Ein anderes Evangelium – Kurze Geschichte der Irrlehren und Sekten

Johannes Hagen (Angelbachtal)

In der Bibel stehen zwei Sätze, die mich immer wieder neu erschrecken. In Galater 1,8+9 heißt es: „Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würde, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn euch jemand ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“ Eine erschütternde Aussage.

Wenn wir dann noch an die Aussage Jesu in Matth. 7,21-23 denken, wo Jesus selbst sagt: „Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in Deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in Deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“, dann vertieft sich mein Erschrecken.

Obwohl die Galaterstelle klar gegen die gerichtet ist, die predigen oder verkündigen, schaden die Folgen der Verkündigung eines anderen Evangeliums auch denen, die es hören und darauf ihren Glauben aufbauen. Diese Stelle ist auch eine klare Warnung gegen die Theologen aller Zeiten, die mit ihren oft völlig unbiblischen Gedanken und Meinungen unzählige Menschen in den Irrtum und am Ziel vorbei verführen. In diesem Zusammenhang ist es von allergrößter Bedeutung, daß wir klar herausfinden, was sagt die Bibel wirklich, wie lautet also das wahre Evangelium, und was ist „Ein anderes Evangelium“.

Nun gibt es viele Bibelstellen, die man unterschiedlich auslegen kann, doch klären sich ihre Aussagen und ihre Bedeutung, wenn wir sie in ihrem Zusammenhang mit dem sie umgebenden Text betrachten und mit anderen Bibelstellen zum gleichen Thema vergleichen. Wir dürfen aber auch nicht das in 1.Kor.13,9 Gesagte übersehen, nämlich dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Das gilt auch für die angesehensten Theologen, besonders, wenn sie nicht unter der Leitung des Heiligen Geistes stehen. Andererseits kann der einfachste Mensch die Wahrheit des Wortes Gottes, der Bibel, und das, was sie ihm zu sagen hat, erkennen, wenn der Geist Gottes es ihm aufschließt. Beachten sollte man auch die Aussage aus Daniel 12,4: „Und du Daniel verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden.“

Aus den beiden, dem genannten Text Gal. 1. 8-9 vorausgehenden Versen 6+7 und auch aus Vers 9, geht nun klar hervor, dass es sich beim Evangelium um die frohe Botschaft der Berufung in die Gnade Christi handelt und um das, was durch Jesus Christus und die Apostel, einschließlich dem Paulus über Jesus und sein Erlösungswerk auch den Galatern verkündigt wurde.

Als Evangelium bezeichnet man also das, was Jesus selbst gelehrt hat und das, was im Neuen Testament über Ihn und Sein Erlösungswerk berichtet wird. Wichtige Aussagen dazu finden wir aber auch schon im Alten Testament in Verbindung mit dem Heilsplan Gottes, der bereits dort schon in vielen Aussagen erwähnt wird. Das Evangelium beschreibt nun den wichtigsten Teil dieses Heilsplanes Gottes.

Dieses Evangelium stand vom Anfang an unter den Angriffen Satans und der Mächte der Finsternis, die sich dabei der verschiedensten Gruppen von Menschen bedienten, angefangen von den religiösen Führern der jeweiligen Zeit bis zu den bewussten Gottesleugnern. Aber auch von den politischen Herrschern und anderen machtbesessenen Personen wurde es in all den Jahrhunderten bis in die Gegenwart verfälscht und mißbraucht.

Durch das ganze neue Testament, angefangen von den Warnungen Jesu in den Evangelien bis zu den Schreiben an die Gemeinden in der Offenbarung, finden wir Aussagen, die klar und eindeutig vor Verfälschung des Evangeliums durch Irrlehren und falsche Propheten, also vor einem anderen Evangelium, warnen. Auch Paulus hat in fast allen seinen Briefen immer wieder solche Irrlehren aufgedeckt und dagegen Stellung bezogen. Erschütternder Weise ist es Satan gelungen, schon den ersten Gemeinden durch Verfälschung des Evangeliums zu schaden und ihnen teilweise das Ziel zu verrücken. Diese Taktik wandte er durch die Jahrhunderte bis heute in mehr oder weniger erkennbarer, aber oft recht wirkungsvoller Weise an und zwar in ständig wachsendem Maße. Die Sekten und Sonderlehren mit ihrem anderen Evangelium, und selbst unsere Kirchen und Freikirchen sind auch heute mehr oder weniger davon betroffen. Ich möchte versuchen ein wenig diese Entwicklung aufzuzeigen:

