 sagt: ‘Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen’, und Kapitel 2, 14 fügt hinzu: ‘Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit; und er kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich gerichtet sein’!” O, wie habe ich mich in jener darauffolgenden schlaflosen Nacht geärgert und geschämt, dass ich wider Willen und Wollen doch der Bibel hatte recht geben müssen! Und wie hat jene Nacht zu meiner Erleuchtung und Bekehrung mithelfen dürfen!

Siehe, geliebte Seele, so gelangt der heilshungrige Mensch allein vor dem Kreuz zu wirklicher Buße und völligem Glauben. Denn nur das Kreuz scheidet uns von der eigenen Weisheit, Gerechtigkeit und Herrlichkeit und damit von der Verblendung unserer Sinne, und somit von Satan, von der Welt, von der Sünde, vom Eigenwillen, von uns selbst, vom Verderben.

Und so befähigt uns auch allein die Gotteskraft im Kreuz zur wahren Nachfolge Christi, denn nur sie bewirkt unsere völlige Selbstverleugnung und das Tragen unseres eigenen Kreuzes ohne Eigensinn. Nur die im Kreuz erleuchtende Gottesweisheit und die am Kreuz errettende Liebe Christi drängt und befähigt uns zu urteilen, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind, auf dass die, die da leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist (2. Kor. 5, 14.15). Als Glied einer gefallenen Menschheit mit Christus, ihrem kostbaren Haupte, mitgekreuzigt, mitgestorben, mitbegraben, aber auch mitlebendig gemacht — o, welch herrliche, strahlende Abfolge für das von Gott durch den Heiligen Geist geöffnete Glaubensauge der Erleuchteten! Und welch finstere Torheit für das Vernunftsauge der Verblendeten!

Ich lebe nicht mehr als Ich, sondern es lebt Christus in mir (Gal. 2, 20). Christus, mein neues, mein göttliches, mein ewiges Leben! Siehe da, die Segensfülle des Lichtglanzes des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der da ist das Bild Gottes!

“Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben” (Joh. 8, 12). Und nun triff deine Wahl, licht- und lebensdurstige Seele! Satans Hülle sei zerrissen, Christi Licht dir aufgegangen, sein Heil dir erschienen, sein Leben dir geschenkt!

Oder willst du jetzt, nachdem dir die tiefste Ursache des Unglaubens enthüllt worden ist, wieder zurückfallen in unselige Zweifel? Willst du, nachdem dir der Lichtglanz der Heilsbotschaft von der Herrlichkeit des Christus, des Ebenbildes Gottes, gnadenreich aufleuchtete, wieder zurück- und hinabtauchen in das Dunkel deiner eigenen Weisheit und Klugheit und dich neu ausliefern der Verblendung durch Satan, den “Gott dieses Zeitalters”?

Hüte dich!

Damals sprach Jesus: “Da ihr das Licht habt, glaubet an das Licht, auf dass ihr Lichteskinder werdet.” Und es heißt weiter: “Solches redete Jesus, und er ging fort und entzog sich ihnen” (Joh. 12, 36). Er ließ Zeit zur Nachwirkung seiner Lichtsrede, Zeit zur Scheidung zwischen Licht und Finsternis.

Höre, die ganze gegenwärtige Weltzeit ist eine Zeit der Entscheidung. Christus oder Belial? Das ist die einzig große Zeit- und Lebensfrage. Und da geht es allen denen, die dem Licht der Wahrheit, das sich ihnen genähert hatte, nicht glauben machten, so:

Erst verblendete sie Satan,
nun verblendet sie Gott!

Gott will, dass niemand von den durch den “Gott dieser Weltzeit” Verblendeten verlorengehen soll, sondern alle sollen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen und gerettet werden (1. Tim. 2, 4). Dazu sandte er das Licht der Welt, seinen Sohn, und gab nachher durch die Apostel die Heilsbotschaft im Heiligen Geist als eine Wirkungskraft der Wahrheit, der die Menschen glauben sollten. Nun aber, gegen das Ende dieser Weltzeit hin, schickt er den Menschen “eine Wirkungskraft des Irrwahns” (2. Thess. 2, 11), auf dass sie der Lüge glauben und alle gerichtet würden, die der Wahrheit nicht glauben mochten.

Willst du, teure Seele, zu diesen doppelt Verblendeten gehören?

