Lebensäußerungen einer gesunden Gemeinde (14)

Mission – Sendung und Führung durch den Heiligen Geist

(Wolfgang Bühne in FEST & TREU 3/2007)

„Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu welchem ich sie berufen habe. Da entließen sie sie, nachdem sie gebetet und gefastet und ihnen die Hände aufgelegt hatten. Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia, und von dort segelten sie nach Cypern.“

(Apg 13, 2–4)

Diese wenigen Verse über die Aussendung des Barnabas und Saulus – der ab Vers 9 in der Apostelgeschichte nur noch „Paulus“ heißt – leiten die erste Missionsreise dieser beiden Männer ein und markieren einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Apostel.

Bisher standen besonders Petrus und die Gemeinde in Jerusalem im Blickpunkt. Ab Kap 13 wird Petrus nur noch einmal erwähnt und der Dienst des Paulus tritt in den Vordergrund. Ausgangspunkt ist nicht mehr Jerusalem, sondern die junge Gemeinde in Antiochien, aus deren Mitte der Heilige Geist Männer beruft und aussendet.

In diesen Versen wird das wichtige Thema „Gemeinde und Mission“ behandelt und da wir uns heute im Allgemeinen weit von dieser biblischen Vorgabe entfernt haben, ist es wichtig genau zu beachten, was hier passiert.

Keine „Ordination“

Barnabas und Saulus waren bereits einige Jahre „vollzeitig im Werk des Herrn“ tätig – zunächst in Verbindung mit der Gemeinde in Jerusalem – dann über einen längeren Zeitraum in Antiochien, in dieser ersten „nicht-jüdischen“ Gemeinde.

Nun aber geht es um den besonderen Auftrag, das Evangelium nach Europa zu bringen. Beachtenswerter Weise geht der Befehl nicht an die Gemeinde, geeignete Männer „auszusenden“ oder „einzusegnen“, sondern Gott hatte diese beiden Männer „zu dem Werk berufen“.

Offensichtlich wussten Barnabas und Saulus um den Auftrag Gottes. Möglicherweise hatten sie den persönlichen Ruf für sich behalten und ihn nicht der Gemeinde mitgeteilt. Es kann aber auch sein, dass die in Vers 1 erwähnten „Propheten und Lehrer“ informiert waren aber zögerten, darin den Befehl des Heiligen Geistes zu sehen. Wir wissen es nicht genau …

Deutlich wird auf jeden Fall, dass der Heilige Geist dafür sorgte, dass es keinen Zweifel über die besondere Berufung dieser beiden Männer gab, indem er sowohl den Berufenen, wie auch der Gemeinde klare Befehle gab.

Paulus betonte später in Gal 1,1 ausdrücklich, dass er ein Apostel „nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater …“ war.

Gott bzw. der Heilige Geist ist es, der zum Dienst begabt und auch zur rechten Zeit in den Dienst beruft. W. MacDonald spricht in seinem Kommentar von der „Ordination durch die durchgrabenen Hände“. Damit bleibt der Diener vor allem dem Herrn verantwortlich und von ihm abhängig.

Die Auffassung und Praxis, durch „Ordination“ oder „Einsegnung“ eine Geistesgabe zu vermitteln oder zum Dienst zu autorisieren ist „römischer“ Sauerteig.

Keine Einzelgänger!

Der Heilige Geist möchte in den Gemeinden in jeder Beziehung Einmütigkeit und Harmonie bewirken. Er berief Barnabas und Saulus in aller Deutlichkeit zu einem besonderen Auftrag. Aber gleichzeitig sorgte er dafür, dass auch der Gemeinde, bzw. den „Propheten und Lehrern“ der Gemeinde die Absichten Gottes mit den beiden Missionaren deutlich wurden.

Wir finden hier ein sehr vorbildliches und ermutigendes Verhalten aller Beteiligten: Barnabas und Saulus preschten nicht ungestüm voran, nachdem Gott sie berufen hatte. Sie pochten nicht auf ihre „alleinige Abhängigkeit vom Herrn“, sondern rechneten offensichtlich vertrauensvoll damit, dass der Heilige Geist nicht nur ihnen, sondern auch den Mitgeschwistern deutlich machen würde, was sein Wille war.

Auf der anderen Seite finden wir keinen Versuch der Gemeinde, die beiden Männer abzuhalten, dem Ruf des Herrn zu folgen. Es war für sie sicher sehr schmerzlich, diese beiden geschätzten Brüder, denen sie so viel verdankten, abzugeben und ziehen zu lassen. Sie treten nicht „auf die Bremse“ und legen den Berufenen auch keine „Ketten“ an, sondern entlassen sie.

