Bibelübersetzungen in islamischen Ländern (2)

(zum ersten Teil HIER!)

Eric Barger, reposted von DISTIMOS

Im Jahre 2011 vermeldeten christliche Medien wie das World Magazine „The battle for accurate Bible translation in Asia“ und „Holding Translators Accountable“, aber  der Artikel in World Net Daily „New Bible yanks ‚Father,‘ Jesus as ‚Son of God‘ – Islam-sensitive project ignites controversy, online petition“ zog mein besonderes Interesse auf sich.

Nach unseren eigenen Recherchen widmeten wir am 10. März 2012 in unserem Radioprogramm Understanding the Times eine ganze Sendung diesem Thema. Wir produzierten ferner einen 40-minütigen Podcast, um viele weitere Details aufzuzeigen und Interviews mit betroffenen Personen zu führen. Die Sendung stieß auf so großes Echo, dass sie am 25. August 2012 noch einmal ausgestrahlt wurde.

In der Sendung vom März 2012 interviewten wir Personen beider Seiten der Kontroverse. Eine Person war Russ Hersman, Direktor der Wycliffe Bible Translators. Wir räumten Hersman ganze 30 Minuten ein, um die Praxis von Wycliffe zu verteidigen, „moslemfreundliche“ Bibelübertragungen zu verfassen.

Wycliffe und die Partnerorganisation SIL sowie andere Organisationen, die für 40 Bibelversionen (in Arabisch und Türkisch) verantwortlich sind, eliminieren die Begriffe wie „Gott, der Vater“ und „Gott, der Sohn“ in ihren Übersetzungen.

Es wird allgemein argumentiert, dass diese Begriffe von Muslimen als negativ und anstößig betrachtet werden, weil der Koran sagt, dass Allah keine Söhne hat und dass Allah nicht als „Vater“ bezeichnet wird. Moslems werden ferner unterwiesen, dass Christen glauben, Gott hätte Maria geschwängert, um Jesus hervorzubringen und dass Maria ein Teil der Trinität ist. Natürlich ist dies keineswegs das, was die Bibel lehrt, noch handelt es sich dabei um Überzeugungen, die von orthodoxen protestantischen Christen jemals geglaubt wurden.

Im Zuge des Interviews kündigte Russ Hersman an, dass Wycliffe und SIL die verschiedenen fragwürdigen Übersetzungen der „globalen Kirche zur Prüfung“ vorlegen werde. Im Mai 2012 kündigte Bob Creson, Präsident von Wycliffe, an, dass die WEA die Übersetzungen prüfen werde, und dass Dr. Robert E. Cooley, emeritierter Präsident  des Gordon-Conwell Theological Seminary und Mitglied der Assemblies of God [größte US-amerikanische Pfingstdenomination], den Vorsitz über die Prüfkommission übernehmen werde.

Zehn Vorschläge, die nicht notwendig gewesen wären

Dies ist der heutige Stand der Dinge. Ende April 2013 wurde die Stellungnahme der WEA mit zehn Vorschlägen veröffentlicht (hier).

Ein eklatantes Problem der WEA-Stellungnahme ist, dass sie niemals wirklich die Tatsache angeht, warum es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist.

Wenn diese ehemals respektierten Übersetzungsorganisationen (Wycliffe, SIL, Frontiers, und andere) sich 100% treu zu Gottes Wort gehalten hätten, dann wäre es nicht zu den irreführenden Übersetzungen gekommen.

Ich bin mir sicher, dass alle Geldgeber dachten, sie würden eine Organisation unterstützen, die niemals so entscheidende Begriffe wie „Gott, der Vater“ oder „Gott, der Sohn“ in der Bibel in irgendeiner Sprache aus irgendeinem Grund entfernen würde.

Für mich wird hier ein Denken offenkundig, das menschliche Weisheit über Gottes Wort stellt. Vertrauen wir nicht dem Heiligen Geist, der die Herzen der Menschen anspricht, wenn Gottes Wort, so wie es ist, verkündigt wird?

Georges Houssney sagte mir in unserer Sendung am 18. Mai 2013, dass wir die irrtumslose Schrift sprechen lassen sollen und nicht unsere Meinungen, was in der Schrift für irgendeine Kultur in der Welt angenehm ist.

Was die Geldgeber angeht, berücksichtigen Sie den folgenden Aspekt. Laut dem Magazin Forbes hat Wycliffe bis September 2011 167 Millionen US-Dollar umgesetzt (Forbes Magazine, Wycliffe Bible Translators grossed $167 million dollars). Ich bin mir sicher, dass Wycliffes Spender sich niemals träumen ließen, dass dieses postmoderne Denken bereits so tief in der Organisation Fuß fassen konnte.

