Die Auslegungspredigt wiederentdecken (1)

Einige Gründe für die biblische Auslegungspredigt

John MacArthur

Kürzlich war ich Gastgeber einer Diskussion am Expositors‘ Institute für das Kolloquium einer kleinen Gruppe über das Predigen, das durch die Shepherd‘s Fellowship (Hirtenkonferenz) ausgerichtet wurde. Bei der Vorbereitung dieses Seminars nahm ich einen Schreibblock und fing an, die schlechten Auswirkungen der oberflächlichen Vorstellung über das Predigen aufzulisten, die im modernen Evangelikalismus weit verbreitet ist.

Zuerst dachte ich, ich könnte etwa zehn aufzählen, doch rasch wuchs meine Liste auf 61 Punkte an. Ich strich sie auf 15 zusammen, indem ich alle bis auf die wichtigsten ausklammerte.

Ich gebe sie hier ungefähr in der Reihenfolge wieder, in der sie mir einfielen. Was also ist verkehrt an oberflächlichen Predigten, in denen die Bibel nur am Rande vorkommt?

1. Man reißt dadurch die Autorität Gottes über die Seele an sich.

Ob ein Prediger mutig das Wort Gottes verkündigt oder nicht, ist letzten Endes eine Frage der Autorität. Wer hat das Recht, in der Gemeinde zu sprechen? Der Prediger oder Gott? Jedesmal, wenn irgend etwas an Stelle des Wortes Gottes gepredigt wird, reißt man Gottes Autorität an sich. Welch ein Hochmut! In der Tat kann man sich kaum etwas Dreisteres vorstellen, was jemand tun könnte, der von Gott zum Predigen berufen wurde.

2. Man nimmt dadurch Christus die Herrschaft über seine Gemeinde.

Wer ist das Haupt der Gemeinde? Ist Christus wirklich die höchste Lehrautorität in der Gemeinde? Wenn ja, warum gibt es dann so viele Gemeinden, in denen das Wort nicht treu verkündigt wird? Wenn wir heutige Gottesdienste betrachten, sehen wir Programme und Methoden, welche die Frucht menschlicher Erfindungen, das Ergebnis von Meinungsumfragen und statistischer Erhebungen im näheren Umkreis sowie anderer pragmatischer Kunstgriffe sind. Gemeindewachstumsexperten haben die Kontrolle über die Tagesordnung der Gemeinde deren Haupt entrissen, dem Herrn Jesus Christus. Unsere puritanischen Vorväter widerstanden dem Versuch der Regierung, ihnen Liturgien aufzuzwingen, aus eben diesem Grund: Sie sahen darin einen direkten Angriff auf die Herrschaft Christi über seine Gemeinde. Heutige Prediger, die das Wort Gottes verleugnen, haben den Boden dessen verlassen, wofür jene Männer kämpften und manchmal starben. Wenn Jesus Christus von seinem Volk erhoben wird, wird seine Macht in der Gemeinde offenbar. Wenn die Gemeinde von Kompromisslern übernommen wird, die der Gesellschaft gefallen wollen, wird das Evangelium auf ein Minimum reduziert, wahre Vollmacht geht verloren, künstliche Energie muss aufgebracht werden, und Oberflächlichkeit nimmt den Raum der Wahrheit ein.

3. Man behindert dadurch das Wirken des Heiligen Geistes.

Welches Mittel benutzt der Heilige Geist für sein Wirken? Das Wort Gottes. Er benutzt das Wort als Mittel zur Wiedergeburt (Jak 1,18; 1Pet 1,23). Er benutzt es auch als Mittel zur Heiligung (Joh 17,17). In der Tat ist es das einzige Mittel, das er benutzt (Eph 6,17). Wenn also Prediger das Wort Gottes vernachlässigen, dann untergraben sie das Werk des Heiligen Geistes, erzeugen oberflächliche Bekehrungen und geistliche gelähmte Christen, wenn nicht gar vollkommen falsche.

4. Man beweist dadurch furchtbaren Hochmut und mangelnde Unterordnung.

Bei der modernen Haltung zum „Gottesdienst“ wird das Wort Gottes absichtlich heruntergespielt, die Schmach Christi stillschweigend abgelehnt, das Ärgernis des Evangeliums sorgfältig ausgemerzt und „Anbetung“ vorsätzlich auf die Vorlieben Ungläubiger zurechtgeschnitten. Das ist nichts anderes als die Weigerung, sich dem biblischen Auftrag der Gemeinde unterzuordnen. Die Dreistigkeit der Pastoren, die einen solchen Kurs verfolgen, macht mir Angst.

5. Der Prediger beraubt sich selbst der regelmäßigen heiligenden Gnade der Schrift.

Der größte persönliche Nutzen, den ich vom Predigen habe, ist das Wirken des Heiligen Geistes an meiner eigenen Seele, während ich die Bibel studiere und mich auf die beiden Predigten vorbereite, die ich jeden Sonntag halte. Die Verpflichtung, jede Woche gründliche Auslegungen zu erarbeiten, hält mein Herz fest auf die Schriften ausgerichtet und das Wort Gottes ernährt mich, während ich mich darauf vorbereite, meine Herde zu weiden. So werde ich durch die Beschäftigung damit persönlich gesegnet und geistlich gestärkt. Allein schon aus diesem Grund würde ich niemals aufgeben, die Bibel zu predigen. Der Feind unserer Seelen ist besonders hinter den Predigern her und die heiligende Gnade des Wortes Gottes ist unbedingt zu unserem Schutz nötig.”

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(Reposted von: HLYNTWRK; bereitgestellt von EBTC – Europäischen Bibel Trainings Centrum; aus: John MacArthur, Biblisch Predigen – Praktische Anleitung zur Auslegungspredigt)

Fortsetzung —>

 

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