Das Wort systematisch lehren und predigen

Lieber Bruder xxxxx,

es freut mich zu hören, dass ihr motiviert worden seid, in der Gemeinde in
der Bibelstunde systematisch und fortlaufend anhand von biblischen Büchern vorzugehen. Genau das ist mir immer ein Gebetsanliegen, nämlich das das ganze Wort Gottes gelehrt und gepredigt wird, nicht nur Lieblingsthemen oder menschliche Mode-Erkenntnisse. Gerne gebe ich dir dazu ein paar Hinweise, die mir wichtig geworden sind:

 (1) Zielsetzung

Vor detaillierten Planungen in dieser Sache wäre ein gemeinsames ZIEL hilfreich.

Mein persönliches ZIEL wäre es z.B., in der Gemeinde mit den Geschwistern „den gesamten Ratschluss Gottes“ (Apg. 20:27) zu lehren und zu studieren, d.h. das gesamte Wort Gottes. Hilfreich wäre da natürlich, mit dem NT zu beginnen, das von sich aus zunächst einmal viele Rückbezüge auf das AT bringen wird. Warum aber so was „Altmodisches“ und „Überholtes“?

(a) Das Wort Gottes ist und bleibt die von Gott eingegebene, völlig zuverlässige und völlig ausreichende Grundlage sowohl für die Errettung von Menschen als auch für die Ausrüstung und Unterweisung der Gläubigen in allen Aspekten eines Gott gefälligen Lebens. Das Wort Gottes in seiner Gesamtheit und in seinem Gesamtzusammenhang ist es daher, das gelehrt, gepredigt, studiert und gelebt werden muss.

„…die heiligen Schriften kennst, die imstande sind, dich weise zu machen zur Errettung durch <den> Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in <der> Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.“ (2Tim 3:15-17)

Wenn wir tatsächlich ein Buch nach dem anderen, Vers für Vers durchstudieren und -predigen, dann bleibt es nicht bei Lieblingsabschnitten oder -themen, sondern dann werden wirklich alle Aussagen des Wortes behandelt, auch unbeliebte oder gerne gemiedene.

Und: jeder der Anwesenden (auch Un- oder Scheingläubige) bekommen so (hoffentlich) durch JEDEN Abschnitt der Bibel die Lehre des gesamten Ratschlusses Gottes mit, die ausrüstet zu JEDEM guten Werk der Gläubigen, aber gleichzeitig auch weise macht zur Errettung der Ungläubigen. Das fasziniert mich immer, diese Einheit des vollmächtigen,
vollständigen, vom Hl. Geist eingegebenen und verwendeten Wortes Gottes.

(b) Die Bibel als verlässliche und einzige Grundlage des „ein für allemal den Heiligen überlieferten Glaubens“ (Jud. 3) ist gerade in unserer Zeit um so nötiger, als ihr Anspruch und ihre Aussagen durch das „aufkommende“ postmoderne Christentum auch in ehemals als „konservativ“ bekannten Gemeindekreisen nachdrücklich – wenn auch geschickt getarnt – angegriffen und schleichend ersetzt werden – und alle, die da nicht
mitmachen, als „Fundamentalisten“ in die „Schmuddlecke“ stellen.

Wir haben daher die Verantwortung, Acht zu haben „auf die ganze Herde, in die euch der Heilige Geist als Aufseher gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die Er sich erworben hat durch das Blut Seines Eigenen“ (Apg. 20:28).

Paulus ermahnte daher schon die Hirten in Ephesus…

„Ich weiß, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte <Dinge> reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Darum wacht, und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.“ (Apg. 20:29-31).

…und Timotheus:

„Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden  die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden. (2Tim. 4:2-4)

Das gesamte Wort Gottes in seinem Zusammenhang ist daher die Grundlage, die wir den Gemeindegliedern vermitteln, wertschätzen und lieb machen müssen. Wir werden einst vor unserem Herrn Rechenschaft ablegen müssen (Heb. 13:17).

„Die Summe des Wortes ist Wahrheit.“ (Ps. 119:160).

(2) Planung

Wenn wir das o.a. Ziel tatsächlich erreichen wollen, sollten wir uns auch einen Plan dafür machen, wie wir das Ziel bestmöglich erreichen können. So wäre es gewiss hilfreich, zumindest für eine überschaubare Zeit im voraus eine Art von Lehr- und Studienplan zu machen. Ein solcher Plan soll natürlich kein festzementiertes „Gesetz der Meder und Perser“ sein, aber eine Richtschnur, an der sich alle Geschwister orientieren können.
So gibt es Gemeinden, die sich im Gebet vor dem Herrn jeweils für 5 Jahre im voraus einen solchen Plan geben, um es einfacher zu machen, auf dem Weg zum Ziel zu bleiben.

Je nach Bedarf können natürlich aufkommende Sonderthemen eingeschoben werden, oder gleich zwischen den einzelnen Büchern Raum für solche eingeplant werden.

