Die Auslegungspredigt wiederentdecken (2)

Einige Gründe für die biblische Auslegungspredigt

John MacArthur

(Fortsetzung von Teil 1 – John McArthur schreibt in seinem Buch “biblisch Predigen” einige Auswirkungen einer oberflächlichen, besucherfreundlichen Vorstellung über das Predigen.)

6. Man vernebelt dadurch die wahre Tiefe und Erhabenheit unserer Botschaft und lähmt darum sowohl die gemeinschaftliche als auch die persönliche Anbetung.

Was heutzutage in manchen Gemeinden als Predigt gilt, ist buchstäblich nicht tiefschürfender als das, was die Prediger der Generation unserer Väter in der Fünf-Minuten-Ansprache lehrten, die sie für die Kinder hielten, bevor sie diese in den Kindergottesdienst entließen.

Das ist nicht übertrieben. Es ist häufig so etwas von vereinfachend, wenn nicht völlig gehaltlos. Nichts daran ist tiefgehend. Ein solches Vorgehen macht wahre Anbetung unmöglich, weil Anbetung eine erhabene Erfahrung ist. Anbetung soll uns über das Weltliche und Schlichte erheben. Die einzig wahre Weise, wie man zur Anbetung gelangt, kann daher nur sein, dass wir zuerst die Tiefe geistliche Wahrheit erfassen. Unsere Hörer können nur in dem Maße zu den Hörern der Anbetung aufsteigen, wie wir sie in die Tiefen der fundierten Lehren des Wortes Gottes einführen. Sie können unmöglich erhaben von Gott denken, solange wir sie nicht in die Tiefen der Selbstoffenbarung Gottes eingeführt haben. Jedoch ist die heutige Predigt weder tiefschürfend noch erhaben. Sie geht weder in die Tiefe noch in die Höhe. Sie versucht nur zu unterhalten.

Übrigens: Wahre Anbetung ist nichts, wozu man künstlich aufputschen könnte. Eine noch größere, lautere Band und noch sentimentalere Musik können zwar die Gefühle der Leute aufputschen, doch das ist keine Echte Anbetung. Wahre Anbetung ist eine von Herzen kommende Reaktion auf Gottes Wahrheit (Joh 4,23). Sie können tatsächlich ohne Musik anbeten, wenn Sie die Herrlichkeit und die Tiefe dessen erkannt haben, was die Bibel lehrt.

7. Der Prediger hält sich selbst davon ab, die Gesinnung vollkommen auszubilden.

Von Predigern erwartet man, dass sie Unterhirten Christi sind. Allzu viele Prediger sind heutzutage so sehr darauf versessen, die Kultur zu verstehen, dass sie die Gesinnung der Kultur annehmen statt die Gesinnung Christi. Sie beginnen wie die Welt zu denken statt wie der Erlöser. Offen gesagt sind mir die kulturellen Nuancen der Welt praktisch egal. Ich will die Gesinnung Christi erkennen und damit die Kultur beeinflussen, egal welcher Kultur ich gerade diene. Wenn ich eine Kanzel betrete und ein Repräsentant Jesu Christi bin, dann will ich wissen, was er denkt, und das muss auch meine Botschaft an sein Volk sein. Der einzige Weg, die Gesinnung Christi zu erkennen und zu verkünden, ist sein Wort treu zu studieren und zu predigen. Prediger, die von kultureller „Relevanz“ besessen sind, werden weltlich, nicht Gott wohlgefällig.

8. Man setzt durch sein Vorbild die geistliche Pflicht und Priorität persönlichen Bibelstudiums herab.

Ist persönliches Bibelstudium wichtig? Natürlich! Aber welches Vorbild stellt der Prediger dar, wenn er die Bibel in seinen Predigten vernachlässigt? Warum sollten die Leute meinen, sie müssten die Bibel studieren, wenn der Prediger das bei der Vorbereitung seiner Predigten selbst nicht tut? Derzeit gibt es unter einigen Gurus „besucherfreundlicher“ Gottesdienste den Trend, in der Predigt möglichst keine Bibelstelle ausdrücklich zu nennen. (Manche „besucherfreundliche“ Gemeinden raten ihren Mitgliedern sogar ausdrücklich davon ab, Bibeln in die Gemeinde mitzunehmen, da der Anblick so vieler Bibeln die „Suchenden“ einschüchtern könnte.) Damit suggeriert man, es sei gefährlich, wenn Sie Ihren Gemeindegliedern den Eindruck vermitteln, die Bibel könnte wichtig sein!

9. Man hindert den Prediger daran, Gottes Sprachrohr zu jeder Zeitfrage zu sein.

Jeremia 8,9 sagt: „Die Weisen werden beschämt, sie sind schreckerfüllt und werden gefangen. Siehe, das Wort des HERRN haben sie verworfen. Und was für eine Weisheit haben sie nun?“ Wenn ich rede, will ich Gottes Bote sein. Ich habe kein Interesse zu erklären, was irgendein Psychologe, großer Geschäftsmann oder Universitätsprofessor zu einem Thema zu sagen hat. Meine Hörer haben nicht meine Meinung nötig; sie müssen hören, was Gott zu sagen hat. Wenn wir so predigen, wie es die Schrift uns befiehlt, sollte kein Zweifel bestehen, wessen Botschaft von der Kanzel kommt.

10. Man züchtet eine Gemeinde heran, die genauso gleichgültig gegenüber der Ehre Gottes ist wie ihr Prediger.

„Besucherfreundliches“ Predigen fördert solche Leute, die sich um ihr eigenes Wohlbefinden drehen. Wenn Sie den Leuten sagen, dass die vorrangige Aufgabe der Gemeinde ist, das geradezubiegen, was in diesem Leben schiefgeht (ihre Bedürfnisse zu stillen, ihnen zu helfen, mit ihren weltlichen Enttäuschungen klarzukommen usw.), dann vermitteln Sie ihnen die Botschaft, ihre irdischen Probleme seien wichtiger als die Ehre Gottes und die Majestät Christi. Nochmals: Damit sabotiert man wahre Anbetung.”

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(Reposted von: HLYNTWRK; bereitgestellt von EBTC – Europäischen Bibel Trainings Centrum; aus: John MacArthur, Biblisch Predigen – Praktische Anleitung zur Auslegungspredigt)

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