Fürchtet euch nicht! – Aber fürchtet euch!

Wir fürchten oft, was wir nicht fürchten sollten – und fürchten nicht, was wir fürchten sollen!

H. M. 2001

Ps 23:4

Auch wenn ich wanderte im Tale des Todesschattens, fürchte ich nichts Übles, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich.

Psalm 23 ist wohl einer der bekanntesten Psalmen. Aber wie ernst wird er in der Praxis genommen? Selbst im „Tal des Todesschattens“ brauchen wir „nichts“ fürchten – also wann überhaupt sollen wir Grund haben, uns zu fürchten? Ich glaube Zusagen und Aufforderungen des Wortes Gottes wie dieser in der Theorie – aber tue ich das auch in der Praxis?

2Tim 1:7

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Gerade als wiedergeborene Gläubige haben wir allen Grund, zuversichtlich und vertrauensvoll unseren Weg auf Erden zu gehen. So ist es doch gerade ein von Gott gegebenes Merkmal der Gläubigen, dass unser Leben nicht von Furcht gekennzeichnet ist, sondern von „Kraft, Liebe und Besonnenheit“. Können andere um mich her erkennen, dass ich eine ganz andere Hoffnung habe, als die Welt sie zu bieten hat?

Spr 29:25

Menschenfurcht legt einen Fallstrick; wer aber auf den HERRN vertraut, wird in Sicherheit gesetzt.

Gerade die Angst vor anderen Menschen, vor ihrer Meinung über uns und unser Ansehen bei Ihnen machen uns oft zu „Sklaven der Menschen“ (1Kor 7:23), anstatt in allem „Sklaven Christi“ zu sein. (siehe auch Fritz Bindes Gedanken dazu HIER)

Röm 8:28

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken…

Alle Dinge sollen uns Blutserkauften und Erretteten zum Guten mitwirken – somit gibt es offensichtlich nichts, was wirklich zu unserem Schaden sein könnte – Eine Verheißung, die anderen oft leichtfertig zitiert wird, die aber in erster Linie für mich selbst gedacht ist. Vertraue ich den Verheißungen unseres Heiland-Gottes in der Praxis? Auch dann, wenn ich nicht verstehe, wie eine bestimmte Situation zum Guten dienen sollte?

Josef konnte bestimmt auch nicht verstehen, warum er von seinen Brüdern verkauft wurde, warum er als Sklave dienen musste und schließlich sogar ungerechterweise im Kerker schmachten musste. Aber dies war genau die Art und Weise, wie Gott – auf menschlich unverständliche Art – seinen wunderbaren Plan zur Rettung Seines Volkes ausgeführt hat. Im Nachhinein ist ganz klar und gereicht Ihm zur Ehre, aber der, der in einer hoffnungslosen oder unverständlichen Situation steckt, kann oft nur darauf vertrauen, dass Gott tatsächlich „alles“ zum Guten mitwirken lässt. Aber Sein Wort und Seine Zusagen sind immer absolut wahr – auch wenn unser menschlicher Verstand dagegen protestieren mag.

Aber warum zeigt der Herr mir nicht immer gleich das „warum“ und „weshalb“ einer Situation? Das hat natürlich unterschiedliche Gründe. Es soll aber bestimmt immer bewirken, dass unser bedingungsloser Glaube und unser Vertrauen in Seine Allgenügsamkeit und Treue, in Seine Person und Sein Wort gestärkt wird. Und manchmal mag es auch noch einen anderen Grund haben, der ebenso zu unserem Besten dienen soll:

Hebr 12:6.11

…denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. …Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; hernach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind.

Darum sollten unangenehme Situationen immer auch zur Selbstprüfung führen: Ist in meinem Leben Sünde, die ich ablegen soll, um ein brauchbareres, geheiligteres Gefäß zu Seiner Ehre zu sein? Sünde muss nicht der Grund für eine unangenehme Situation sein und ist es oft auch nicht, aber es kann der Fall sein.

Nur vom Standpunkt der Ewigkeit her könnten wir sehen, wie wunderbar unser Herr und Heiland-Gott tatsächlich alles zum Guten geschehen lässt! Deshalb die Aufforderung:

Hebr 12:1-2

…lasst auch uns, …mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens…

Wie oft beurteilen wir Situationen nur mit unserem begrenzten Verstand, nur aufgrund der Umstände – anstatt allein auf unseren Herrn und Heiland Jesus Christus zu schauen. In Ihm ist volle Genüge, in Ihm hat alle Angst ein Ende, Er ist unser Leben und unsere Zukunft, Er ist unser alles!

1Thes 5:16-18

Freut euch allezeit; betet unablässig; danksagt in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu gegen euch.