Schon in der Apostelgeschichte Kapitel 8,6-16, kurz nach der Ausgießung des heiligen Geistes und der Gründung der Gemeinde, finden wir einen Ansatz zur Verkürzung des Evangeliums. Philippus predigt in der Hauptstadt Samariens und überzeugt die Leute durch größere Wunder und Zeichen als sie der Zauberer Simon tat. Wir lesen aber kein Wort mehr von Buße oder Bekehrung wie in den Predigten des Petrus in Apg. 2,38; Apg. 3,19; Apg. 3,26; Apg. 5,37. Die Leute in Samaria werden aufgrund ihrer Zustimmung zu dem, was Philippus verkündigte, ohne eine echte Bekehrung getauft, sogar der Zauberer Simon. Aber keiner von ihnen empfängt laut Vers 15+16 dadurch den Heiligen Geist.

Zeigt das nicht klar, dass man durch eine Taufe ohne echte Bekehrung die die Buße einschließt, weder die Wiedergeburt noch den Geist Gottes und damit auch nicht das ewige Leben empfangen kann. Das erklärt schon Jesus in Joh. 3,3-6 dem Nikodemus in klaren Worten, wenn Er ihm sagt, dass man ohne eine geistliche Wiedergeburt das Reich Gottes nicht sehen kann. Das bestätigt Er auch in Mark.16,16, wenn Er dort sagt, dass eine Taufe ohne Glauben, also ohne Bekehrung, nicht vor der ewigen Verdammnis bewahrt. Es ist auch erschütternd, was Petrus dem getauften Zauberer in den Versen 20-23 sagt.

Als nächstes erfahren wir in Apg.11, in den Versen 2+3+19 dass Satan den Juden einreden wollte, dass das Evangelium nur für sie und nicht für die Heiden sei. In 2+3 heißt es: „Und als Petrus hinaufkam nach Jerusalem, stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm und sprachen: du bist zu Männern gegangen, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen.“ Und in V. 19 steht: „Die aber zerstreut waren……verkündeten das Wort niemandem als allein den Juden.“ Aber der Herr zeigte dem Petrus in klarer Weise, dass das Evangelium auch den Nichtjuden gelte.

In Apg.15 lesen wir dann, wie eine neue Irrlehre den Christen in Antiochien das Evangelium verändern wollte. In V.1 steht: „Und einige kamen herab von Judäa und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden.“ Um die daraus entstandene Irrlehre zu beenden wurden Paulus, Barnabas und einige andere nach Jerusalem gesandt, um mit Petrus und den anderen Aposteln diese Frage zu klären. Auch dort heißt es dazu in V. 5: „Da traten einige von der Partei der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sprachen: Man muß sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“ Diese Verfälschung des Evangeliums konnten die Apostel unter der Leitung des Heiligen Geistes verhindern.

Wir lesen in der Apostelgeschichte auch von vielen anderen Angriffen Satans auf die entstehende Gemeinde. Die Warnung des Paulus an die Ältesten von Ephesus in Apg.20,30: „Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes lehren, um die Jünger an sich zu ziehen.“ sprach Paulus sicher aus tiefster Erfahrung.

Ganz besondere Probleme zeigten sich in der Gemeinde der großen Hafenstadt Korinth. Von ihr sagt Paulus in 1.Kor.1,7, dass sie keinen Mangel hatte an irgendeiner Gabe und ermutigt sie an der Gemeinschaft mit Christus festzuhalten. Aber schon drei Verse weiter beginnt er mit seinen Ermahnungen, und das nicht ohne Grund. In der Gemeinde gab es Spaltungen über die Lehre (1,10-12 und 11,18). Daraus erwuchsen Streitigkeiten, die die Gemeinschaft und die Liebe untereinander und zum Herrn zerstörten.