Hier in Indonesien haben wir auch schon einen kleinen Plan, seit etwa 3 Jahren. Die Geschwister sind begeistert davon, und selbst Gast-Predigern wird im voraus der Plan erläutert, d.h. sie brauchen sich keine Gedanken zu machen, was sie predigen sollen, sondern dürfen den jeweiligen Textabschnitt auslegen und predigen

(3) Durchführung

Um das Ziel zu erreichen sollten wir uns nicht nur einen Plan als Hilfestellung machen, um auf Kurs zu bleiben. Wir sollten dann auch alles darauf ausrichten, das Ziel bestmöglich, mit größtmöglichem „Gewinn“ für alle zu erreichen.

Dazu sollte gehören, dass sowohl die Bibelstunde unter der Woche als auch die Predigt am Sonntag diesem Ziel dienen sollten.

(a) In der BIBELSTUNDE wird der Textabschnitt gemeinsam studiert, erarbeitet, ausgetauscht etc. Dazu kann folgendes helfen:

(i) Die Geschwister bereiten sich auf den Textabschnitt vor – sie studieren ihn zu Hause, beten darüber, machen sich Notizen (Erkenntnisse, Fragen, Zusammenhänge) etc. Evtl. Könnte sogar vor Beginn eines neuen biblischen Buches ein „Studienleitfaden“ mit einigen wenigen zielgerichteten Studierfragen als Hilfe für dei einzelnen Wochenabschnitte ausgegeben werden

(ii) Jede BIBELSTUNDE wird von einem Bruder geleitet, der zunächst eine kurze (15-20 min) Einleitung zum Abschnitt gibt (Wiederholung von der Vorwoche, Zusammenhang im gesamten Buch, geschichtliche und/oder lehrmäßige Aussagen, etc.) Anschließend leitet er den gemeinsamen Austausch (gezielte Fragen, auf-Kurs-halten bzw. -zurückbringen, etc.) und denkt dabei auch an praktische Anwendungen im persönl. Leben.

(b) Am SONNTAG hat ein anderer Bruder die Aufgabe und Möglichkeit, den selbsn Textabschnitt zu vertiefen und sich vom Herrn die angebrachten Schwerpunkte und Anwendungen, Ermunterungen, Aufforderungen etc. zeigen zu lassen.

Die Geschwister – so sie der Bibelstunde folgen oder den Abschnitt zumindest selbst über die Woche studieren – haben den Vorteil, mit dem Textabschnitt schon etwas vertraut zu sein, um so größeren Gewinn aus der Predigt zu ziehen.

(c) Die Predigten können/sollten aufgezeichnet werden, um so nach und nach, zusammen mit evtl. Studienheftchen von der Bibelstunde, eine systematische Gemeinde-Bibelauslegungs-Predigtarchiv (evtl als MP3 platzsparend auf wenigen DVDs) zu bekommen. Neu zur Gemeinde hinzukommende Geschwister können sich da auch im Nachhinein Predgiten über bereits studierte und gelehrte Bücher anhören.

(4) Ergänzung

Wenn – oder sobald – Kräfte frei oder vorhanden sind, sollte m.E. das o.a. langfristige Programm ergänzt werden durch praktische Angebote „Hilfe zur Selbsthilfe“:

(a) Allgemein – Unterweisung & Training:

Wie studiere ich die Bibel selbstständig mit Gewinn (das war hier in Indonesien gleich der zweite längere Lehr- und Trainingsabschnitt für die Geschwister, und sie schätzen es sehr.) Das ist wichtig für jeden, um das Wort in der persönlichen stillen Zeit und im pers. Studium „gewinnbringend“ zu studieren und dabei „gerade zu schneiden“, d.h. im Kontext der Bibel auszulegen und zu verstehen. Das ist aber umso wichtiger für die Brüder, die die Bibelstunden leiten und sich darauf vorbereiten.

(b) Besonders: Vom Textstudium zur Auslegungspredigt:

Das ist eine Fortsetzung von (a) für die Brüder, die Sonntags auch am Wort dienen, d.h. sich vom Herrn als Sein Sprachrohr zur Auslegung und Anwendung eines Textabschnitts gebrauchen lassen. Dies kann sowohl für „altgediente Hasen“ zur Vertiefung und Auffrischung sein, aber auch für solche Brüder, die sich für diesen Dienst der Wortverkündigung interessieren oder selbst verwenden lassen wollen.

(Auch das habe ich hier in Indonesien praktiziert. Die Brüder sind begeistert, auch ohne Verwendung von Kommentaren, nur mit Bibel und Konkordanz bewaffnet, selbst das Wort studieren und auch sehr gut am Sonntag weitergeben zu können!)

Aber: Das alles ist natürlich nur für die, die „willigen Herzens“ sind (2Mo. 25:2,
35:5,22,29), und kein Zwangsprogramm.

So, das war’s erstmal was ich dir (bzw. euch) als erstes ans Herz legen wollte.

Möge der Herr euch weiter führen, anspornen und ermutigen, Seinen ganzen Ratschluß zu lehren und für den ein für allemal den Heiligen übermittelten Glauben zu kämfen, auch wenn beides immer unpopulärer wird.

Dein Helmut (Mehringer)

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