Eine revolutionäre und befreiende Wahrheit (3)

Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte!  (1. Kor. 7:23)

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Es war und blieb die Stellungnahme Jesu unter den Menschenkindern. Nie leitete ihn Eigenwille, nie knechtete ihn der Menschen Wille.

Ganz gebunden an Seinen Vater in den Himmeln, ging Er beinahe losgelöst von jeder menschlichen Beeinflussung. Bedeutete es nicht geradezu die Beiseitesetzung der natürlichen menschlichen Blutsbande und nahezu die grundsätzliche Loslösungvon der Familie, als Er Seine Mutter mitsamt seinen ihn suchenden, draußen stehenden Brüdern mit der Frage abwies: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder!“ und die Hand über Seine Jünger ausstreckend: „Siehe, meine Mutter und meine Brüder…!“ (Matth. 12:46-50).

Welche, man möchte beinahe sagen, rücksichtslose Abweisung berechtigter menschlicher Ansprüche, wenn sie irgendeinen göttlichen Anspruch störten! Desgleichen die Antwort an jenen, der sich freiwillig zur Nachfolge stellte, aber zuvor seinen Vater begraben wollte: „Laß die Toten ihre Toten begraben…!“ (Matth. 8:22). Und welcher Ärgernis erregende Abbruch aller menschlichen Beziehungen zu Nazareth, Seiner Vaterstadt, in strikter Erfüllung des himmlischen Vaterwillens! (Luk. 4,14-30). Und wie muß das Menschliche des „reichen Jünglings“ verletzt gewesen sein, als er betrübt von Jesus hinweg ging! (Matth. 19,16-22).

Wie anders hätte ein „Seelsorger“ von heute diesen ansprechenden, einflußreichen jungen Mann behandelt! Und was brachte die Pharisäer in tödlichen Haß? Daß Jesus ihre religiösen Satzungen und ihr frommes Gebahren als Menschenmache entlarvte und verwarf (Matth. 2:3). Wie zwingend legte Er ihnen den Unterschied zwischen Göttlichem und nur Menschlichem vor, als Er sie fragte: „Die Taufe des Johannes, woher war sie? Vom Himmel oder von Menschen?“ (Matth. 21,25).

Wahrlich, der Herr hat das Nur-Menschliche, wo es sich dem Göttlichen neben- oder überordnen wollte, mit rücksichtsloser Vollmacht in die niederen Schranken zurückgewiesen. Da Er nun so außerordentlich widersprechend auftrat, mußte Er notwendig selber zu einem Zeichen werden, dem widersprochen ward (Luk. 2:34). „Wir wissen, daß du nicht das Ansehen der Menschen achtest“, bekannten die Pharisäer heuchlerisch vor Ihm (Matth. 22,16). Und doch brachten sie Ihn gerade Seiner unerhörten Unabhängigkeit von Menschen wegen unter der Begründung: „Was machst du aus dir selbst!“ (Joh. 8:53) aus Neid ans Kreuz.

Verletzter Pharisäerdünkel war die äußere, die menschliche Ursache Seiner Hinrichtung. Ohne sich vor Herodes, Seinem gottlosen Landesvater, den Er einmal „Fuchs“ genannt (Luk. 13:32) und vor Pilatus, dem machtstolzen Menschenknecht, gebeugt zu haben, befahl der Außerordentliche freiwillig, wie Er sich gefangen gegeben, auch freiwillig Seinen Geist in Seines Vaters Hände. Der unmittelbar mit Gott Lebende konnte nur mittelbar durch Menschen sterben. Zuvor aber hatte Er dem Petrus, der Ihm den Kreuzesweg versperren wollte, die Antwort gegeben: „Gehe hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist!“ (Matth. 16:23).

So hat Jesus, der auserwählte Knecht des HERRN (Jes. 42:13; Matth. 12:18-21), in Seiner unantastbaren Niedrigkeit und Hoheit uns auch ein Beispiel gelassen, was es heißt, nicht durch Eigenwillen herrschen wollen und sich nicht durch Menschenwillen beherrschen lassen wollen.

Als das Abbild des unsichtbaren Gottes und Urbild wahrer Menschlichkeit erschien der Gottessohn als der verkörperte Protest gegen die gesamte Menschenart und gegen jeden menschlichen Anspruch, der dem Anspruch Gottes an uns widerstreitet.

Wie hat doch Paulus, der auserwählte Knecht Jesu Christi, dies Beispiel seines Herrn so trefflich befolgt. Vor seiner Bekehrung ein Knecht des Eigen- und Menschenwillens, hielt er die Kleider derer, die Stephanus steinigten, und war gerade im Dienste der Feinde Jesu mit Haftbefehlen auf dem Wege nach Damaskus, als er die Befreiung von jeder Menschenknechtschaft erlebte. Gerade ihm bedeutete die Erkenntnis Gottes und Christi die aus Gnaden erlangte Fähigkeit, zwischen Göttlichem und Menschlichem klar zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ordnet fortan all seinen Denken und Tun. Er steht im steten Protest gegen sich und alles verwirrende Menschliche, vor dem er vorausschauend mit unerbittlichen Worten warnt. Zu tief durch die göttlichen Gnadenwirkungen in sich und anderen erfahren, hat er die Ertragfähigkeit der alten Menschennatur als auf null stehend bezeichnen müssen: nichts Gutes! (Röm. 7:18).

Diese Erfahrung scheidet ihn von allem Fleisch. Nie kann er sich wieder an sich oder an Menschen verlieren. Er sieht sich samt Menschen und Welt im Zeichen des Kreuzes, und die Welt soll ihn so sehen (Gal. 6:14). Wie sehr bleibt er sich des Gegensatzes zwischen den Wirkungen seines eigenen Wesens und Wirkungen des Geistes Christi in sich bewußt! (Apg. 16:6.7; 1Kor. 9:27; 2Kor. 12:7). Wie gründlich sagte er der Menschenweisheit (1Kor. 2:4.13), den Menschensatzungen (Kol. 2:20; Gal. 5:1), dem Herrschen wollen über Menschen (1Kor. 1:13; 2Kor. 1:24) und dem Beherrscht werden durch Menschen (1Kor. 9:1; Gal. 2:4.5.6.11) ab!

Zweifellos Paulus war entronnen der Herrschaft des Eigenwillens und der Herrschaft des Menschenwillens. So allein vermochte er seiner hohen, himmlischen Berufung und Erwählung treu zu bleiben. Und so allein war er frei, ein Knecht Christi unter Menschen zu sein.

Beides gilt auch uns. Wir dürfen nicht Knechte der Menschen bleiben oder werden, erstens, damit wir nicht unserer persönlichen, himmlischen Berufung untreu werden, zweitens, damit wir Christi Knechte auf Erden zu sein vermögen.

<— Zu Teil 1                                                                      Fortsetzung HIER —> 

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Fritz Binde, Werdet nicht der Menschen Knechte! – Gotha, Verlag der evangelischen Buchhandlung von P. Ott, 1922)

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