Gesegnete Folgen gemeinsamen Gebets

Die kurze Bemerkung „da fasteten und beteten sie“ macht deutlich, dass den Brüdern in Antiochien die Tragweite der Berufung sehr deutlich wurde. Sie debattierten nicht und stimmten auch nicht ab, um einen Mehrheitsbeschluss zu fassen. Sie gingen in die Stille, nahmen sich viel Zeit zum Gebet, verzichteten auf Annehmlichkeiten und vermieden jede Ablenkung und wurden darin einmütig, Gottes Willen zu erkennen.

Es ist sicher nicht unwichtig, dass wir in den wenigen Versen zweimal lesen, dass sie „dem Herrn dienten und fasteten“, bzw. dass sie „fasteten und beteten“.

Dieser kurze Abschnitt zeigt, das ernsthaftes Gebet und Fasten in engem Zusammenhang mit dem Wirken des Heiligen Geistes stehen. Und sicher wird hier auch deutlich, warum der Herr in unserer Zeit den Gemeinden so selten unmissverständlich seinen Willen deutlich machen kann. Ebenso, warum heute so selten Geschwister eindeutig vom Heiligen Geist berufen und von einer einmütigen Gemeinde zu ihrem Dienst entlassen werden – wenn auch mit einem halb weinenden und halb lachenden Herzen …

Das Reden des Heiligen Geistes!

Natürlich wüssten wir gerne, wie der Heilige Geist damals geredet hat. Haben die versammelten Brüder die Stimme akustisch vernommen oder hörten sie in ihren „Herzen“ das Reden Gottes? Bekamen sie in ihrem „Geist“ übereinstimmend eindeutige „Eindrücke“ vom Heiligen Geist?

Wir wissen es nicht genau. Möglicherweise hat der Heilige Geist die Propheten der Gemeinde benutzt, um seinen Willen unzweifelhaft deutlich zu machen. In der Zeit der Apostelgeschichte war die junge Gemeinde darauf angewiesen, dass der Heilige Geist seinen Willen durch die Apostel und Propheten offenbarte.

Heute haben wir das vollendete Wort Gottes als „Leuchte für unseren Fuß“. Trotzdem brauchen wir – besonders in den Fragen der persönlichen Führung – klare Wegweisung durch den Heiligen Geist – auch dann, wenn wir die Prinzipien des Willens Gottes durch Gottes Wort kennen, besonders in den Fragen der Partnerwahl, der Berufswahl, der Frage wie, wann und wo der Herr uns in seinem Dienst gebrauchen möchte, usw.

Wenn wir persönlich und auch als Gemeinde ein intensives Gebetsleben führen und auch das Fasten wieder in unser Bewusstsein aufnehmen, kann und wird der Herr deutlich zu uns reden und uns Wegweisung geben.

Ob Gott durch Umstände, Geschwister, durch eine übereinstimmende innere Gewissheit oder auch in bestimmten Fällen durch eine hörbare Stimme redet, das ist seine Sache. Wichtig ist, dass wir in enger Gemeinschaft mit dem Herrn lernen, seine Stimme von unseren eigenen Stimmen und Eindrücken zu unterscheiden und auch Wert darauf legen, dass nach Möglichkeit „jede Sache aus zweier oder dreier Zeugen Mund“ bestätigt wird und wir nicht im Alleingang aufgrund subjektiver Eindrücke vorschnell aufbrechen.

Die jüngere und ältere Kirchengeschichte liefert uns eine Menge mutmachender Berichte davon, wie Gott beruft und klare Führung schenkt. Man denke nur an den Missionsaufbruch der Herrnhuter im 18. Jhdt, an Männer wie Hudson Taylor, Georg Müller und andere im 19. Jahrhundert und an Brüder wie Watchman Nee und Baght Singh, usw. im vergangenen Jahrhundert.

„Die Hände lege niemandem schnell auf!“

In der Frage der Handauflegung macht der Zusammenhang deutlich, dass damit keine Bevollmächtigung, Ordination oder Aussendung ausgedrückt wird, sondern die Propheten und Lehrer mit ihrer Handlung – vielleicht auch stellvertretend für die Gemeinde – ihre Identifikation mit diesem Dienst und ihr Einverständnis mit dem Willen Gottes für Barnabas und Saulus ausdrücken.

Interessant ist auch, dass an dieser Stelle nicht von Handauflegung der Ältesten die Rede ist, obwohl möglicherweise einige dieser Brüder Älteste der Gemeinde waren. Es scheint so, als wollte uns der Heilige Geist durch diese Mitteilungen vor jedem Gedanken an Einsegnung, Ordination oder gar an „apostolische Sukzession“ bewahren.