Paulus bezeichnet die davon betroffenen Gemeindeglieder als geistlich unmündig und fleischlich gesinnt, was sich in Eifersucht und Zank zeigte (3,1-4). Es herrschte Richtgeist (4,3-5), Überheblichkeit (4,7), sexuelle Unzucht schlimmer als unter den Heiden (5,1), Rechtsstreit vor weltlichen Gerichten (6,1-8), Hurerei (6,15-19 +10,8) und Streit über Speisen (8), Das Mahl des Herrn wurde in unwürdiger Weise gefeiert und teilweise waren Gemeindeglieder dabei betrunken (11,20-22). Dann waren ihre Ansichten über die Geistesgaben, mit denen diese Gemeinde ja nach Aussage des Paulus reich beschenkt war, wahrscheinlich sehr verwirrt, so dass Paulus in Kap.12-14 über ihre Bedeutung und ihren rechten Gebrauch sprechen musste und eine von Satan inspirierte Fehlleitung zu korrigieren hatte. Es wurde sogar an der Auferstehung der Toten gezweifelt (15,12). und Paulus musste dagegen eingehend Stellung nehmen.(Kap.15).

Es ist erstaunlich, wie es Satan gelungen ist, gerade den Inhalt des 1. Briefes an die Korinther bis heute und besonders in den letzten Jahrzehnten zur Entstehung von Irrlehren und zur Ursache so vieler Streitigkeiten und Spaltungen in den Gemeinden zu benutzen. Das, was Paulus dort kritisiert, wird heute oft als notwendig hingestellt. Denken wir nur an den Streit um die Sprachengabe und der Krankenheilungen, oder der Länge der Haare, sowie das Tragen von Kopftüchern und Hosen durch Frauen und anderes. Aber auch in anderen Gemeinden gab es Angriffe gegen das klare Evangelium und Versuche, es zu verfälschen, wie aus den verschiedenen Briefen auch anderer Briefschreiber zu erkennen ist. Vergessen wir auch nicht die Aussagen Jesu in den sieben Sendschreiben an die Gemeinden.( Offb.2,2+14+15+20-25; 3,3+9a+15-17 ).

Wesentlich wurde das Evangelium verändert durch den römischen Kaiser Constantin. Die grausamen Verfolgungen der Christen durch seine Vorgänger hatte die Christen nur gestärkt und enger zusammengeführt. Als er deshalb zu der Ansicht kam, dass die schwindende Einheit des zerfallenden römischen Reiches durch die Einheit der Christen wieder hergestellt werden könnte. erklärte er das Christentum zur Staatsreligion. Es wurde der Papst als angeblicher Nachfolger des Petrus zum vom Kaiser selbst abhängiges Oberhaupt der Christen eingesetzt. Nirgends in der Bibel finden wir ein Wort von einem Nachfolger des Petrus, noch war Petrus jemals Bischof in Rom. Für die Christen endete damit die blutige Verfolgung, aber eine viel größere Gefahr für sie tat sich damit auf. Christ wurde man nicht mehr durch den Glauben, sondern durch die Zugehörigkeit zum Römischen Reich, und damit zur römisch katholischen Staatskirche, die sich bald daraus entwickelte.

Die Päpste gewannen in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Macht und es gab eine Zeit, in der sich drei Päpste gegenseitig bekämpften. Ihrer anmaßenden Behauptung, dass sie die Stellvertreter Jesu auf Erden seien, widersprach ihr ganzes prunkvolles, gewalttätiges Auftreten und Handeln. Rücksichtslos ließen sie millionen Menschen ermorden, die nicht bereit waren, ihre Irrlehren und ihre Herrschaft anzuerkennen. Das Evangelium war verfälscht worden zu einem Machtmittel der „allein seligmachenden Kirche“.

