Sola Scriptura (4): Und was ist mit der Bibelkritik?

Theologen, die sich selber als modern, wissenschaftlich und kritisch bezeichnen, behaupten, sie seien fähig, in ca. 2000 – 5000 Jahre alten Schriften nachweisen zu können, welcher Satz zu welcher Zeit von welchem Literaten geschrieben resp. nicht geschrieben wurde und welche Kenntnis welche biblische Person hatte, resp. nicht hatte.

Zum Beispiel will Gerd Lüdemann, evangelischer Theologieprofessor der Uni. Göttingen wissenschaftlich nachgewiesen haben, dass Jesus und seine Jünger den Heiligen Geist der Dreifaltigkeit nicht kannten. Dieser sei erst später erfunden worden. (Spiegel Nr. 22 / 96). Die vielen Stellen von Jesus bei Johannes über den Heiligen Geist wären somit ebenfalls spätere Erfindungen. Aus dieser Angabe des Theologieprofessors Lüdemann lässt sich schlussfolgern, dass er offenbar die Bücher Mose nicht kennt. 1.Mose 1,1+2+26, 1.Mose 2,5 .

Im Gegensatz dazu hat Lüdemanns Kollege, der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger wissenschaftlich herausgefunden, dass Jesu Lehre vom Heiligen Geist nicht originell sei, da er diese bei den Schriften der Essener abgeguckt hätte. (Spiegel Nr. 22 / 96). Von den zwei zum Beweis angeführten Vergleichstexten aus den Qumran Rollen gleicht eine den Psalmen und die zweite ist gnostisch. Den Reden Jesu gleichen die angeführten Vergleichstexte nicht.

Nun, entweder Lüdemann oder Berger. Aber bitte nicht beide Theorien gleichzeitig. Hat Jesu seine Lehren abgeguckt, dann hat er sie gekannt. Hat er sie nicht gekannt, hat er sie auch nicht abgeguckt. Wie wäre es, wenn sich die Herren Professoren bei ihren untrüglichen, über alle Zweifel erhabenen, wissenschaftlich exakten Recherchen vorher absprechen würden, auf welche Seite herum sie als Christliche Theologen ihren Christus in den Dreck zu ziehen gedenken ?

Anfang dieses Jahrhunderts war die Theorie des „Christus-Mythos“ Mode : Jesus sei eine Erfindung des 2. Jahrhunderts gewesen. Der britische Germanist Wels schrieb noch 1971 und 1975 darüber zwei Bücher. Die „Bunte“ hat diese Theorie 1995 zu Weihnachten aufgewärmt. Interessanterweise gilt aber unter den Bibelkritikern allgemein als korrekt, dass Jakobus existierte und der Bruder Jesu war. (Spiegel Nr. 22 / 96). Also: ob Jesus existierte, ist ungewiss, aber dass Jakobus sein Bruder war, das weiss man. Jakobus war somit leiblicher Bruder einer 100-200 Jahre späteren Erfindung.

Bemerkenswert sind die vertretenen Ansichten über Paulus. Pfarrer Hermann Hettering erklärte 1995, der Häretiker Markion hätte im 2. Jahrhundert Paulus inklusive sämtliche Paulusbriefe frei erfunden. Nach Robert Eisenmann hat Paulus zwar gelebt, war aber ein Geheimagent der Römer. Im Gegensatz dazu sind aber nach Bultmann einige der Paulusbriefe sogar direkt von Paulus.

Vor 30 Jahren wurde von den Bibelkritikern Nietzsche entdeckt und die „Gott ist tot Theologie“ propagiert. Danach sinnigerweise die „Theologie nach dem Tode Gottes“. Es folgte die Befreiungstheologie und Jesus wurde zum Sozialrevolutionär umfunktioniert. Dann kam die feministische Theologie und Gott war nicht mehr tot, sondern weiblich. (Frage: Auf welche Art und von wem wurde der vorher wissenschaftlich gestorbene Gott wieder auferweckt ? Auferweckung von den Toten gilt doch unter Bibelkritikern als unwissenschaftlich!) Als die feministische Uminterpretierung der Bibel an Reiz verlor, wurde Jesus zum tiefenpsychologischen Naturheiler umstilisiert. Etwas spät. Die Freudsche Psychoanalyse ist längst OUT. Die Transaktionsanalyse ist IN. Die tiefenpsychologische Welle hat aber ihren Zenit bereits überschritten. Aktuell ist grün gefärbtes „man sollte“ gemischt mit Toleranz des Unmoralischen.

Jede dieser als wissenschaftlich propagierten Theologie-Moden halten ca. 5-10 Jahre. Dann werden sie selbst für die bibelkritischen Theologen langweilig und diese wenden sich unkritisch einer neuen Modeströmung zu.

Und jede dieser Theologie-Moden nennt sich, wie eh und je, wissenschaftlich. Das einzige, was bibelkritische Theologen mit all ihren chaotischen, sich stets verändernden, sich gegenseitig widersprechenden Aussagen beweisen, ist, dass sie unehrlich sind und nicht die Wahrheit suchen, sondern die kritiklose Ablehnung der Bibel.

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*  Quelle:  www.soulsaver.de

<— Teil 1

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