Bibelübersetzungen in islamischen Ländern (1) – Beschwerden, Trennungen und Kontroversen

helmut mehringer

Verschiedene Berichte sowie eigene Begegnungen und Gespräche mit Missionaren, deren Missionsgesellschaften und einheimischen Gläubigen aus verschiedenen Ländern Asiens bringen seit einiger Zeit immer öfters ein brisantes Thema ans Licht: Sollen wir unsere neuen Bibelübersetzungen so „unanstössig“ wie möglich für Moslems machen und „missverständliche“ Begriffe entfernen?

Gott als „Vater“ und der Herr Jesus als „Sohn Gottes“ sind dabei nur die zwei hervorstechendsten Begriffe, die inzwischen immer öfters durch andere, für Moslems „weniger anstössige“ Begriffe ersetzt werden. Einige Beispiele in verschiedenen Beispielssprachen (wie Türkisch, Arabisch, Bengali oder auch Indonesisch) sind auf dieser Seite zusammengestellt. Da die Übersicht leider nur in Englisch angeboten wird, wollen wir hier stellvertretend einen bekannten Vers – den Missionsauftrag von Matthäus 28:19 – aus einer türkischen Übersetzung (Incil-i Serif’in Yuce Anlami) grob zurückübersetzt ins Deutsche wiedergeben:

„Geht nun zu allen Nationen und trainiert mir Jünger und lasst sie sich reinigen durch die Waschung zur Buße zum Namen des Beschützers, seines Stellvertreters und des Heiligen Geistes.“

Vor einem Jahr hat nun die Presbyterianische Kirche Pakistans die Zusammenarbeit mit Wycliff/SIL beendet, da sie mit deren neuen Übersetzungsprinzipien nicht länger leben will. Das diesbezügliche offene Begründungsschreiben der Pakistani ist im Anhang wiedergegeben.

Auch Biblical Missiology nahm dies wohl zum Anlaß, eine Petition an drei der größten mit Bibelübersetzung in islamischen Ländern befassten Missionsgesellschaften zu starten, die bis heute noch weiterläuft (siehe HIER; eine deutsche Fassung der Petition gibt’s HIER zu lesen).

Biblical Missiology hat zu diesem kontroversen Thema weiterhin eine ergänzende Zusammenstellung mit weiteren Fakten herausgegeben und Interessierten zum Download angeboten (Fact Check: Biblical Missiology’s Response To Wycliffe’s Comments On “Lost In Translation” (PDF – nur in Englisch).

Anstelle eigener Beurteilungen wollen wir es bei der Wiedergabe zweier Betroffener belassen (übersetzt aus: (WORLD MAGAZINE, Feb 14, 2012, Boulder, Colorado, zitiert auch hier).

Fikret Bocek, früherer Moslem aus der Türkei:

Sie hören nicht auf uns,“ sagte er über die Missionsgesellschaften. „Sie kommen mit ihrenTheorien und sie gehen wieder mit ihren Theorien . . . Und wir sind schließlich die, die all ihre Fehler ausbügeln müssen.“

Edward Ayub, früherer Moslem aus Bangladesh:

„Ich will für die Bibel sterben,“ nicht für eine irreleitende Übersetzung. „Der Schaden für die Kirche, den sie jetzt anrichten, wird lange anhaltende Folgen haben.“

Anhang (Original HIER) – deutsche Übersetzung reblogged von HIER):

Pakistan: Presbyterianer contra kontextualisierte Bibel

von Ken Silva

Dr. Altaf Khan, Pfarrer der Presbyterianischen Kirche in Pakistan, distanzierte sich in einer offiziellen Pressemitteilung vom 8. Februar 2012 von den neuen Bibelübersetzungen der Organisationen Summer Institute of Linguistics (SIL) und Wycliffe Bible Translators für die islamische Welt:

„Ich, Dr. Altaf Khan, offizieller Sprecher der Presbyterianischen Kirche Pakistans möchte Sie auf die kürzlich veröffentlichten Bibelübersetzungen von Summer Institute of Linguistics (SIL) und Wycliffe Bible Translators aufmerksam machen.“

Die Kontroverse um die neuen Bibelübersetzungen begann, als das SIL erstmals die Vorstellung der Kontextualisierung einführte. Auf der Grundlage der Kontextualisierung beabsichtigte das SIL, die Begriffe „Vater“ und „Sohn Gottes“ in zukünftigen Übersetzungen durch Worte zu ersetzen, die von Moslems vor Ort akzeptiert werden können, aber damit ihre wahre biblische Bedeutung verlieren. Die Presbyterianische Kirche Pakistans (ca. 200 Kirchen) hat im November 2011 derartige Veränderungen in der Übersetzung öffentlich verurteilt. Die Presbyterianische Kirche Pakistans distanzierte sich mit deutlichen Worten:

„1. Die jahrhundertealten biblischen Übersetzungen, wie sie von unseren Vorvätern, von Missionaren und biblischen Institutionen hervorgebracht wurden, können und dürfen von der SIL und anderen ausländischen Organisationen, die Bibelübersetzungen durchführen, nicht für nichtig erklärt, abgeändert oder weggelassen werden.

2. Bevor das SIL Veränderungen an den derzeitigen Bibelübersetzungen vornimmt, muss es alle größeren Denominationen und kirchlichen Leiter informieren.

3. Die Lehre der Trinität ist und bleibt eine der grundlegenden Glaubensgrundsätze, die vom Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) beschlossen wurde. Eine solche gut belegte Lehre unseres Glaubens darf von keiner Organisation, die Bibelübersetzungen durchführt, missachtet werden.

4. Jegliche Veränderung in der Interpretation, die unsere fundamentalen Lehren substantiell verändert oder ins Gegenteil verkehrt, muss unterbunden werden, koste es, was es wolle.

5. Bestimmte Glaubensbekenntnisse und Glaubensüberzeugungen, die mit unserem Glauben rational in Verbindung stehen, dürfen nicht in Frage gestellt werden, um eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen.

6. Jegliches eigenmächtiges und willkürliches Vorgehen von Seiten des SIL oder einer anderen Institution, die Bibelübersetzungen durchführt, würde einen irreparablen Schaden für unseren Glauben, unsere Mitglieder und die Kirche weltweit nach sich ziehen.

7. Die Presbyterianische Kirche Pakistans wird bei Zuwiderhandlung aus Prinzip ihre Verbindungen zum SIL sowie anderen Institutionen, die Bibelübersetzungen durchführen, abbrechen, und zukünftig weiterhin auf allen Ebenen gegen ein solches Vorgehen protestieren.“ (englischer Originaltext hier).

Ferner ist zu beachten, dass diese pakistanischen Christen einen so entschiedenen Standpunkt einnehmen, weil sie in der Lage sind, die Übersetzungen (respektive die Fehlübersetzungen) in ihrer Landessprache zu lesen und eindeutig zu erkennen, dass die Begriffe „Sohn Gottes“ und „Gott, der Vater“ in ihrer Muttersprache falsch wiedergegeben werden.

(Siehe zu diesem Thema auch den deutschsprachigen Artikel: Bibelübersetzungen – Andere Worte für „Vater“ und „Sohn)

Übersetzungsprinzipien für das Wort Gottes

——-o——-

Fortsetzung HIER —>

* Denn es ist in der Schrift enthalten: „Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“  *Euch nun, den Glaubenden, ist die Kostbarkeit; den Ungläubigen aber: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden“, *und „ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ – die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Wort stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.“  (1Petrus 2:6-8)

Dieser Beitrag wurde unter Bibel - Das Wort Gottes, Mission & Evangelisation abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.