Jesus Christus als alleiniges Heil war durch die Katholische Kirche und ihre Vertreter, sowie durch Maria und andere Heilige, ersetzt und zweitrangig geworden. In dem dadurch verfälschten Evangelium war nicht mehr das persönliche Verhältnis zu Jesus Christus wesentlich und entscheidend, sondern das Verhältnis zur Kirche und ihren Würdenträgern. Von ihrem Segen hing das Heil der Untertanen ab. Satan war es dadurch gelungen, die Glieder dieser Kirche in eine falsche Sicherheit zu wiegen und in eine völlig falsche Beziehung zu Jesus zu verführen. Auf die Rolle, die dabei der Heiligenkult und die Anbetung Marias spielen, was völlig unbiblisch ist, möchte ich nicht näher eingehen. Ein völlig anderes Evangelium diente damit den Mächten der Finsternis.

Mit der Ernennung des Christentums zur Staatsreligion durch Kaiser Constantin entstand aber auch eine andere Verfälschung des Evangeliums. Dadurch, dass jeder Bürger des römischen Reiches automatisch als Christ bezeichnet wurde, auch jedes im römischen Reich geborene Kind, wurde die Babytaufe eingeführt. Jesu Worte in Mark.16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, wird selig werden; wer aber nicht glaubt wird verdammt werden“, wurden von der offiziellen Kirche völlig ignoriert. Dadurch wurde das bis dahin zur Taufe erforderliche Bekenntnis zu Jesus Christus und zum Glaubensgehorsam abgeschafft. Leider gilt das noch heute für die großen Kirchen und schafft ein Namenschristentum und unbekehrte Christen.

Der nächste große Angriff Satans auf das Evangelium war die Entstehung des Islam. Auf der Suche nach der Wahrheit über Gott kam Mohammed sowohl mit dem jüdischen Glauben wie auch mit dem Christentum in Kontakt. Ihm wurde dann, angeblich vom Engel Gabriel, sicher aber von einem Dämon, der sich als Gabriel ausgab, oder von Mohammed so bezeichnet wurde, das „richtige Evangelium“ verkündet, weil die Christen nach dessen Aussagen das wahre Evangelium verfälscht hätten. Dabei wurde Christus als Heiland und Erlöser völlig ausgeschaltet und an Seine Stelle trat wieder ein Mensch, der „Prophet“ Mohammed. Den Glauben an einen Gott, der sich besonders in jenem Teil der Erde offenbart hatte, missbrauchte Mohammed, lehrte aber einen völlig anderen unbiblischen Gott mit völlig anderen Eigenschaften. Es entstand ein völlig anderes Evangelium, das, wie einmal die Päpste, nach Macht strebt und die Erde bis heute mit Gewalt und durch eine von Satan inspirierte Religion zu erobern sucht. Die weltweit angeblich im Namen Allahs verübten Morde und Verbrechen, zeigen, wes Geistes Kind der Islam ist.

Ein weiterer großer Schlag Satans gegen das Evangelium begann in der Nacht des 21. September 1823 im Staat New York. Dort erschien angeblich ein Engel mit dem Namen Moroni dem 17 jährigen Smith und nannte ihm einen Ort, an dem er eine Sammlung goldener Platten finden könnte. Diese Platten sollten ein Buch bilden, das die „Fülle des ewigen Evangeliums“ in einer geheimnisvollen Schrift enthalten würde. Eine beigefügte goldene Brille sollte den Jungen befähigen den Text zu entziffern. Mit Hilfe einer hoch kuriosen, teilweise kriminellen Geschichte entstand dann das Buch Mormon, das ein neues anderes Evangelium brachte und neben zwei anderen Büchern für die Mormonen heute das heiligste Buch ist. Die Mormonen bilden durch gewisse Riten eine Geheimsekte, die in manchen ihrer Riten Ähnlichkeit mit den Freimaurern hat (Ulrich Rausch, Die verborgene Welt der Geheimbünde S.405-455).