Die Handauflegung durch die Brüder bedeutete nicht mehr und nicht weniger als dieses: „Wir erkennen, bejahen und bezeugen, dass der Heilige Geist Barnabas und Saulus zu einem besonderen Werk gerufen hat. Wir machen uns eins mit den Brüdern und ihrem Auftrag.“

Entlassen von Menschen und ausgesandt vom Heiligen Geist

Wenn heute „Aussendungsfeiern“ für künftige Missionare veranstaltet werden, dann ist das sicher gut gemeint und Gemeinschaft fördernd, aber missverständlich.

Nach biblischem Vorbild sollte man lieber von einer „Entlassungsfeier“ sprechen und damit die Verantwortung für den Weg und Dienst der Missionare in den Händen Gottes lassen.

Wenn eine Gemeinde oder eine Missionsgesellschaft aussendet, dann hat sie auch das Recht zurückzurufen oder den Dienst der Missionare zu dirigieren. Wie viele Gefahren und Nöte damit verbunden sein können, zeigt die Missionsgeschichte und besonders die Geschichte der Pionier- Missionare auf erschütternde Weise.

Die Diener des Herrn sind zuerst und vor allem dem Herrn verantwortlich, der sie gerufen hat und der verheißen hat, sie zu führen und zu versorgen.

Die Gemeinde ihrerseits hat den Auftrag, den Ruf des Herrn zu erkennen, zu akzeptieren und zu bestätigen, für die Missionare zu beten, wenn möglich materiell für sie zu sorgen und ihren Dienst seelsorgerlich zu begleiten.

Aber nicht als Auftraggebende, sondern als „Dienstleistende“.

„Sondert mir … aus!“ macht deutlich, wem die Missionare gehören und wem sie unterstellt sind.

„Gott und dem Wort seiner Gnade anbefehlen“

„… und von dort aus segelten sie nach Antiochien, von wo aus sie der Gnade Gottes anbefohlen worden waren zu dem Werk, das sie erfüllt hatten.“ (Apg 14,26)

William MacDonald schreibt in seinem Kommentar an dieser Stelle sehr treffend:

„Obwohl sie durch ihre Ortsgemeinde der Gnade Gottes empfohlen worden waren und auch von Ortsgemeinden unterstützt wurden, wurden sie doch nicht von ihren Ortsgemeinden kontrolliert. Sie waren des Herrn freie Verkündiger des gesamten Ratschlusses Gottes und hielten nichts zurück, das irgendwie von Nutzen sein konnte (Kap. 20,20).

Am Ende ihrer Missionsreisen kehrten sie in ihre Heimatgemeinde zurück und berichteten, wie Gott durch sie gehandelt hatte. Das ist für alle Missionare aller Zeitalter der Gemeinde ein gutes Vorbild, dem man folgen sollte.“

Es ist gut möglich, dass der damals sicher sehr bewegende Abschied von der Gemeinde in Antiochien Paulus tief beeindruckt hat. Sie wurden von den Geschwistern, denen sie ein Jahr lang im Segen dienen durften, der Gnade Gottes „anbefohlen“ oder „übergeben“. Unwillkürlich wird man an Apg 20,32 erinnert, wo Jahre später der Apostel Paulus die Ältesten der Gemeinde Ephesus zu sich rief und sie mit den Worten entließ: „Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade …“ (Apg 20,32).

Anschließend knieten sie nieder, beteten miteinander und nahmen unter Tränen Abschied. Ist es nicht bewegend und bedeutend, dass Paulus alle seine Briefe mit den Worten beendet: „Die Gnade sei mit euch allen!“ oder: „Die Gnade sei mir dir!“?

Die Gnade Gottes kann uns führen, bewahren und an das Ziel bringen. Nur die Gnade kann Einheit und Gemeinschaft unter Geschwistern schenken und bewahren. Wo immer Gemeinden von der Gnade Gottes geprägt sind, wird der Heilige Geist zu seiner Zeit Menschen in die Mission rufen – möglicherweise die, welche wir sehr ungern loslassen, weil wir glauben, sie seien bei uns nicht zu ersetzen. Wie gut, wenn wir uns dann gegenseitig der Gnade Gottes anbefehlen dürfen.

„Die Gnade sei mit allen, die Gnade unser’s Herrn,

des Herrn, dem wir hier wallen und sehn sein Kommen gern.

Auf Gnade darf man trauen, man traut ihr ohne Reu;

und wenn uns je will grauen, so bleibt’s der Herr ist treu.

Herr, lass es dir gefallen, noch immer rufen wir:

Die Gnade sei mit allen, die Gnade sei mit mir!“

Philipp Friedrich Hiller

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