Lebensäußerungen einer gesunden Gemeinde (11)

(Helmut Mehringer, in: Fest und Treu 3/2011)

Echte Liebe – Mangelware?

Was zu tun ist…!

Wie in vielen Gemeinden weltweit, so ist auch hier in Indonesien ein Hauptgrund für so viele Probleme ein sehr „menschlicher“ – nämlich gestörte zwischenmenschliche Beziehungen.

Oftmals geistlich „ummantelt“, sind es letztlich doch immer wieder die Beziehungen zwischen erlösten Sündern, durch die so viel Kraft und Zeit gebunden wird und an denen so vieles kaputt geht – bis hin zu ganzen Gemeinden. Der Teufel scheint diesen Bereich als eine seiner erfolgreichsten Waffen zu nutzen.

Natürlich wissen wir alle, dass wir die Geschwister lieben sollen. Oft sind wir sogar der felsenfesten Überzeugung, dass in der Gemeinde alles hervorragend laufen würde, wenn nur alle so liebevoll und geduldig wären wie wir selbst. Nur die anderen sind es, die es an echter Liebe fehlen lassen – redet uns unser altes Fleisch ein. So lässt uns das alte Ego immer genügend Gründe dafür finden, weshalb wir „die anderen“ nicht aufrichtiger lieben können – letztlich sind sie ja selbst schuld daran – sie müssten sich ja nur ein wenig ändern …

Doch Gott beurteilt die Sachlage anders: Jeder von uns hat eine große Verantwortung, besonders für die Geschwister unserer Gemeinden. Denn eines ist klar: Es wird wohl tatsächlich nicht genug geliebt – und daraus ergeben sich natürlich vielfältige Probleme.

Liebe zu den Geschwistern – Wie geht das eigentlich?

  • Wir wissen wohl, dass wir die Geschwister lieben sollen. Der Herr Jesus hat es uns als Gebot hinterlassen: Wir haben die Schuldigkeit, die Geschwister zu lieben (Joh 15,12.17; 1Joh 3,11.23). Es ist also unsere heilige Pflicht.
  • Die Begründung dafür ist, dass uns der Herr zuerst geliebt hat – sogar als wir noch Sünder und Feinde Gottes waren. Für solche unliebenswerten Feinde und Rebellen hat Er am Kreuz die Strafe getragen (1Joh 4,10.11; Röm 5,8). Es gibt also keine Ausrede, dass „die anderen“ so unliebenswert sind oder sich so lieblos verhalten.
  • Der Maßstab der Liebe ist zudem nicht irgendein vorbildlicher Gläubiger, sondern der Herr Jesus selbst! Ihn sollen wir zum Vorbild nehmen und das – unendliche – Maß seiner Liebe auch den Geschwistern gegenüber zeigen (Joh 13,34; 1Joh 2,6). Dabei gibt es auch keine „vernünftige“ Begrenzung der Liebe, denn sie geht bis zur Selbstaufgabe des eigenen Lebens (Joh 15,13). Somit kann es keine Ausrede geben – unser Herr Jesus selbst ist der Maßstab!
  • Unsere Liebe soll sich „in Tat und Wahrheit“ erweisen, nicht nur „mit Worten“ (1Joh 3,18). Sie muss sich also immer im praktischen Handeln, Sorgen, Helfen etc. beweisen, nicht im Reden darüber.
  • Diese praktische, dem Herrn Jesus nacheifernde Liebe ist dann auch ein Erkennungszeichen der wahren Erlösten gegenüber der ungläubigen Welt (Joh 13,35). Eine wahre, weithin sichtbare und erkennbare „Liebe zu allen Heiligen“ soll unsere Gemeinden kennnzeichnen, wie es früher beispielsweise für die Gläubigen in Ephesus und Kolossä galt (Eph 1,15; Kol 1,4).
  • Und schließlich ist diese praktizierte Liebe zu den Geschwistern auch als Ermutigung und als Warnung gegeben: Echte, wiedergeborene Gläubige lieben sich gegenseitig als Folge und Kennzeichen des neuen, ewigen Lebens, das sie erhalten haben. Wenn du das bei dir – wenigstens ansatzweise – feststellen kannst, dann kannst du ermutigt und sicher sein. Wenn nicht, dann ist es vielleicht ein ernstes Warnsignal, zu prüfen, wo du wirklich stehst (1Joh 2,9.11; 3,1415; 4,8.20; 5,1).