Die genannten Bücher enthalten Berichte von zwei Völkerwanderungen. Danach soll eine erste Gruppe etwa um 2250 vor Christus von Babel mit 8 großen Schiffen nach Amerika gekommen sein. Sie brachte sich in späteren Bruderkämpfen bis auf den letzten Mann um. Die zweite Gruppe soll der jüdische Prophet Lehi mit seiner Großfamilie gewesen sein, der ein Schiff baute und damit nach Amerika segelten. Von einem Teil seiner Nachkommen, denen Gott wegen ihres Ungehorsams gegen Ihn zur Strafe eine dunkle Haut gab, sollen die Indianer abstammen. Im Jahre 34 sei dann Jesus Christus zu denen gekommen, die Gott nicht abgelehnt hatten und brachte ihnen das „Evangelium“. Aber im Jahr 385 kamen alle bis auf Moroni in einer großen Schlacht ums Leben. Dieser Moroni erschien dann als Engel dem jungen Smith, um ihm das für Amerika bestimmte Evangelium zu übergeben. In dem einen dieser Bücher steht z.B. auch, daß Satan eigentlich auf die Erde kam, um die Menschen zu befreien, was ihm aber von Gott verweigert wurde. Ein sonderbares ewiges Evangelium.

Nur 9 Jahre nachdem Smith angeblich seine sonderbare Erscheinung hatte, verkündigte ab 1832 der damalige Baptistenprediger William Miller in einem intensiven Reisedienst, dass er den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu aus der Bibel errechnet habe, und dass Jesus spätestens am 21. März 1844 wiederkommen würde. Viele ließen sich überzeugen und erwarteten an diesem Tag den Herrn. Es entstand eine größere Bewegung, in der sich viele von ihrem Besitztum trennten. Als Christus nicht erschien und Millers Anhänger ihn stark bedrängten, verlegte er das Datum auf den 22. Oktober des gleichen Jahres mit der Begründung, dass in Israel der Frühling in einem anderen Teil des Jahres liege. Aber wieder wartete man vergeblich und Miller gab zu, daß er sich geirrt hatte. Wieder ein anderes unbiblisches Evangelium.

Seine Anhänger verließen ihm zum größten Teil und aus ihnen entstanden eine Reihe anderer Sekten oder Glaubensgemeinschaften, unter ihnen die Zeugen Jehovas, die Adventisten und die Neuapostolen. Ein Kern von etwa 50 Personen aber hielt zu ihm. Unter ihnen war eine Frau Ellen Gould, die sich als Prophetin ausgab. Sie behauptete, dass ihr ein Engel erschienen sei und ihr gesagt habe, dass Millers Berechnung stimme, aber Jesus sei nicht gekommen, weil die Sabbatentheiligung und die vielen Gesetzesbrüche das Kommen Jesu verhindert hätten. Daher sei Jesus zunächst nur in unsichtbarem Wesen gekommen, um die Erde zu reinigen und die abtrünnigen Christen zu bestrafen. Wieder ein anderes Evangelium.

Das führte zum Entstehen der Siebententagsadventisten, die heute noch den Sabbat und nicht den Sonntag feiern und jüdische alttestamentliche Speisegesetze halten. Sie haben sich seit ihrer Entstehung mehrfach in Tochtersekten gespalten und von ihren anfangs recht unbiblischen Lehren mehr und mehr der evangelischen Verkündigung genähert, wie es ja auch die Wachtturmgesellschaft mit ihren Anhängern, den „Zeugen Jehovas“ immer wieder tut.

Wie bereits erwähnt, bildeten sich aus den enttäuschten Anhängern Millers auch die Zeugen Jehovas, die sich früher als „Ernste Bibelforscher“ bezeichneten. Ihr Begründer Charles Russell stand wegen Betruges mit sogenanntem Wunderweizen, Falschaussagen und anderen Delikten mehrfach vor Gericht. Auch sie berechneten aufs neue die Wiederkunft Christi und legten zuerst das Jahr 1874 und danach das Jahr 1914 dafür fest. Als Jesus an beiden Daten nicht wiederkam, behaupteten auch sie, dass er unsichtbar erschienen sei und legten für sein sichtbares Kommen mehrfach neue Termine fest, so z.B. das Jahr 1975 für die Schlacht bei Harmagedon und den Beginn des Tausendjährigen Reiches mit der Wiederkunft Christi.

