Warum es so wichtig ist an die Unfehlbarkeit der Schrift zu glauben

(Serie:  Das Wort Gottes (nicht nur) im 21. Jahrhundert)

John M. Frame

Warum ist es so wichtig zu glauben, dass die Bibel inspiriert und unfehlbar ist?

Wegen Jesus Christus.

Hiermit ist nicht der übliche Bezug gemeint, der zwischen Christus und der Schrift gemacht wird. Üblicherweise besteht die Auffassung, dass Christus die Autorität des Alten Testaments und im Voraus auch die des Neuen Testaments bekräftigt hat. Diese Auffassung ist auch absolut stichhaltig (z.B. Matt 5,17-19; Joh 5,45-47; 10,33-36; 14,26; 15,26-27; 16,13), aber lasst uns noch eine andere Auffassung betrachten: nämlich die, dass sofern wir nicht an die absolute Autorität der Schrift glauben, es für uns bedeutungslos ist, Christus als Herrn und Retter zu bekennen.

I.  Christus ist Herr

Was bedeutet es Christus als Herrn zu bekennen? Es bedeutet unter anderem, zu bekennen, dass wir seine Diener (gr. doulos, w. „Sklaven“) sind.

In der Bibel ist ein Diener der, der keine Ansprüche an Gott seinen Herrn stellt. Er weiß, dass seinem Herrn alles gehört (Ps 24,1) und dieser alle Dinge beherrscht (Eph 1,11) und deshalb niemandem ein Gut oder ein Dienst schuldig ist (5Mo 10,14-17). Ihm selbst gehört nichts und er hat kein Recht irgendetwas zu verlangen. Der Diener hat keinen Anspruch auf seinen Herrn, aber der Herr hat einen absoluten Anspruch auf ihn. Absolut meint dreierlei:

(1) Es ist ein Anspruch, der nicht in Frage gestellt werden kann. Gott der Herr hat das Recht einen beständigen, unbeirrten Gehorsam zu verlangen. Gott segnete Abraham, „weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und mein Gesetz.“ (1Mo 26,5) Abraham zweifelte nicht (Röm 4,20), selbst als Gott von ihm das Opfer seines einzigen Sohnes Isaak verlangte (1Mo 22,18). Zu zweifeln hätte bedeutet zu sündigen.

(2) Der Anspruch des Herrn ist absolut in dem Sinne dass es alle anderen Ansprüche und Loyalitätetn überragt. Gott der Herr toleriert keine Konkurrenz, er verlangt eine exklusive Loyalität. Der Diener muss seinen Herrn lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und all seiner Kraft (5Mo 6,4, Matth 22,37). Niemand kann zwei Herren dienen (Matt 6,22ff.). Im Neuen Testament verlangt – und erhält – Jesus Christus genau diese Art von Loyalität von seinen Nachfolgern (Matth 19,16-30; 10,37; 8,19-22; Phil 3,8). Der Herr verlangt den ersten Platz.

(3) Der Anspruch Gottes ist deshalb absolut in dem Sinne, dass er alle Bereiche unseres Lebens regiert. Was immer wir tun, selbst wenn wir nur essen oder trinken, alles muss zur Ehre Gottes geschehen (1.Kor 10,31; Röm 14,23; 2Kor 10,5; Kol 3,17). Es soll kein Bereich unseres Lebens ausgeschlossen werden, in dem der Herr nicht seine Herrschaft ausüben kann.

II. Christus ist der Retter

Selbst wenn wir keine Sünder wären, hätten wir immer noch einen Herrn; wir sind dazu berufen Diener Gottes zu sein einfach deshalb, weil wir seine Geschöpfe sind. Tatsächlich sind wir aber nicht nur seine Geschöpfe, sondern auch Sünder. Wir brauchen nicht nur einen Herrn, sondern auch einen Retter. Wir brauchen nicht nur Herrschaft, sondern auch Vergebung dafür dass wir dieser Herrschaft nicht gehorcht haben (Röm 3,23; 1.Joh 3,4). Die Schrift sagt uns, dass Jesus Christus, der ewige Sohn Gottes, am Kreuz für sein Volk starb, um es von seinen Sünden zu befreien (Röm 5,8).

Aber wie können wir wissen, dass das ausreicht? Weil Gott es uns gesagt hat. Wer sonst könnte Vergebung über uns aussprechen? Wer sonst könnte denen Errettung versprechen, die an Christus glauben? Der Herr, der spricht um Gehorsam zu verlangen, spricht auch um Rettung zu verheißen. Der, das das Gesetz verkündet, verkündet auch das Evangelium. Wie Abrahem (Räm 4,19f.) sind wir dazu aufgerufen dem Evangelium zu glauben, einfach deshalb weil es Gottes eigenes Verprechen ist. Wir wissen, dass Gläubige gerettet sind, weil Jesus uns das gesagt hat (Joh 5,24). Nur der Herr kann Vergebung zusprechen, nur er kann Gerechtigkeit zusprechen, nur er kann ewiges Leben verheißen.

