Die postmoderne – emergent-kontextuale – Gemeindebewegung – Eine Bewegung, die alles bewegt! (Teil 6)

VI.  Zusammenfassung

Georg Walter*  (Fortsetzung von Teil 5)

Der radikale Flügel der emergenten Gemeindebewegung ist in weiten Teilen charakterisiert von:

  • der Verwerfung absoluter Dogmen
  • die Negierung der Autorität und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift
  • der Überzeugung, man könne absolute Wahrheiten nicht erkennen und in Lehraussagen fassen
  • einer Ablehnung des Rationalismus
  • der Absage an die Wissenschaftsgläubigkeit
  • der Distanz zu „fundamentalistischen“ Christen des konservativ-evangelikalen Spektrums
  • einer Kritik an althergebrachten evangelikalen Traditionen

Die emergente Gemeindebewegung fördert:

  • die Neudefinition oder Umdeutung christlicher Werte und Begriffe
  • die Öffnung zur Mystik
  • ein soziales, politisches und ökologisches Evangelium
  • die Betonung von Gefühl, Intuition, Imagination
  • die Akzeptanz der Kultur
  • einen subjektiven Relativismus
  • eine Offenheit für alle Religionen und eine Tendenz zum Universalismus (42)

Über den radikalen Flügel der emergenten Gemeindebewegung urteilt der Pastor, Autor und Bibellehrer John MacArthur:

„Hier haben wir es mit einer Form von falscher Religion zu tun…. Eine Art Heidentum, die im Grunde als christlich anerkannt werden will, weil sie immer populärer wird. Aber die Grundlinie dieser ganzen Bewegung der emergenten Gemeindebewegung ist, dass sie an keine Lehre glaubt, sie vertritt keine Theologie. Sie wollen sich nicht dazu drängen lassen, irgendetwas in der Schrift zu interpretieren, und ihre Ausrede ist: ‚Nun, die Bibel ist ohnehin nicht klar.‘ Mit anderen Worten, wir wissen nicht, was sie bedeutet; und wir können nicht wissen, was sie bedeutet.“(43)

Über die Art und Weise, wie dieser Flügel der emergenten Gemeindebewegung seine Gemeinden baut, sagt MacArthur:

„Alles wird zu einer Frage des Stils und der Kontextualisation, und alles dreht sich um die Manipulation von Leuten und deren Sehnsüchte, so als ob man ein Produkt an den Mann bringen wollte, wie man jedes andere Produkt in unserer Gesellschaft vermarktet. Dieses Verständnis ist falsch, weil es nicht erkennt, dass … Gottes Kraft durch seine Wahrheit wirksam wird, und darauf kommt es an.“(44)

Obgleich Anika Rönz in einem Artikel der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) zu dem Schluss kommt, dass die deutschlandweit 14 Gruppen und ca. 270 miteinander vernetzten Einzelpersonen der emergenten Gemeindebewegung „noch keine bestimmende Größe“ darstellen, weist die Autorin dennoch darauf hin, dass „die Zahl derer, die sich mit ähnlichen Thematiken beschäftigen, ohne sich ausdrücklich der emergenten Gemeindebewegung zugehörig zu fühlen oder sich via Internet zu vernetzen, weitaus größer sein dürfte.“(45) Die eigene intensive Beschäftigung des Autors des vorliegenden Artikels mit der emergenten Gemeindebewegung bestätigt nicht nur die letzte Aussage von Anika Rönz, sondern ließ überdies erkennen, dass die emergente Bewegung nicht nur weitaus größer ist als ihre Kerngruppierung, sondern

dass sie in immer mehr Kreisen bis in das konservativ-evangelikale Spektrum an Anhängerschaft gewinnt.

Wenngleich die emergente Gemeindebewegung noch nicht als bestimmende Kraft auftritt, ist sie dennoch eine Bewegung, die überall Eingang findet – und es scheint, dass sich diese Entwicklung in einem immer schnelleren Maße vollzieht. Die emergente Gemeindebewegung ist eine Bewegung, die alles bewegt. Aus diesem Grunde sollte sie wahrgenommen und auf der Grundlage der Schrift kritisch geprüft werden (1Thess 5,21).