Welche Zeugniskraft hätten doch unsere Gemeinden in einer Welt, die immer liebloser wird und Christus ablehnt, wenn diese göttliche Liebe tatsächlich praktiziert werden würde!

Ein praktikabler Vorschlag

Diese kurzen Gedanken über die Lehren des Wortes Gottes zur gegenseitigen Liebe der Erlösten sind uns allen bekannt. Du und ich, wir lieben die Geschwister in unseren Gemeinden natürlich, da sie ja vom Herrn geliebt sind. Doch wenn das so ist, dann haben wir aber auch die Verantwortung, ihnen zu helfen, in der Liebe zu wachsen.

Wenn du deine Liebe zu ihnen praktisch beweisen willst, dann befolge einfach nachfolgenden einfachen, ganz praktischen, aber bestimmt wirkungsvollen Vorschlag. Als Nebeneffekt wirst du bestimmt feststellen, dass auch deine Liebe zu den Geschwistern wächst.

  1. Mach dir für deine tägliche persönliche Gebetszeit eine Liste mit drei Spalten. Diese Liste wird wahrscheinlich mehrere Seiten lang werden.
  2. In die erste Spalte schreibst du untereinander die Namen aller Gemeindeglieder.
  3. Die zweite Spalte überschreibst du mit „Gebetsanliegen“. Das ist der Platz für alle deine Kritikpunkte, die du an den einzelnen Geschwistern hast. Denn das sind alles Punkte, in denen sie in deinen Augen der Änderung bedürfen. Gebet ist dafür das wirksamste Mittel! Und wenn du sie liebst, dann musst du für alle diese Punkte beten, damit der Herr Veränderung schenkt. Diese Spalte wird wohl einigen Platz benötigen.
  4. Die dritte Spalte überschreibst du mit „Dank“. Das ist der Platz für all die positiven Aspekte im Leben deiner Geschwister, für die du dem Herrn danken solltest, wenn du sie wirklich liebst.
  5. Je nach Gemeindegröße kannst du täglich für alle Geschwister und die notierten Punkte beten und danken, oder du musst die Liste aufteilen. Dabei werden sich wahrscheinlich beständig Änderungen in deiner Liste ergeben: „Spalte-2 Punkte“ werden vielleicht nach und nach weniger, dafür „Spalte-3 Punkte“ mehr. Jedenfalls wird die Liste in Bewegung bleiben, solange du sie verwendest.

Wichtig ist, dass du regelmäßig die Geschwister und alles, was dir an ihnen auffällt, „durchbetest“. Denn du liebst sie ja und willst daher, dass sie auch dem Herrn Jesus ähnlicher werden und dass sie selbst die Geschwister mehr lieben lernen. Dazu werden deine liebevollen Gebete hilfreich sein.

Liebst du deine Gemeinde? Liebst du die Geschwister in deiner Gemeinde? Vorbehaltlos? Selbstlos? Ein bisschen so, wie der Herr Jesus? Dann verwende dich für sie so, wie auch unser Herr sich für uns verwendet und für uns eintritt, nämlich im Gebet (Röm 8,27.34; Hebr 7,25)!

Das ist ein Zeichen echter Liebe. Und es wird Auswirkungen haben – auf die einzelnen Geschwister und auf die Gemeinde, aber auch auf dich selbst – wenn du die Geschwister wirklich liebst: „Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.“ 1Joh 3,18

»Möchte Brudersinn an mir lieben, was Du [Gott] als liebenswert ihm zeigst, und an mir beklagen, was Du als beklagenswert ihm zeigst.

Doch das brüderliche Herz soll es tun, nicht eins, das draußen ist, keins von den Kindern der Fremde, deren Mund unnütz redet und deren rechte Hand eine Rechte der Bosheit ist.

Das brüderliche Herz aber freut sich über mich, wenn es mich loben kann, und trauert um mich, wenn es tadeln muss.

Denn mag es mich nun loben oder tadeln, es hat mich lieb.«

(Aurelius Augustinus | Bekenntnisse 10. IV.5)

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