Auch dieser Termin traf nicht ein, sondern erweckte nur falsche Hoffnungen bei den Anhängern. Jesus selbst hat ja gesagt, dass Zeit und Stunde des Endes dieser Weltzeit und seiner Wiederkunft niemand weiß, außer Gott selbst und dass vorher alle Völker das Evangelium gehört haben müssen, was bis heute noch nicht geschehen ist. (Matth. 24,14)

In ihrer anfangs sehr falschen Lehre, wurde die Bedeutung Jesu und des Heiligen Geistes stark reduziert. Nach und nach haben sie sich in einigen ihrer Aussagen korrigiert und den biblischen Aussagen angepasst. Sie verkündigen aber noch heute, besonders bei ihren Besuchen von Haus zu Haus, viele unbiblische Lehren und berufen sich dabei auf eine eigne, zum Teil veränderte und von einem Medium geschaffene Bibelübersetzung. Für die Auslegung der Schrift ist nicht der Heilige Geist zuständig, sondern ihre Wachtturm-Gesellschaft.

Ihre ständige Betonung, dass man zur Anrede oder Anbetung Gottes nur den Namen Jehova benutzen darf, der aber eine falsche Übersetzung des Wortes Jachwe ist, was einfach Herr bedeutet, ist recht unbegreiflich. Für Gott wird dieser Titel im Alten Testament meist mit einer zusätzlichen Bezeichnung gebraucht und Gott auch mit vielen anderen Namen bezeichnet. z.B. El, Elah, Elohim, Adon, Adonai, El Shaddai, El Elyon, El Olam, und El Gibbar. Dann sagt Jesus: „Wenn ihr betet, so sprecht: „Vater unser“ und Er selbst nennt Gott nirgends in der Bibel Jehova. Man kann dabei auf den Gedanken kommen, dass die Zeugen mit dem Wort Jehova = Herr, möglicher Weise den anbeten, den Jesus als den Herrn oder Fürst dieser Welt bezeichnet, den Satan. Man hat auch immer wieder bei Gesprächen mit ihnen den Eindruck, dass es ihnen nicht um die Gewinnung von Menschen für die Gemeinde Jesu, sondern um Mitglieder für ihre Wachtturm-Gesellschaft geht und man nur durch Zugehörigkeit zu dieser ewiges Leben empfangen kann. Nach dem Evangelium sollen wir aber Zeugen Jesu Christi sein und haben für diesen Auftrag den Heiligen Geist empfangen.

Auch die Neuapostolen sind aus den enttäuschten Nachfolgern Millers entstanden. Nach ihrer Lehre wird Christus heute durch die von ihrem Stammapostel gewählten Apostel vertreten. Ihr vor einigen Jahren verstorbener Stammapostel hatte ja auch behauptet, dass Jesus noch vor seinem Tod wiederkommt. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Sekten und Religionsgemeinschaften, die ein verändertes Evangelium verkündigen. Erwähnt seien von diesen die Christliche Wissenschaft und die Christengemeinschaft.

Leider finden wir auch in der Evangelischen Kirche und in den Freikirchen Lehren, die von der Bibel und dem wahren Evangelium abweichen. Denken wir nur an die Lehre, dass man durch die Besprengung mit ein paar Wassertropfen Christ wird und dadurch das ewige Leben erhält, oder an einige Lehren der Charismatischen- oder Pfingstbewegung. Dort findet man falsche Aussagen über die Anwendungen der Geistesgaben, des Zungenredens und die Gabe des Heilens. Im ganzen Neuen Testament ist keine Stelle genannt, in der jemand außer dem Herrn Jesus und den von Ihm besonders bevollmächtigten Apostel geheilt hat. Es heißt mehrfach, dass die Apostel Zeichen und Wunder taten. Ich habe auch keinen Auftrag Jesu gefunden, dass die Gemeinde heilen soll. Als die Tabea starb, rief man Petrus von Lydda, wo er gerade einen Gelähmten geheilt hatte, nach Joppe, um der Tabea zu helfen. Dass Gott die Gebete Seiner Kinder um Heilung millionenfach erhört, kann man heute noch ständig auch bei uns und besonders in den weniger entwickelten Teilen der Erde erfahren, wo medizinische Hilfe heute noch rar ist. Aber dass Leute sich damit einen Namen machen, bestätigt die Warnung des Paulus an die Ältesten von Ephesus, dass Männer aus den Reihen der Gemeinde aufstehen werden und Falsches lehren, um die Gläubigen an sich zu ziehen, (Apg.20,30). Jesus hat ja in Math. 24,24 und an anderen Stellen klar vor den falschen Propheten und besonders vor denen in der Endzeit gewarnt. An einer Reihe anderer Verfälschungen des Evangeliums ist auch zu erkennen, wie sehr Satan daran interessiert ist, der Gemeinde zu schaden.