Die Gemeinde Jesu Christi war von Anbeginn an durch vielfältige Irr- und Sonderlehren bedroht. Offenkundig gelang es den meisten Gemeinden nicht, die gesunde Lehre gänzlich zu verteidigen und die Herde Gottes vor falscher Lehre zu bewahren. Über die Gemeinde von Philadelphia, der es gelungen war, die reine Lehre und ein reines Herz zu bewahren, sagt der Herr: „Du hast eine kleine Kraft“ (Offb 3,8). Philadelphia war eine kleine, unbedeutende Gemeinde; und doch war sie ohne Tadel. Sie konnte ohne Tadel bleiben, weil sie das „Wort vom standhaften Ausharren auf Jesus bewahrt“ hatte (Offb 3,10). Sie konnte sich allerdings auf ihrer Bibeltreue nicht ausruhen, sondern war vom Herrn gerufen, „festzuhalten, was sie hat“ (Offb 3,11). Das griechische Wort für festhalten ist κρατέω (abgeleitet von κράτος, Macht)  und bedeutet „mit aller Macht festhalten“. Christen in dieser Zeit sind gerufen, an Gottes Wort mit aller Macht festzuhalten, selbst dann, wenn sie nur noch eine kleine Minderheit darstellen.

„Philadelphia“-Gemeinden gibt es heute nur noch wenige. Doch ganz gleich wie groß oder klein, wie bekannt oder unbekannt, wie bedeutend oder unbedeutend eine Gemeinde sein mag, ganz gleich, wieviele Erfolge eine Gemeinde nach außen hin aufzuweisen vermag, das letzte Urteil über eine Gemeinde spricht alleine der Herr Jesus Christus. Ob eine Gemeinde in den Augen Gottes ohne Tadel ist, hängt von ihrer Treue zu Gottes Wort ab – in der Lehre und im Tun. Ob die Erlösten dereinst Lob oder Tadel, einen geschmälerten oder einen vollen Lohn empfangen werden, hängt von ihrer Treue ab. An dem kostbaren Gut festzuhalten, das der Gemeinde anvertraut wurde, ist das Gebot der Stunde. Das biblische Evangelium gegen ein emergentes Evangelium einzutauschen, wird niemandem zum Segen sein, und es wird gewiss nicht Lob, sondern Tadel bringen.

Halte fest, was du hast, damit niemand deinen Siegeskranz nehme!  Offenbarung 3,11

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Anmerkungen & Buchempfehlungen

* Reposted von: DISTOMOS —  Der englische Begriff Emerging Church wurde dabei weitgehend durch den deutschen Begriff emergente Gemeindebewegung ersetzt, da dies im deutschsprachigen Sprachraum die Bedeutung verständlicher wiedergibt.

Buchempfehlungen

  • Donald A. Carson, Emerging Church – Abschied von der biblischen Lehre, CLV, 2008.
  • Rudolf Ebertshäuser, Aufbruch in ein neues Christsein? Emerging Church – Der Irrweg der postmodernen Evangelikalen, 2009.
  • Ron Kubsch, Die Postmoderne – Abschied von der Eindeutigkeit, Hänssler, 2007.
  • Peter Zöller-Greer & Hans J. Hahn (Hrsg.), Gott nach der Postmoderne: Eine Herausforderung für Wissenschaft und Gesellschaft, Lit Verlag, 2007.
  • Das Wort der Wahrheit, 2 Kompakt-Infos: (a) Emerging Church und (b) Neue Gemeindebewegungen. „Als Erstinformation, auch zum Weitergeben geeignet.“
  • Martin und Elke Kamphuis: Spirituelle Kräfte des Neuen Zeitalters: Von der Wirklichkeit Gottes und der Gefahr kosmischer Kräfte, Brunnen Verlag, 2010.
  • Kevin L. DeYoung & Ted Kluck, Why We’re Not Emergent, Moody Press, 2008.
  • Millard J. Erickson, Justin Taylor, Paul Kjos Helseth, Reclaiming the Center: Confronting Evangelical Accommodation in Postmodern Times, Crossway Books, 2004.
  • Roger Oakland, Faith Undone – The Emerging Church… A New Reformation or an End-Time Deception, Lighthouse Trails Publishing, Oregon, 2007.
  • R. Scott Smith, Truth and the New Kind of Christian: The Emerging Effects of Postmodernism in the Church, Crossway Books, 2005.
  • Bob DeWaay, The Emergent Church – Undefining Christianity, Bob DeWaay, Saint Louis Park, MN, 2009.
  • Dennis McCallum, The Death of Truth – Responding to Multiculturalism, the Rejection of Reason and the New Postmodern Diversity, Baker Publishing Group, 1988.
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