III.  Christus ist der Autor der Schrift

Aber wo können wir diesen Zuspruch finden? Wo können wir dieses Wort finden, welches einen absoluten Anspruch auf uns erhebt und uns ein absolutes Versprechen auf Vergebung macht? Wir müssen dieses Wort haben, sonst gibt es keine Hoffnung. Wir müssen es haben, sonst habe wir keine Auskunft über des Herrn Forderung oder unseres Retters Vergebung. Ohne solch ein Wort, haben wir wahrlich keinen Herrn und keinen Retter.

Eine liberale Theologie kann uns mit solch einem Zuspruch nicht versorgen. Ohne die Überzeugung, dass die gesamte Schrift unfehlbar ist, haben wir keine Sicherheit dieses Zuspruchs. Wir können aber auch in all den Erfahrungen, die wir auch machen, keine Worte finden, welche Anspruch auf zweifellosen Gehorsam und Herrschaft über alle Bereiche unseres Lebens erheben könnten. Wohin sollten wir also gehen?

Manche schlagen vor, dass Gott jedem von uns persönliche, individuelle Offenbarungen gibt. Aber die, die solche Vorschläge machen weichen von dem ab, was Gott tatsächlich gesagt hat. Wenn sie Recht haben sollten dann widerspricht sich Gott ständig. Was für einen Beweis haben wir dafür, dass Gott in diesen Offenbarungen wirklich spricht? Wie können wir die Stimme Gottes von den Stimmen von Dämonen oder den unserer eigenen Herzensvorstellungen klar unterscheiden?

Der Gott der Bibel lenkt sein Volk zu einem Buch. Um ihnen Sicherheit zu geben, spricht er zu einigen Männern direkt und individuell – Abraham, Mose, Jesaja, Paulus. Aber er weist sein Volk als Ganzes daraufhin seinen Willen in einem Buch zu finden.

Als Gott sein Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten führte, gab er ihnen ein Buch (2Mo 24,12). Es war ein Buch, dass er selbst geschrieben hatte; die Worte dieses Buchs waren seine eigenen (2Mo 31,18; 32,16). Er erlaubte Mose beim Aufschreiben zu helfen (34,27), aber die Autorität dieser geschriebenen Worte, war eine göttliche, keine gewöhnliche, menschliche Autorität (5Mo 4,1-8; 5,29-33; 6,4-25; Ps 19,119; Matt 5,17-20; Joh 5,45-47). Später schrieben andere Bücher auf Gottes Anweisung, und vervollständigten das Alte Testament. Bücher, die Christus in Wort und (siehe 1.Absatz) und Tat (weil Jesus sich den Schriften vollkommen unterordnete, indem er so lebte, dass „sich die Schrift erfülle“.

Die Gemeinde des Neuen Testaments bezog sich auf diese Bücher als die definitive Verschriftlichung von Gottes Gesetzen und – und Verheißungen. Die Bücher des Alten Testaments waren von „Gott eingehaucht“ (2.Tim 3,16, wortwörtliche Übersetzung) – das heißt Worte, die tatsächlich von Gott gesprochen wurden. Zudem anerkannten die ersten Christen noch weitere Schriften, die der Apostel und anderer, als gleich göttlich-autoritär wie des Alten Testaments (2.Thess 3,14; 1.Kor 14,37; 2.Petr 1,12-2,22). Diese Schriften äußern ein Wort zweifelloser Autorität – und sicherer Vergebung. Sie erklären Gottes absoluten Anspruch, sein sicheres Versprechen, sein Gesetz und sein Evangelium. Durch diese Schriften spricht er zu uns als Herr und Retter.

Ohne solch ein Wort, kann es weder Herrschaft noch Rettung geben. Ohne solch ein Wort, gibt es keine Grundlage um Christus als Herrn und Retter zu bekennen. Herrschaft und Errettung ohne maßgebende Schrift, sind bloß bedeutungslose Ausdrücke. Das ist der Grund, warum die Autorität der Schrift so wichtig ist. Das ist der Grund warum wir nicht sagen können, dass wir Christus lieben, während wir die Bibel verleugnen (Joh 14,15, 23; 15,10; 1.Joh 5,3). Und das ist auch der Grund, warum wir, wenn wir das Evangelium präsentieren, es als Wort der Autorität und sicheren Verheißung präsentieren müssen. Ein Wort das Vorrang vor jedem anderen Wort fordert, ein Wort, dass nicht beurteilt werden kann durch Kriterien moderner Philosophie und Wissenschaft, wohl aber Autorität hat alle Gedanken von Menschen zu beurteilen (Joh 12,48-50). Es als irgend etwas geringeres zu präsentieren, bedeutet es die Herrschaft Christi und der Größe der seiner Errettung zu schmälern. Als Herr und Retter, ist Christus der Autor der Schrift.

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Quelle: No Scripture, No Christ by John M. Frame, übersetzt und veröffentlicht von WAITING AT HIS DOORWAY

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