Lebensäußerungen einer gesunden Gemeinde (17)

Wie Esra werden:

Studiere das Wort – Gehorche dem Wort – Verkündige das Wort!

Helmut Mehringer

Zum Ende eines jedes Jahres komme ich in meinem persönlichen Bibelleseplan unter anderem immer zum Buch Nehemia. Immer wieder ist es für mich ermutigend und beschämend zu sehen, wie die aus der babylonischen Gefangenschaft Zurückgekehrten die Fertigstellung der Jerusalemer Stadtmauer feierten.

Das ganze Volk versammelte sich in Jerusalem und Esra, der Priester, sowie einige Leviten„lasen in dem Buch, in dem Gesetz Gottes, deutlich und gaben den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand“, und zwar „vom hellen Morgen bis zum Mittag.“ Erst anschließend ging’s ans freudige Feiern – aber auch das aus einem ganz anderen Grund, als man vielleicht annimmt: „Und das ganze Volk ging hin, um zu essen und zu trinken und Teile zu senden und ein großes Freudenfest zu begehen. Denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen kundgetan hatte.“ (Neh. 8:3-12).

War das etwas einmaliges? Nein, schon am folgenden Tag„versammelten sich die Häupter der Väter (Familien- bzw. Stammeshäupter) des ganzen Volkes, die Priester und die Leviten, zu Esra, dem Schriftgelehrten, und zwar um aufmerksam auf die Worte des Gesetzes zu hören.“ (9:13). Sie wollten „den ganzen Ratschluss Gottes“, soweit er insbesondere in den Büchern Mose geoffenbart war, kennenlernen – und tun! Ihnen war bewusst, dass Gott Sein Wort gab, damit Sein Volk Ihn selbst und Seinen Willen kennenlernt, um dadurch „zu jedem guten Werk“„völlig ausgerüstet“zu werde (2Tim 3:16-17).

Pompt entdeckten sie, dass das Volk Gottes schon seit langer Zeit versäumt hatte, das Laubhüttenfest aus tiefstem Herzen zu feiern. Daraufhin gab es keine Beratungen oder Konferenzen, keine Umdeutungsversuche oder was sonst heute so beliebt ist. Nein, sondern prompt gehorchten sie dem Gelesenen und„ließen [sie] es verkündigen und in allen ihren Städten und zu Jerusalem ausrufen und sagen… wie geschrieben steht!“ (8:14-15). Während der acht Tage wurde weiterhin„im Buch des Gesetzes Gottes Tag für Tag“ gelesen, „vom ersten Tag bis zum letzten Tag“ (8:18).

Das Hören des Wortes Gottes und seiner Auslegung bewirkte Lebensveränderung und ein Verlangen, Gottes Willen zu tun (Heiligung). Und die Folge davon ist, dass das ganze Volk „sehr große Freude“ hatte (8:17).

Aber dem nicht genug. Etwa zwei Wochen später „versammelten sich die Kinder Israel“ abermals, allerdings „unter Fasten und in Sacktuch gekleidet und mit Erde auf ihren Häuptern.“„Und sie …lasen im Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, ein Viertel des Tages. Und ein anderes Viertel des Tages bekannten sie ihre Sünden und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott.“ (9:1-3).

Das Hören des Wortes Gottes und seiner Auslegung bewirkte auch Erkenntnis, und zwar Gottes- und Selbsterkenntnis. Die Folge davon ist, das die eigene Sündhaftigkeit und Verdorbenheit erkannt und mit „leeren Händen“ Zuflucht bei Gott gesucht wurde (9:3ff).

Wie ist unsere – meine und deine – Haltung zum Wort Gottes? Ebenso wie die von jenen Israeliten? Wenn wir die Schrift ernst nehmen (wie jene), dann wissen wir, dass „alle Schrift“ der Bibel zu unserer Belehrung, Unterweisung, Zurechtweisung und Ausrüstung gegeben ist (2Tim 3:15-17).

Leider erleben wir es heute, das selbst in „evangelikalen“ Kreisen eine sogenannte neue „Demut“ populär wird, mit der das Wort Gottes als unvollkommen bezeichnet wird, weshalb man keine verbindlichen, sicheren Lehren und Feststellungen daraus ziehen könne. Ich befürchte, dass das nur eine weitere, moderne Variante der ersten Frage des Teufels ist: „Hat Gott wirklich gesagt…?“ (1Mo. 3:1).