Höre, was das für eine “Wirkungskraft des Irrwahns” sein wird: Es wird eine die Ohren äußerst angenehm kitzelnde, modernste Einheits-Weltreligion sein, in der Vernunft und Aberglaube sich aufs Bezauberndste verbinden. Ganz so, wie es die verblendeten Augen wünschten, werden der Mensch und sein Kultur- und Zivilisationswerk der Gegenstand ruhmseligster Verherrlichung sein. Erhebend, ja berauschend wird man dabei von Gott reden, aber niemand wird diesen “Gott” in irgendeiner Weise fürchten. Er wird nur das völlig unpersönliche “All-Eine” sein, wo Gott und Welt, Welt und Gott, Gott und Mensch und Mensch und Gott wesentlich als Eines gelten werden. In höchst vernünftiger Weise werden Naturwissenschaft, Geschichts- und Religionsphilosophie die durchaus einheitliche Wirkung dieser “Weltenergie” in Natur und Menschheit anschaulich machen. Das Großartigste aber wird die dramatische Anwendung der “Entwicklungslehre” (Evolutionslehre) ergeben. Da wird die schwungvolle Linie alles Werdens und Seins im Größten und Kleinsten klar wie nie zuvor gefunden erscheinen. Alles wird nur noch in der Bedingtheit seines ursächlichen Zusammenhanges Geltung haben. Aber den Zusammenhängen wird bis ins Übersinnliche, Okkulte, Magische nachgespürt worden sein. Auf diese Weise wird die Wissenschaft “religiös” und die Religion “wissenschaftlich” geworden sein. So werden alle bisherigen Religionen als bedingte Offenbarungsstufen des unpersönlichen “Weltbewusstseins” angesehen und demgemäß ins Entwicklungsschema eingezeichnet werden. Wie weit liegen Bibel und Christentum davon entfernt! Einige Herrenworte Jesu, einige Moralsätze der Apostel werden noch Verwendung finden, alles andere aber ist der “Wissenschaft” erlegen. Fernöstliche Lehren über die Erschaffung der Welt und die Seelenwanderung, heidnisch-naturreligiöse Totenbeschwörerei und Ahnenkult, Sterndeuterei und alle Arten von Wahrsagerei in Verbindung mit den modernen theosophischen, spiritistischen, okkulten, anthroposophischen Gepflogenheiten haben sich dann hingegen als außerordentlich brauchbar zum Aufbau der neuen Geisteswelt erwiesen. Eine klare Bedeutung der Sünde im Sinne der Bibel gibt’s nun nicht mehr. Die natürlichen Triebe sind heiliggesprochen und das Geschlechtsleben wie alles andere sozialisiert und zu einer Art religiösen Kultes erhoben. worden. Der Wert eines Menschen bemisst sich darin, wie sehr er der sozialen Kultur und Gesellschaft nützt. Ruhm vor Menschen ist alles. Das Ich bläht sich auf wie nie zuvor und jede Berühmtheit beansprucht nahezu göttliche Verehrung. Gott erscheint nur noch in der Persönlichkeit des großen Menschen. Darum will jeder groß, Herr und Gott sein. Es gibt keinen anderen Maßstab mehr als die eigene Größe und das eigene Ich. Im Kampf um Ehre, Anerkennung, Macht und Genuss brechen die letzten Dämme. Nirgendwo gibt es noch einen Halt. Verirrung und Verwirrung werden grenzenlos. — Und da bricht sich plötzlich einer Bahn. Alles erkennt in ihm das gewaltige, überragende Genie, die erwartete, die gebietende Größe. “Ich bin Gott”, spricht er, sitzend im Tempel. Und alle Welt bringt ihm göttliche Verehrung. Und jeder Mensch muss das Zeichen der Herrschaft dieses “Gottes” tragen oder sterben. —

Seele, merkst du etwas? Soll auch deine Hand und deine Stirn das Zeichen dieses “Gottes”, des Antichristus, des “Menschen der Sünde”, des eingeborenen Sohnes des “Gottes dieser Weltzeit” tragen (2. Thess. 2, 3-12)?!

Was willst du? Willst du mit verblendeten Sinnen dein Ich vor dem Kreuze retten und dabei dem zufallen, den der wiederkommende Christus mit dem Hauch seines Mundes verzehren und vernichten wird, und mit diesem satanisch-übermenschlich großen Betrüger, dem Ebenbilde Satans, verderben? Oder willst du mit erleuchteten Sinnen mit Christus im Zeichen des Kreuzes erliegen, um mit dem herrlichen Ebenbilde Gottes in Ewigkeit zu leben und zu siegen?

Im Lichte dieser Stunde gib dir und ihm die Antwort.

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* Quelle: “Neue Herzen — Zwölf Reden von Fritz Binde”, 1921; Verlag Gottlob Koezle, Wernigerode;

Online veröffentlicht HIER  (Vorsicht! Diese Webseite wird ungeachtet dessen NICHT empfohlen, da die Betreiber leider die Irrlehre der Allversöhnung probagieren! — vgl. hierzu:

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