Und Wycliffe sowie SIL sind nicht die einzigen Organisationen, in welchen das postmoderne/emergente Denken eingedrungen ist. Mission Frontiers – um nur ein Beispiel zu nennen – hat ebenfalls die Philosophie übernommen, welche „menschliche Weisheit und gute Vorsätze über der Treue zu Gottes Wort stellt.“

Als ich für die Sendung an diesem Wochenende recherchierte, bestätigte sich dies auf der Webseite von Mission Frontiers. Der Grund dafür, warum ich und mein Gast, der altgediente Übersetzer Georges Houssney, dies taten, bestand darin, dass wir durch die Tatsache aufgeschreckt wurden, dass es Bibelübersetzer gibt, die glauben, sie wissen es einfach besser.

Es geht nicht um die vielen Bibelübersetzer. Viele von ihnen würden ihr Leben für das kostbare Wort Gottes geben. Die meisten von ihnen sind unverschuldet in das Kreuzfeuer geraten.

Dies ist nur eines der üblen Resultate postmodernen Denkens in der Arbeit der Organisationen, die Bibelübersetzungen verfassen, und es ist mehr als ein Beweis dafür, dass wir in den Zeiten leben, die der Apostel Paulus als “gefährliche Zeiten” (2Tim 3,1; „schwere Zeiten“) bezeichnet.

Untersuchung der Untersucher

Offen gesagt, ich hatte nicht erwartet, dass der WEA-Bericht Wycliffe, SIL oder Mission Frontiers und andere bekannte Missionsgesellschaften tatsächlich in die Schranken weist, weil diese von der Vorstellung geleitet sind, dass die alten Wege falsch sind und ein Update des Christentums notwendig geworden ist.

Eines der entlarvenden Anzeichen, dass eine Untersuchung durch die WEA wenig bewirken würde, war die Tatsache, dass der Präsident der WEA, Geoff Tunnicliffe ein Unterzeichner des Dokuments „Loving God and Neighbor Together: A Christian Response to a Common Word Between us and You“ der Yale Divinity School ist, worin die Prämisse vertreten wird, dass Allah Jahweh ist und der Isa oder “Jesus” des Koran dem wahren Jesus Christus entspricht. Dies sind zwei falsche Vorstellungen, die eine Reihe von Personen dazu geführt haben, denChrislam zu akzeptieren, jener unbiblischen Philosophie, vor der ich seit Jahren warne.

Noch schlimmer ist der Umstand, welche Person die WEA als Leiter der Kommission eingesetzt hat. Obgleich die Assemblies of God einen klaren Stand gegen moslemfreundliche Übersetzungen eingenommen hat, wurde Dr. Robert E. Cooley, einer ihrer bekanntesten Professoren, damit beauftragt, das Komitee zu leiten. Und auch Cooley ist ein Unterzeichner des Yale Dokuments “A Common Word Between Us and You”! Ich habe alle diese Fakten, die Problematik bei Bibelübersetzungen, das Dokument der Yale Divinity School, die Förderung von Insider-Bewegungen unter Übersetzern und mehr, in meiner Broschüre Take A Stand! Journal booklet „Islam and the Churchzusammengefasst.

Die „Insider-Bewegung“ beeinflusst Übersetzungsorganisationen

Viele denken, dass der Allah des Islam identisch mit dem Gott der Bibel – Jahweh – sei (siehe auch den Aufsatz HIER), und dass Isa („Jesus„) des Koran identisch sei mit Jesus Christus der Bibel –  dem Sohn Gottes.  Diese falsche Vorstellung hat sich in postmodernen Kreisen nicht nur durch die sog. „Insider-Bewegungen“  ausgebreitet (siehe z.B. HIER).

Im Grunde besagt diese Bewegung, dass eine Person den Gott und den Jesus der Moslems annehmen und heimlich als Untergrundchrist wirken kann, während er gleichzeitig am Islam und seinen Praktiken festhält, einschließlich der sogenannten “Ersten Säule” des Glaubensbekenntnisses, die täglich in der Moschee rezitiert wird: “Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet.”

Wenn Sie sich fragen, wie verbreitet die Insider-Bewegung unter den Bibelübersetzern ist, sehen Sie sich diese Fakten an.

Noch letzten Herbst forderte Wycliffe von seinen Übersetzern, die in die moslemische Welt ausgesandt werden sollten, ein Buch von Carl Medearis mit dem Titel Muslims,Christians and Jesus zu lesen, eine Art Textbuch postmodernen Denkens, welches das Model der Insider-Bewegungen vorstellt. Mir liegt eine Email des Direktors von Wycliffe West-Eurasiens vor, in welcher er die Lektüre von Medearis Buch für neue Wycliffe-Mitarbeiter, die in moslemische Länder ausgesandt werden, zur Pflicht machte.

Der US-Direktor Bob Blincoe von Mission Frontiers hat Medearis Buch ebenfalls empfohlen. Tatsächlich hat Mission Frontiers im Jahre 2012 das Buch Muslims, Christians and Jesus 20.000 Mal verteilt.

Wenn man versteht, wie die Insider-Bewegung funktioniert, kann man sich eine klare Vorstellung davon machen, wie Bibelübersetzer, die von diesem Gedankengut beeinflusst sind, davon überzeugt werden konnten, Übersetzungen der Bibel anzufertigen, die Begriffe wie “Gott, der Vater” oder “Gott, der Sohn” eliminieren.

