Das Evangelium des Herrn Jesus Christus (1)

Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1:15)

Das Evangelium, das Jesus verkündigte, war ein Ruf zur Jüngerschaft, ein Ruf, ihm in hingegebenem Gehorsam nachzufolgen. Es war nicht einfach die Bitte, eine Entscheidung zu treffen oder ein Gebet nachzusprechen. Jesu Botschaft befreite die Menschen von der Knechtschaft der Sünde. Er trat mit Seiner Botschaft entschieden der Heuchelei entgegen und verurteilte sie deutlich.

Jesu Verkündigung bot bußfertigen Sündern ewiges Leben und umfassende Vergebung an. Gleichzeitig war sie aber auch ein scharfer Verweis an religiöse Menschen, deren Leben die Früchte wahrer Gerechtigkeit vermissen ließ. Dieses Evangelium machte den Sündern deutlich, dass sie sich von der Sünde abwenden und Gottes Gerechtigkeit ergreifen müssen.

Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1:15)

Die Lehren unseres Herrn über das ewige Leben waren immer untrennbar verbunden mit Warnungen an solche, die versucht waren, die Errettung auf die leichte Schulter zu nehmen. Er lehrte sie, dass der Preis der Nachfolge hoch und der Weg schmal sei und wenige ihn finden würden. Er sagte, dass vielen, die ihn „Herr“ (gr. „kyrios“ – Gebieter, Herrscher, Eigentümer) nennen, der Eingang in das Himmelreich verwehrt sein würde (siehe Mt 7:13-23).

„Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die durch sie eingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.

…Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!“

Nicht erst in unseren „postmodernen“ Tagen werden diese Warnungen unter Evangelikalen im Großen und Ganzen ignoriert, ja oft vehement abgelehnt. Die verbreitete Vorstellung darüber, was rettenden Glauben ausmacht, wird zunehmend unschärfer und oberflächlicher, denn das „Evangelium“ muss ja für den in sich selbst verliebten modernen Menschen „attraktiv“ gemacht werden.

Dadurch wird aber auch Jesus Christus in Verkündigung und Zeugnis immer verschwommener. Jeder, der sich als „Christ“ bezeichnet, wird Evangelikale finden, die bereit sind, sein Glaubensbekenntnis zu akzeptieren, egal, ob sein Lebenswandel etwas von der Hingabe an Christus erkennen lässt oder nicht.

So ist der Glaube mit der Zeit zu einer rein verstandesmäßigen Angelegenheit degradiert. Statt Männer und Frauen zur Hingabe an Christus aufzurufen, wird bei Evangelisationen heute nur dazu aufgefordert, einigen grundlegende Tatsachen über Christus verstandesmäßig zuzustimmen.

Dieses oberflächliche Verständnis der Errettung und des Evangeliums mit seinem unverbindlichen Glauben steht in krassem Gegensatz zu den Lehren der Bibel. Anders ausgedrückt erfordert der Ruf des Evangeliums zum Glauben, dass Sünder für ihre Sünde Buße tun und sich der souveränen Herrschaft des Erretters Christi „anvertrauen“ (gr. „pisteuo“, „glauben“, „sich anvertrauen“, vgl. Joh 2:24), d.h. rückhaltlos ausliefern oder übergeben müssen. Einen anderen rettenden Glauben kennt das Wort Gottes nicht.

Es gibt viele Glaubensartikel, die im gesamten evangelikalen Lager bis vor kurzer Zeit als grundlegende Lehre anerkannt wurden. So herrschte zum Beispiel Einigkeit über die folgenden Wahrheiten:

  1. der Tod Christi – und er allein – erwirkte ewige Errettung
  2. die Geretteten sind allein aus Gnade durch den Glauben in Christus gerechtfertigt
  3. Sünder können sich Gottes Gunst nicht verdienen
  4. Gott erwartet keine der Errettung vorausgehende Erneuerung oder Werke,
  5. das ewige Leben ist ein Geschenk Gottes
  6. die Gläubigen sind bereits gerettet, bevor ihr Glaube irgendwelche gerechten Werke hervorbringt
  7. Christen können noch sündigen und tun es auch, manchmal sogar in einem unvorstellbaren Ausmaß.

Was sind nun aber darüber hinaus die Kennzeichen der Evangeliumsbotschaft Jesu, die immer mehr verwässert, abgelehnt oder gar bekämpft werden? In welchen anderen wesentlichen Punkten der Heilsbotschaft Jesu stimmen immer weniger Evangelikale überein?

Dass es wichtig – existenziell wichtig – ist, sich hinsichtlich des Wesens und der Botschaft des ein für allemal überlieferten Evangeliums gewiss zu sein, das dürfte uns eigentlich klar sein. Denn es geht ja buchstäblich um Leben oder Tod. Selbst Paulus warnte daher eindringlich und deutlich, selbst hinsichtlich seiner eigenen Person:

„Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, das kein anderes ist; nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen wollen.

Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!

Denn suche ich jetzt Menschen zufrieden zu stellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.“ (Gal 1:6-10)

In den folgenden Beiträgen sollen zunächst neun Unterscheidungsmerkmale zum biblischen Verständnis der Errettung und des Evangeliums aufgeführt.

(Fortsetzung folgt)

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Nach einer Veröffentlichung der Bibelgemeinde Berlin, „Errettung und Herrschaft Jesu Christi“, ergänzt und überarbeitet.

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