Ja, weil alles in unserem Leben als Gläubige zum Guten mitwirkt und weil wir keinen Anlass zur Furcht haben, sollen wir uns „allezeit“ freuen. Auch hier wieder: „allezeit“ heißt, immer, ohne Ausnahme, egal, was geschieht, auch wenn’s menschlich unmöglich oder „verrückt“ erscheinen mag. Aber unser Blick ist auf den Herrn Jesus gerichtet – und wenn wir Ihn betrachten, gibt es wirklich nur Grund zur Freude! Alles irdische Leiden erscheint dann so klein.

Phil 4:4.6

Freuet euch in dem Herrn allezeit! wiederum will ich sagen: Freuet euch! Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christo Jesu…

Nochmals dieselbe Aufforderung an uns! „Allezeit“ auch hier, und sogar noch betont, indem dieses Gebot wiederholt wird. Ja, „in allem“ sollen wir im Gebet vor den Thron unseres Gottes kommen und Ihm unsere Anliegen übergeben – aber mit Danksagung! Das heißt, gleichzeitig mit dem Gebet danke ich meinem Gott dafür, wann und wie Er mein Gebet erhört – ganz im Bewusstsein, dass Er mein Gebet erhören wird oder nicht, je nachdem, was wirklich das Beste ist! Preis sei Ihm!

Phil 4:7

…und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.

Ja, wenn ich in dieser Haltung des Gebetes und Flehens mit gleichzeitiger Danksagung die Situationen vor Gott bringe, dann wird uns wirklich Sein Friede erfüllen, Herz und Sinn in Ruhe und Besonnenheit bewahren. Ein solcher „Friede im Herzen“ ist dann oft nicht mehr mit menschlichem Verstand zu begreifen und manche um uns her schütteln bestimmt den Kopf darüber. Aber ein solcher von Gott gegebener Friede ist immer auch ein deutliches Zeugnis dafür, dass wir eine Hoffnung und einen Frieden haben, den die Welt nicht hat und niemals geben kann! Können andere diese übernatürliche Hoffnung und Ruhe in mir sehen?

Phil 1:21

Denn das Leben ist für mich Christus, und das Sterben Gewinn.

Röm 14:8

Denn sei es, dass wir leben, wir leben dem Herrn; sei es, dass wir sterben, wir sterben dem Herrn. Sei es nun, dass wir leben, sei es, dass wir sterben, wir sind des Herrn.

Ja, Paulus ist ein Vorbild für uns, dem wir nacheifern sollen! Und wenn wir uns diese Zusagen und Aufforderungen des Wortes Gottes zueigen machen, dann verstehen wir die Zusammenfassung des Paulus: Wir sind des Herrn Jesus, Sein Eigentum, Seine Erkauften. Solange wir leben, will Er uns zu Seiner Ehre verwenden. Und wenn wir sterben, ist es weit besser für uns! Also, was sollen wir Angst haben und uns fürchten vor dem, was die Welt uns antun könnte? Die Welt hat auch unseren Herrn Jesus umgebracht – und das diente uns zum Heil!

Hudson Taylor – und zuvor schon ein anderer Glaubensvater – hat einmal diese Verse etwas anders ausgedrückt: „Der Christ ist solange unsterblich, bis sein Werk vollendet ist.“ Also, was sollen wir uns noch fürchten?

Aber —  wir sollen fürchten! – Nur jemanden ganz anderen:

Hebr 12:28-29

Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns Gnade haben, durch welche wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht. „Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“

Ja, das vergessen wir oft, dass wir einen heiligen Gott als Vater haben, der nichts mit Sünde gemein hat und der uns aus lauter Gnade vor dem wohlverdienten Gericht gerettet hat. Denken wir öfters über Ihn und Sein Wesen nach und studieren Sein Wort diesbezüglich! Das hilft uns bestimmt, Ihn noch größer, wunderbarer, liebevoller und ehrfurchteinflößender zu sehen. Und es hilft, die täglichen Situationen in den richtigen Proportionen zu sehen!

Ps 2:11

Dienet dem HERRN mit Furcht, und freut euch mit Zittern!

Soweit einige Gedanken, die nur zum weiteren Bibelstudium und zur Selbstprüfung anregen sollen. Ich denke jedenfalls derzeit jeden Tag darüber nach, weiß ich doch nicht, ob nicht vielleicht der morgige Tag schon diese Abhandlung wieder einmal ganz praktisch auf die Probe stellen wird.

Aber da gibt es auch gleich eine ganz praktische Verheißung dazu:

Jes 66:2.5

Aber auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort. …Hört das Wort des HERRN, die ihr zittert vor seinem Wort!

Lasst uns nicht mehr das fürchten, was wir nicht fürchten sollen – sondern den, den wir mit Freude fürchten dürfen und sollen – Ihn und sein uns geoffenbartes Wort. Ganz praktisch. Jeden Tag.

„Der Fürst, zu dem ihr mich sandtet, ist von solcher Schönheit und Herrlichkeit, dass jeder, der Ihn sieht, Ihn sowohl lieben als auch fürchten muss.  Ich jedenfalls kann nicht anders.“

John Bunyan, Der Heilige Krieg

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Indonesien, 1.10.2001

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