„Demütig“ stellt so mancher immer mehr Aussagen der Bibel in Frage – und merkt dabei gar nicht, dass er sich damit – alles andere als demütig – über das ewige Wort Gottes stellt, anstatt sich darunter zu beugen, egal wie unzeitgemäß seine Aussagen sind. Und ganz „demütig“ verfällt man so einer neuen Variante der alten Verführung der Schlange: „Tu was du willst – bestimme selbst, was gut und böse ist – und sei dein eigener Gott!“ – Und freut sich vielleicht, im frommen, demütigen Gewand ein gottloses Leben führen zu können.

Mit Esra und den zurückgekehrten Israeliten in Jerusalem stellt uns Gott allerdings ein ganz anderes Vorbild vor Augen: „Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN…

(1.) zu erforschen und

(2.) zu tun und in Israel Satzung und Recht

(3.) zu lehren.“ (Esr. 7:10).

Gott ist immer der Selbe (Ps. 102:27; Jak. 1:17). Der Herr Jesus „ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Heb. 13:9). Wenn Er Seinen Nachfolgern „das Verständnis [öffnete], die Schriften zu verstehen“ (Lk. 24:45; vgl. 24:27.32), dann tut Er dasselbe auch heute noch.

Wenn wir uns Ihm mit leeren Händen und vorbehaltlosen Herzen unterwerfen und Ihn bitten, lehre mich Deine Weisungen“ (Ps. 119:12. 26. 33. 64. 66. 68. 108. 124. 135), um sie tun und weiterzusagen, dann werden auch wir staunend sagen dürfen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als Er …zu uns redete, und als er uns die Schriften öffnete.“ (Lk. 24:32).

Deshalb müssen Prediger das Wort Gottes verkünden, anstatt Geschichtchen zu erzählen, als religiöser Clown aufzutreten, der das Wort Gottes lächerlich macht, oder „relevante“ Ratschläge für die alltäglichen Wehwehchen zu bieten. Die Kraft liegt im Wort Gottes!

Und deshalb müssen wir alle, die wir treu unserem Herrn Jesus nachfolgen wollen, das Wort Gottes „zu gelegener und ungelegener Zeit“ (2Tim. 4:2) in unseren täglichen Begegnungen gebrauchen. Und das umso mehr, als wir bereits in einer Zeit leben, in der „die gesunde Lehre“ des Wortes von vielen „nicht ertragen“ wird (2Tim. 4:3).

Egal ob wir predigen, lehren, oder uns einfach mit Nachbarn, Bekannten oder Arbeitskollegen unterhalten: Unsere dreifache Aufgabe als treue Gläubige ist es, so wie Esra (Esr. 7:10)…

  1. das Wort Gottes zu lesen und zu studieren,
  2. die einfachen Aussagen des Wortes Gottes in unserem eigenen Leben umgehend und schonungslos anzuwenden – nicht nur äußerlich, sondern indem wir selbst „… jeden Gedanken gefangen nehmen unter  den Gehorsam gegen Christus“ (2Kor 10:5)
  3. und dann das Gelesene und Erkannte mit einfachen, aber klaren Worten vollständig weiterzusagen.

Alles weitere können – und sollen – wir dann getrost dem Heiligen Geist überlassen, denn Er – und Er allein – wird Sein von uns weitergegebenes Wort benutzen, um Leben zu verändern – sowohl das Leben Unbekehrter, als auch das von Gläubigen. Gott wirkt durch die „Torheit“ Seines Wortes (1Kor 1:18-31).

Zum Ende des Jahres erinnern mich Esra und die Rückkehrer in Jerusalem immer wieder daran, wie wir das Wort Gottes lesen, studieren, anwenden und weitersagen sollen. Deshalb beginne ich auch an jedem 1. Januar wieder einen neuen Ausdruck meines eigenen Bibelleseplans. Und deshalb sind auch die Geschwister hier in Südostasien, denen wir helfen dürfen, inzwischen ganz begeistert, bei jedem neuen „Durchgang“ durch die Bibel wieder ganz neue Dinge zu entdecken und zu verstehen – und dann gleich an viele, viele andere in ihrem Umfeld weitererzählen zu können. Diese einfachen Geschwister hier sind mir inzwischen täglich eine lebendige Erinnerung an die Jünger vor 2000 Jahren, denn auch in ihrem Leben sieht man dieselbe Erfahrung: „brannte uns nicht das Herz, …als Er uns die Schriften öffnete.“ Lass uns doch genau diese Erfahrung im neuen Jahr erstreben und dafür ausreichend Zeit im betenden Bibelstudieren investieren.*

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„Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“

(Heb 4:12-13)

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* Einen wertvollen – ansatzweise chronologisch geordneten – Bibelleseplan gibt es HIER in zwei verschiedenen Ausführungen zum downloaden!

<—  Teil 1  HIER                                                                        Fortsetzung HIER  —>

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