Der wirkliche Wert eines Buches – Beurteilungskriterien von Richard Baxter

Richard Baxter (1615-1691)

(in English here!)

Wähle die Bücher, die du lesen willst, sorgfältig aus!

„Lass das Wort Gottes immer den Vorrang haben. Daneben kommen dann gleich die fundierten, lebendigen und himmlischen Abhandlungen, die die Schrift auslegen und anwenden. Danach kommen dann zuverlässige Werke über die Geschichte, vor allem über die Geschichte der Gemeinde Jesu… Hüte dich bei alledem aber vor falschen Lehrern, die deine Gedanken verderben würden.“

(1)   Nachdem der Heilige Geist in der Heiligen Schrift viel klarer in Erscheinung tritt als in jedem anderen Buch, so hat die Schrift auch viel mehr Kraft und Fähigkeit, um Ihn zu uns sprechen zu lassen und uns geistlich wachsen zu lassen, indem sie sich in unsere Herzen und Gedanken einprägt. Nachdem im Wort Gottes außerdem von Gott selbst ist, wird es uns viel besser mit Gott vertraut machen, uns Ihm näher bringen sowie uns ehrfürchtiger, ernster und göttlicher machen.

Lasst die Heilige Schrift immer zuerst in unseren Herzen und Händen sein – und lasst uns die andere Bücher als ihr untergeordnet lesen.
Die Bemühungen der Teufels, dich von ihr fern zu halten, zeigen deutlich, wie wichtig und begehrenswert die Heilige Schrift für dich sein sollte.

(2)   Die göttlichen Schriften sind nichts anderes als Evangeliumspredigten für das Auge, so wie die Stimme des Predigers es für das Ohr ist.

Eine Predigt, die den Zuhörern vorgetragen wird, ist am besten dazu geeignet, das Gewissen anzusprechen und sich am jeweiligen Zustand der Gemeinde auszurichten. Auf diese Art kommt sozusagen die Milch warm von der Brust.

Bücher haben allerdings einen anderen Vorteil: Auch wenn du in deiner Gemeinde nur einen durchschnittlichen Prediger hast, kannst du durch gute Bücher auch große Prediger lesen. Nicht jede Gemeinde hat das Vorrecht, großartigen, geistlichen Predigern zuhören zu können. Aber jeder kann Bücher von außerordentlichen Verkündigern lesen.

Prediger können mundtot gemacht oder gar verbannt werden, aber deren Bücher sind immer noch zu lesen.

Bücher können auch billiger sein als der Prediger. Wir können die Bücher auswählen, die genau über das Thema sprechen, an dem wir interessiert sind, aber wir können uns nicht aussuchen, über welches Thema der Prediger reden wird.

Bücher können wir auch ständig zur Hand haben, wann auch immer – Predigten dagegen können wir nur zu bestimmten Zeiten hören.
Wenn Predigten einige Zeit nach dem Hören vergessen werden, dann sind sie weg. Ein Buch aber können wir immer und immer wieder lesen, bis wir es fast auswendig können, und wenn wir es doch wieder vergessen haben dann können wir es wann immer es uns passt wieder lesen.

(Anmerkung:  All das hat sich in unseren Tagen mit dem bis in die hintersten Winkel der Erde verfügbaren Internet natürlich geändert. Sowohl können wir uns Predigten großer Männer nach gewünschtem Thema oder Bibelstelle aussuchen und herunterladen – und wir können sie anhören wann immer und sooft wir wollen. Daher gelten die genannten Vorteile eines guten Buches heute mit Einschränkungen auch für aufgezeichnete und im Internet verfügbare Predigten – aber nur für solche. Dennoch vermittelt ein gedrucktes Buch doch oft einen nachhaltigeren und anhaltenderen Eindruck der gepredigten Botschaft.)

Deshalb sind gute Bücher ein wirklicher Segen für die Menschen:
Der Heilige Geist hat den Weg der Schrift gewählt, um seine Lehren, Wahrheiten und Gesetze für die Gemeinde für alle Generationen aufzubewahren, weil er wusste, dass das der einfachste und sicherste Weg dafür ist, verglichen mit der ausschließlich gesprochenen Übermittlung.

(3)   Bei alledem brauchst du aber einen urteilsfähigen Lehrer, der dir zeigt, welche Bücher lesenswert sind und vor welchen man sich hüten sollte. Denn unter christlichen Büchern findet man manche gute, die wirklich zuverlässig, treu und förderlich sind, aber auch solche, die nur mittelmäßig oder einfach nur hohl sind. Man findet viele, die die Wahrheit präsentieren, aber gut gemischt mit fatalem Irrtum oder unzuverlässigen gewagten Aussagen, die den Leser oft mehr verwirren oder abirren lassen, als ihn zu belehren und zu erbauen.

Daher, wenn du ein Buch liest, frag dich immer selbst:

  1. Könnte ich meine Zeit besser verbringen?
  2. Gibt es vielleicht besser Bücher, die mich besser belehren, ermahnen und auferbauen könnten?
  3. Sind die Liebhaber dieses Buches auch außerordentliche Liebhaber von Gottes Buch und eines geheiligten, reinen Lebens?
  4. Hilft mir dieses Buch, dass meine Liebe zu Gott wächst und Sünde in mir getötet wird? Bereitet es mich für das zukünftige Leben vor?

(Anmerkung: heutzutage muss man sich diese Fragen natürlich auch immer hinsichtlich des „geistlichen“ Gebrauchs von Internet, Fernsehen und allen möglichen Freizeitaktivitäten und „Zeitvertreib“ stellen, leben wir doch diesbezüglich in einer viel gefährlicheren Zeit als Baxter.)

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Übersetzt aus: Banner of Truth, Issue 11, June, 1958, p.1;

veröffentlicht in:

http://www.puritansermons.com/baxter/baxter30.htm

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