In meiner Broschüre Take A Stand! Journal booklet „Islam and the Church“ schrieb ich ausführlich über die Kontroverse in Bezug auf Bibelübersetzungen im Zusammenhang mit Insider-Bewegungen. Ich hielt fest: “Carl Medearis ist ganz offen pro-moslemisch, pro Insider-Bewegung, pro-palästinensisch, und, wie man aus seinem Blog ersehen kann, ein entschiedener Vertreter der ‘Ersatz-Theologie’ [welche die Gemeinde als das neue Israel betrachtet] und des Dominionismus – was auf einer Linie mit dem verführerischen Chrislam ist. Mit einem Wort, Medearis ist ein Förderer von allem, was postmodern ist. Dies alles ist schon schlimm genug, aber das vielleicht erschreckendste ist, dass Medearis ein Befürworter von einer Reihe von Vorstellungen ist, die die Insider-Bewegung vertritt.”

Die Tatsache, dass Wycliffe neue Bibelübersetzer dazu drängte, Medearis Buch zu lesen – ohne darauf hinzuweisen, dass dieses Buch als ein gefährliches Werk zu betrachten sei, weil es die Philosophie von Insider-Bewegungen enthält -, war für David und Deana Irvine ausschlaggebend, dass sie Wycliffe verließen, bevor sie in die moslemische Welt ausgesandt wurden (mehr: hier). Wenn man weiß, dass SIL und Wycliffe ihre Mitarbeiter verpflichteten, das Buch Muslims, Christians and Jesus zu lesen, und wenn man weiß, dass Mission Frontiers dieses Buch wärmstens empfohlen hat, dann wird klar, warum es mittlerweile in diesen einstmals so vertrauenswürdigen Organisationen so viele Bibelübersetzungen gibt, welche die Kanten biblischer Wahrheiten abmildern.

Es ist das postmoderne Denken, das nicht konfrontativ und politisch korrekt ist, das widersprüchliche Vorstellungen harmonisiert und das absolute Aussagen meidet sowie Dinge unter dem Deckmantel der “Liebe”zudeckt. Tatsache ist, dass Medearis noch nicht einmal glaubt, dass ein Christ die Verlorenen evangelisieren sollte!

Was würde Paulus tun?

In Apostelgeschichte 17 besuchte Paulus Athen; eine Stadt, die voller Götzen und heidnischer Religionen war. Versuchte Paulus, die Botschaft des Evangeliums zu verwässern, um sie für jene attraktiver oder angenehmer zu machen, die ihn hörten oder ihm widerstanden? Sind entschiedene Moslems feindlicher oder bedrohlicher als die Pharisäer oder Römer des 1. Jahrhunderts, die das Christentum verabscheuten?

Tatsache ist, dass sich nichts geändert hat, was das Evangelium angeht. Noch hat sich etwas geändert, was den Widerstand gegen das Evangelium angeht. Haben wir vergessen, dass Jesus voraussagte, wir würden gehasst, verachtet und möglicherweise getötet werden um des Evangeliums willen?

Heute verhält es sich ebenso wie im 1. Jahrhundert. Wer Apostelgeschichte 9 schnell liest, muss erkennen, dass diese Situation der unsrigen heute sehr ähnlich ist, und jeder postmoderne Denker, der glaubt, er müsse das Evangelium abschwächen oder verwässern, muss dieses Kapitel lesen.

Sofort nach seiner Bekehrung ging Saulus, nun als Paulus, in die Synagogen in Damaskus und begann, Jesus, den Sohn Gottes, zu verkünden. Vers 22 berichtet, dass Paulus die Juden in Damaskus konfrontierte und ihnen bewies, dass Jesus der Christus ist. Er präsentierte ihnen nicht etwas, an dem sie keinen Anstoß nehmen konnten.

Paulus verstand es offensichtlich nicht, “sucherfreundlich” zu sein. Stattdessen verkündete er die ganze Wahrheit.

Die Juden nahmen an Paulus Anstoß (in gleicher Weise nimmt die moslemische Welt an den Begriffen “Gott, der Sohn” und “Gott, der Vater” Anstoß), und sie verschworen sich gegen ihn, um ihn umzubringen. Doch er gab nicht nach, und schließlich ließen die Jünger Paulus in einem Korb im Schutze der Dunkelheit an der Stadtmauer hinab, damit er fliehen konnte. Nichts konnte Paulus daran hindern, die mutige, klare Botschaft des Evangeliums zu verkünden, denn er WUSSTE, dass dies die einzige Hoffnung für jene war, die die Botschaft hörten. Er verkündete sie wie ein toter Mann … der Welt gestorben, aber gänzlich lebendig in Christus. Ich denke, dies muss unsere Vorgehensweise und unsere Motivation heute sein, solange uns Gott den Atem schenkt.

(Originalartikel:  Eric Barger, „Muslim Friendly“ Bible Translations: Round Two The WEA-Wycliffe Report leaves more questions than answers. — Die Stellungnahme der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) zu Wycliffe lässt mehr Fragen offen, als sie beantwortet)

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