Aber auch selbst in den Brüdergemeinden und bei den Baptisten findet man ein verändertes Evangelium. Besonders bei den russischen Baptisten, gibt es Lehren, die aus einem falschen Verständnis oder ungenügender Kenntnis der Aussagen der Bibel zu einem verzerrten oder anderem Evangelium führen.

Zu den Veränderungen des Evangeliums bei einigen Freikirchen gehört auch die Lehre von der Allversöhnung, die meines Erachtens aus der Sorge um ungläubige Angehörige, sowie aus dem Zusammenhang gerissener und falsch ausgelegter Bibelstellen entstanden ist. Ich habe bei meiner Beschäftigung mit dieser Lehre etwa 70 Bibelstellen gefunden, die gegen sie Aussagen, 33 davon allein von Jesus und 17 von Paulus.

Es ist auch eine Tragik, dass von den meisten Kanzeln in unserem Land heute nicht mehr das klare, unverfälschte Evangelium verkündigt wird, sondern eine, den menschlichen Wünschen, den kirchlichen Interessen und den sozialen und politischen Forderungen angepasste Religion. Aus zwanzigjähriger Erfahrung in Afrika weiß ich, dass in vielen Teilen der Dritten Welt dagegen, wo die Gemeinde Jesu Christi noch im Entstehen ist, oder sich in den ersten Generationen befindet, das Evangelium weitaus klarer verkündigt wird und die Gemeinden dadurch in für uns fast unvorstellbarer Weise wachsen. Leider wird es aber auch dort schon in vielen Fällen durch Irrlehren verfälscht, die meist von den sogenannten christlichen Ländern importiert werden.

Wie können wir nun das echte Evangelium von einem „anderen Evangelium“ unterscheiden und wie schützen wir uns vor Irrlehren und den Angriffen Satans?

Der sicherste Weg ist eine ständige Prüfung dessen, was wir hören oder lesen, ausschließlich am Wort Gottes der Bibel. Dabei ist ein fortlaufendes, gründliches Bibelstudium unter der Leitung des Heiligen Geistes erforderlich. Das setzt auch eine persönlich geistliche Beziehung zu Jesus Christus und damit zu Gott und Seinem Heiligen Geist voraus.

All die Spaltungen und Sekten innerhalb der sogenannten Christen und alle geistliche Not oder Abwendung von Gott und Seinem Wort und alle Verkündigungen eines „anderen Evangeliums“ haben ihre Ursache darin, dass die Menschen der westlichen Welt keine Zeit mehr haben, sich mit dem Wort Gottes unter der Leitung des Heiligen Geistes eingehend und regelmäßig zu beschäftigen. Wohin eine solche Haltung führt und die Menschen mehr und mehr unter die Herrschaft der Mächte der Finsternis bringt, können wir täglich aus den Nachrichten in den Medien und auch in unserer Umgebung erkennen. Dass auch unser Land durch seine Abwendung von Gott in immer größere geistliche und materielle Not gerät, ist wohl ständig zu beobachten. Jesus sagt ja, dass am Ende der Zeit neben den falschen Lehrern und Propheten auch die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird und Paulus schreibt an Timotheus:

„Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott, sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie;“ (2.Tim. 3,1-5)

Denken wir noch einmal an Jesu Worte:

„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in Deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in Deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie gekannt; weicht von mir ihr Übeltäter!   (Matth. 7,21-23 )

Möge der Geist Gottes uns Sein Wort im persönlichem Bibelstudium und in der Gemeinde so klar öffnen und recht erkennen lassen, dass es dem Teufel nicht gelingt, uns am Ziel vorbei zu führen und wir, wie Paulus es ausdrückt, nicht vergeblich gelaufen sind.

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(reblogged von AKTUELL – BIBLISCH – FUNDIERT, 03.08.2011)

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